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25.06.2014

16:53 Uhr

Bestechungsprozess

Die hohen Töne der rechten Hand Ecclestones

VonCornelia Knust

Ecclestone als bodenständiger Geschäftemacher, nicht als gerissener Machtpolitiker – so stellt seine rechte Hand Sacha Woodward-Hill den Formel 1-Chef dar. Die Strategie seiner Anwälte wirkt dennoch etwas hilflos.

Ecclestone erscheint in den Schilderungen von Sacha Woodward-Hill als ein Mann der Tat, der sich mit den Details der Unternehmensführung nicht befasst habe. AFP

Ecclestone erscheint in den Schilderungen von Sacha Woodward-Hill als ein Mann der Tat, der sich mit den Details der Unternehmensführung nicht befasst habe.

München„Frau Woodward-Hill ist eine wichtige Zeugin für die Verteidigung“. Ecclestone-Anwalt Sven Thomas präsentiert die große schlanke Engländerin wie einen wertvollen Schatz. Die Übersetzung, der Blick auf ihr Antlitz, die Position des Mikrofons – alles muss perfekt sein.

Als ihr in einer Verhandlungspause plötzlich und ohne ersichtlichen Grund die Tränen kommen, wissen die Anwälte, sie schnell abzuschirmen. Ecclestones Freundin persönlich bringt ihr eine Flasche Wasser und trägt ihr sogar noch den Deckel hinterher.

Im Saal ist Sacha Woodward-Hill, 45, dann wieder eine beeindruckende Person in dunklem Schneiderkostüm, schwindelerregenden Stilettos und diesem gewissen distinguierten Gesichtsausdruck. Sie gilt als besonders kluge Rechtsanwältin, arbeitet seit 1996 an der Seite von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone und ist der Boss der Rennserie, wenn er gerade nicht da ist.

Ecclestone - Ein Kurzporträt

Der Funktionär

Kein anderer hat die Formel 1 so im Griff gehabt wie Bernie Ecclestone. Fast vier Jahrzehnte lang war der gerade mal 1,58 Meter große Brite derjenige, zu dem alle aufschauten.

Der Unternehmer

Ecclestone hat die Formel 1 zum Milliardengeschäft gemacht. Und er hat dabei selbst bestens mitverdient. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär. Laut Forbes gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Seine Jugend

Bernie Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich in England geboren. Nach der Schule arbeitete er bei den Stadtwerken.

Seine Frauen

Ecclestone hat dreimal geheiratet. Von seiner ersten Frau Ivy bekam er die Tochter Deborah, die ihm seinen ersten Enkel schenkte. Mittlerweile ist er sogar Urgroßvater.

Später heiratete Ecclestone das kroatische Modell Slavica Radic. Sie war 28 Jahre jünger und 29 cm größer als Ecclestone.

2012 heiratete Ecclestone schließlich Fabiana Flosi.

Sein Aufstieg

Aufgewachsen ist er im südenglischen Bexleyheath. Ecclestone versuchte sich als Rennfahrer - der Erfolg blieb aus, also stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrerberater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte für die Königsklasse, ein Jahr später die Übertragungsrechte.

Seine Herrschaft

Ecclestones Herrschaft war keineswegs ohne Widerstände. Er leistete sich teilweise haarsträubende verbale Entgleisungen, köderte Teams mit Geld und Sonderbehandlungen und schaltete und waltete mehr oder weniger nach Belieben.

Sein Deal

Nach der Formel-1-Übernahme durch die Investmentgruppe CVC wurde Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt. Der Verkauf der Anteile der BayernLB an die CVC brachte ihm den Vorwurf der Bestechung ein. Das Landgericht München stellte das Verfahren jedoch gegen einen Auflage von 100 Millionen Dollar ein.

Zum Beispiel, wenn er sich am Landgericht München I gegen den Vorwurf der Bestechung eines Amtsträgers, nämlich Ex-Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky, verteidigen muss - seit April 2014  zwei Tage die Woche.

„Company Secretary“ sei sie gewesen, im Jahr 2004, als der Streit mit der BayernLB und zwei amerikanischen Banken um die Kontrolle in der Formel 1 vor englischen Gerichten verhandelt wurde, sagt Woodward-Hill. Seit 2006, so flüstert sie in wohl gesetztem Englisch, sei sie zudem Mitglied im Verwaltungsrat in allen Schlüsselfirmen der Formel 1.

Ecclestone erscheint in ihren Schilderungen als ein Mann der Tat, der das Tagesgeschäft der Formel 1 am Laufen halten wollte, sich aber mit den Details der Unternehmensführung nicht befasst habe. Selbst die Frage, wie viele Direktoren von welchem Anteilseigner nun in der Formel 1-Holding genau sitzen sollten, habe ihn nicht weiter interessiert, behauptet Frau Woodward-Hill.

Über die Corporate Governance habe allein sie sich den Kopf zerbrechen müssen. Vielleicht noch Stephen Mullens, einst „Direktor“ von Bambino Trust, einer Stiftungskonstruktion in Liechtenstein, die Ecclestones Ex-Frau Slavica aus dem Vermögen ihres Mannes begründet hatte.

Zu Gribkowskys Schilderungen des gewieften Machtpolitikers Ecclestone, der ihm im Mai 2005 mit den Worten „Ich zeig Dir jetzt mal, wie das Leben ist“ die traurige Rolle der BayernLB als Formel 1-Gesellschafter verdeutlichte, passt das nicht.

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