Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2013

18:51 Uhr

Berüchtigte Sektensiedlung

Deutsche wegen Sexualverbrechen in „Colonia Dignidad“ verurteilt

Zu Haftstrafen von fünf bis elf Jahren hat ein Gericht in Chile mehrere deutsche Mitglieder der Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ verurteilt, die wegen Kindesmissbrauchs angeklagt worden waren.

Archivfoto der Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ aus den 1980er Jahren. dpa

Archivfoto der Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ aus den 1980er Jahren.

Santiago de ChileDer Oberste Gerichtshof Chiles hat mehrere deutsche Mitglieder der berüchtigten Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ wegen Kindermissbrauchs zu Haftstrafen von fünf bis elf Jahren verurteilt. Das Gericht sprach die Angeklagten unter anderem wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung schuldig.

Unter den Verurteilten ist auch der Sektenarzt Hartmut Hopp, der eine Strafe von fünf Jahren erhält. Er war nach einem vorherigen, aber nicht rechtskräftigen Urteil nach Deutschland geflohen, wo er bis heute lebt. Chile hat die Auslieferung von Hopp beantragt. Deutsche Staatsbürger dürfen jedoch nach dem Grundgesetz nicht ins Ausland ausgeliefert werden.

Sektenführer Schäfer (Aufnahme von seiner Festnahme im März 2005). ap

Sektenführer Schäfer (Aufnahme von seiner Festnahme im März 2005).

Die „Colonia Dignidad“ war unter ihrem 2010 verstorbenen Gründer Paul Schäfer ein befestigtes Lager mit sektenähnlichen Strukturen. Wegen Kindesmissbrauchs in 25 Fällen wurde Schäfer 2006 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Die seit 1991 in „Villa Baviera“ (Bayerisches Dorf) umbenannte landwirtschaftliche Anlage liegt etwa 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile. Während der Pinochet-Diktatur war die damals mit Stacheldrahtzäunen und bewaffneten Wächtern abgeschirmte Anlage auch eines der berüchtigten Folterzentren der chilenischen Geheimpolizei.

Auch auf dem Gipfel der EU mit den lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) in Chile spielte das Thema „Colonia Dignidad“ am Rande eine Rolle: Beim Mittagessen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel saßen auch zwei ehemalige Außenminister der Pinochet-Diktatur am Tisch. Erst 2012 war bekannt geworden, dass einer von ihnen, Hernán Felipe Errázuriz, von dem Kindesmissbrauch in der Siedlung wusste.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RalphFischer

28.01.2013, 19:49 Uhr

Öhm, wo ist das Problem ?

Soweit ich weiss kann man auch in Deutschland für Sexualverbechen im Ausland verurteilt und inhaftiert werden.

MKandzorra

29.01.2013, 15:48 Uhr

Es gelten die §§ 5 ff. StGB - Taten gegen inländische Rechtsgüter (§ 5 StGB) - Taten gegen international geschützte Rechtsgüter (§ 6 StGB, § 1 VStGB) - „andere Fälle“ (§ 7 StGB); hier § 5 Nr. 8 b) StG, der auf die §§ 176 bs 176b) StGB verweist; http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/BJNR001270871.html; http://www.gesetze-im-internet.de/vstgb/BJNR225410002.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×