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30.01.2013

16:59 Uhr

Besuch in der Gellert-Therme

Baden wie Herr Kaiser

VonLukas Bay

Die Gellért-Therme in Budapest gilt vielen als verruchter Ort, seit Vertreter der Versicherungsgruppe Ergo dort eine Sexparty abhielten. Wie passt dieses Bild mit der Realität zusammen? Handelsblatt-Online-Redakteur Lukas Bay hat sich in Budapest auf die Spur der Lustreisenden begeben.

Gellért-Therme in Budapest: Ehermaliges Party-Revier von Ergo-Vertrieblern. dpa

Gellért-Therme in Budapest: Ehermaliges Party-Revier von Ergo-Vertrieblern.

BudapestMein Kollege grinst, als ich ihm von meiner Reise nach Budapest erzähle. „Budapest? Gehst du auch in die Gellért-Therme?“

Die Gellért-Therme hat in Deutschland unfreiwillige Berühmtheit erlangt, weil eine große deutsche Versicherung das Badehaus vor fünf Jahren für eine Lustreise angemietet hatte. Die besten Vertretern durften in den altehrwürdigen Hallen die kostenlosen Liebesdienste käuflicher Damen in Anspruch nehmen. Die Lustreise, die vor einem Jahr durch das Handelsblatt aufgedeckt wurde, schlug hohe Wellen – und sorgte dafür, dass Reisen nach Budapest bis heute etwas Verruchtes anhaftet.

Ergo: Chronik eines Skandals

19. Mai

Das Handelsblatt berichtet über die Sex-Reise der Hamburg-Mannheimer (HM) nach Budapest. Die Ergo-Sprecherin Alexandra Klemme räumte daraufhin ein: "Es ist richtig, dass es im Juni 2007 eine Incentive-Reise des HMI-Vertriebs nach Budapest gegeben hat. Unsere Recherchen haben ergeben, dass bei einer Abendveranstaltung im Rahmen dieser Reise ca. 20 Prostituierte anwesend waren. Von öffentlichen Sexdarbietungen ist uns nichts bekannt."

19. Mai

Ergo richtet eine Task-Force zur Aufklärung der Vorgänge ein. Sie wächst im Laufe der kommenden Wochen auf mehr als 100 Mitarbeiter an.

22. Mai

Die "Bild am Sonntag" zeigt Bilder und ein Video von vermeintlich koksenden Versicherungsvertretern der Hamburg-Mannheimer.

23. Mai

Die Ergo erklärt: "Die Berichterstattung in der "Bild"-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sogenannten Top-5-Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase."

24. Mai

Fußballtrainer Jürgen Klopp lässt seinen Werbevertrag mit Ergo (HMI) ruhen. "Was man von dieser Reise liest, kann man nur aufs Schärfste verurteilen", sagt sein Berater Marc Kosicke.

25. Mai

Ergo gibt bekannt, seine Werbekampagne, die allein im Jahr 2010 mehr als 50 Millionen Euro kostete, zu reduzieren.

26. Mai

Auf Youtube taucht eine Parodie auf die jüngste Ergo-Werbekampagne auf. Der Spot wurde bislang fast 200 000-mal angeklickt - vier mal so oft wie das Original.

29. Mai

Die "Welt am Sonntag" berichtet, Ergo habe die Sex-Reise von der Steuer abgesetzt.

1. Juni

Fußballtrainer Jürgen Klopp kündigt seinen Vertrag mit Ergo (HMI).

8. Juni

Der Ergo-Aufsichtsrat tagt und beschließt härtere Compliance-Richtlinien.

9. Juni

Das "Handelsblatt" berichtet, Ergo habe Tausenden von Kunden mit fehlerhaften Riester-Verträgen einen Millionenschaden zugefügt.

10. Juni, morgens

Ergo dementiert das Handelsblatt. Ergo-Sprecher Alexander Becker: "Ein systematischer Fehler hätte sicherlich zu massiven Kundenbeschwerden im Anschluss an die Aushändigung der Policen geführt. Diese sind aber nicht erfolgt. Wir gehen deswegen davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt."

10. Juni, nachmittags

Ergo nimmt das Dementi zurück, löscht die morgendliche Presseerklärung aus dem Netz und gibt zu, dass es bei den Riester-Verträgen einen massiven Fehler gegeben habe.

10. Juni

Ergo-Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Munich Re, Nikolaus von Bomhard, spricht von einem "gravierenden Fehler" und kündigt an, Munich Re werden bei der Aufklärung helfen.

17. Juni

Ergo beziffert die Zahl der geschädigten Kunden auf 14000. Sie sollen jetzt nachträglich entschädigt werden.

Ich tue meinem Kollegen den Gefallen: An meinem ersten Feierabend in Budapest besuche ich tatsächlich das altehrwürdige Bad am westlichen Donau-Ufer. Das Gellért-Hotel mit angeschlossener Therme besteht bereits seit 1918, wurde aber in den bewegten Geschichte Budapests schon mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Die Quellen aus denen die warmen Becken befüllt werden, sollen bereits im 13. Jahrhundert entdeckt worden sein. Renoviert wurde das Bad zuletzt im Jahr 2008.

Die Wirkungen, die man dem mineralreichen Wasser zuschreibt, sind geradezu magisch. Angeblich hilft ein Bad gegen Gelenkerkrankungen, Probleme mit der Wirbelsäule, Bandscheibenprobleme, Durchblutungsstörungen, sowie gegen Asthma und chronische Bronchitis. Da ich keines der Leiden vorzuweisen habe, kann ich leider nicht prüfen, ob das stimmt.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

Mit Thermen wie ich sie aus Deutschland kenne, hat schon der Eingangsbereich wenig zu tun. Verzierte Bögen und ein Art-Nouveau-Glasdach erinnern eher an ein Schloss als an ein Bad. In einer holzverkleideten Kabine werden die Eintrittskarten für 4100 bis 4600 Forint (umgerechnet 14 bis 15,60 Euro) verkauft. Nachdem ich bezahlt habe, bekomme ich ein blaues Bändchen.

Auf dem Weg zu den Umkleidekabinen erlebe ich die erste kleine Enttäuschung: Mit dem pompösen Glanz des Eingangsbereichs haben die Umkleideräume wenig gemein. Chaotischer Hallenbadcharme bestimmt die Szenerie, Einweiserinnen verteilen die etwas konfusen Besucher auf die durchnummerierten Privatkabinen. Ich möchte einen Bademantel leihen, verzichte aber darauf nachdem eine wenig freundliche Dame am Verleih dafür 11.000 Forint (rund 37,5 Euro) verlangt.

Kommentare (1)

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bimbo

31.01.2013, 14:22 Uhr

.... also doch nicht wie Kaiser oder Oletzky ;-)

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