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05.12.2014

13:46 Uhr

Bescherung mit Bauchschmerzen

Streit um Zwarte Piet spaltet Holländer

Der Nikolaus kommt: Niederländische Kinder können es kaum erwarten. Am heutigen Freitag ist große Bescherung. Doch Erwachsene haben gemischte Gefühle. Die Rassismus-Debatte um den Schwarzen Piet verdirbt die Festfreude.

Rassismus oder Tradition? Eine Frau schminkt sich als „Zwarte Piet“. dpa

Rassismus oder Tradition? Eine Frau schminkt sich als „Zwarte Piet“.

Mit großen Augen bleibt die kleine Laura stehen. „Mama, guck mal, Schwarzer Piet.“ Verklärt schaut das siebenjährige niederländische Mädchen in einem Amsterdamer Supermarkt auf den jungen Mann in lila Pumphosen, auf dem Kopf eine lustige Kappe mit einer langen Feder.

Darunter eine schwarze Kraushaaar-Perücke, die Lippen knallrot und das Gesicht pechschwarz geschminkt. Der Nikolaus-Helfer greift in seinen großen Sack und gibt Laura und ihrer kleinen Schwester Sophie ein paar Pfeffernüsse. Die Mädchen strahlen. „Dankjewel Zwarte Piet“, bedanken sie sich.

Mutter Emmy lacht und streicht ihren Töchtern über die blonden Haare. „Kommt, wir müssen einkaufen“, sagt sie. Ganz wohl ist ihr bei dieser Begegnung im schicken Süden von Amsterdam allerdings nicht. „Eigentlich geht das nicht mehr“, sagt sie. „Die Schwarzen Pieten - ich habe dabei ein doofes Gefühl“.

Das trägt der Nikolaus

Das Nikolaus-Gewand

Der Nikolaus muss einiges auftragen. Aus zehn Einzelteilen besteht sein Gewand. Hier erfahren Sie, welche Kleidungsstücke Sie als perfekter Nikolaus benötigen.

Quelle: „Leitfaden für Nikolausdarsteller“ des BDKJ Köln

Schultertuch

Das „Schultertuch“ oder „Amikt“ hat neben vielen symbolischen Bedeutungen vor allem zwei wichtige Funktionen: Es sieht besser aus, wenn der Kragen ordentlich gerichtet ist, und es ist leicht waschbar.

Albe

Das weiße Untergewand tragen seit der Antike alle Getauften. Durch die „Albe“ wird deutlich was der Nikolaus als Allererstes ist: ein Getaufter, der den Heiligen Geist empfangen hat.

Stola

Als Amtszeichen des Klerikers gilt die „Stola“. Sinnbildlich steht sie für den Dienst des Klerikers, das Joch (früher wurde das Joch den Lasttieren über die Schulter geworfen) des Herrn mitzutragen.

Zingulum

Eine einfache weiße Kordel hilft, die „Albe“ zu schnüren. Symbolisch deutet das „Zingulum“ darauf hin, dass der Bischof sich selbst beherrschen können soll.

Brustkreuz

An einer Kette oder Kordel trägt der Bischof das „Brustkreuz“. Es geht auf einen Brauch der alten Christen zurück, die um den Hals kleine Kapseln mit Reliquien von Märtyrern trugen.

Chormantel

Der Chormantel ist ähnlich wie das klassische Messgewand ein schmuckvolles Obergewand, das mit Kreuzen oder einem kostbaren Verschluss geschmückt ist.

Bischofsring

Der „Bischofsring“ drückt die Verbundenheit des Bischofs mit seinem Bistum aus und wird immer an der rechten Hand getragen, mit der er auch die Gläubigen segnet.

Nikolaus-Buch

Im hübsch gestalteten und verzierten „Nikolaus-Buch“ befindet sich das Evangelium.

Mitra

Die „Mitra“ ist der Hut des Bischofs. Sie besteht aus zwei über Stirn und Hinterkopf aufragenden schildförmigen Teilen. Zwei Zierbänder fallen auf der Rückseite herab.

Bischofsstab

Komplettiert wird der heilige Nikolaus durch den „Bischofsstab“, welcher das wichtigste Amtszeichen des Bischofs ist.

Mit gemischten Gefühlen erwarten die Niederländer an diesem Freitag (5. Dezember) den traditionellen Pakjesavond - die große Bescherung. Der Nikolaus und seine lustigen Helfer, die Zwarten Pieten, werden dann die Geschenke bringen. Laura und ihre Schwester können es kaum noch erwarten. „Noch einmal schlafen“, sagt die fünfjährige Sophie und streckt einen Finger in die Höhe. Doch der heftige Rassismus-Streit hat vielen Erwachsenen die Festfreude gründlich verhagelt. „Für mich ist der Spaß vorbei“, mosert der Fahrradhändler Theo.

Der Sinterklaas mit seinem langen weißen Bart, dem hohen Bischofshut und roten Mantel ist durch seine schwarzen Helfer ins Gerede gekommen. Für schwarze Niederländer ist der Zwarte Piet ein Symbol des Rassismus. Der Knecht im Outfit eines Sarotti-Mohrs erinnert sie an die dunkle Sklaverei-Vergangenheit. Davon wollen die meisten weißen Niederländer nichts wissen. Sinterklaas sei ein unschuldiges Kinderfest. „Piet ist nun einmal schwarz“, hatte auch Ministerpräsident Mark Rutte erklärt.

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