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06.10.2014

19:06 Uhr

Betrug beim Bestatter

Tote in billige Ramsch-Särge umgebettet

Ein Bestatter hat vor Gericht gestanden, Familien von Verstorbenen teure Särge verkauft, die Toten vor der Einäscherung dann aber umgebettet zu haben. Es war nicht die einzige Betrugsmasche des vorbestraften Mannes.

Angehörige haben für einen teuren Sarg gezahlt, der Bestatter hat die Toten dann aber vor der Einäscherung in einen billigen Sarg umgebettet. dpa

Angehörige haben für einen teuren Sarg gezahlt, der Bestatter hat die Toten dann aber vor der Einäscherung in einen billigen Sarg umgebettet.

HeilbronnFür den letzten Abschied eines geliebten Menschen wünschen sich viele Angehörige einen schönen Sarg und scheuen dafür keine Kosten. Ob die Verstorbenen auch tatsächlich in diesem Sarg verbrannt werden, lässt sich aber kaum prüfen. Ein Bestatter aus Schwäbisch Hall hat diese Situation ausgenutzt.

Der 33-Jährige gestand am Montag vor dem Landgericht Heilbronn, Verstorbene nach der Trauerfeier in billigere Särge umgebettet zu haben. Den teureren Sarg habe er trotzdem abgerechnet und später wiederverwendet.

Er habe sich selbst gar nicht bereichert, beteuert der Angeklagte. „Ich wollte nur den Betrieb aufrechterhalten“, sagte er dem Richter. Der Bestattungsbetrieb sei schon in finanziellen Schwierigkeiten gewesen, bevor er eingestellt und 2010 alleinverantwortlicher Geschäftsführer wurde.

Er habe viel Druck verspürt – vor allem von dem vorherigen Geschäftsführer und Besitzer. Dieser habe Firmengelder ausgegeben, er selbst „musste das Geld beschaffen“. Kaufmännisch habe er keine Ahnung.

Was Sie bei einer Bestattung beachten sollten

Überlegen Sie sich, was Ihnen wichtig ist

Zunächst müssen Sie sich für eine Bestattungsart entscheiden, etwa Feuer- oder Erdbestattung. Zusätzlich sollten Sie sich überlegen, ob Sie sich etwa eine Trauerfeier, ein Wahlgrab oder die Beisetzung auf einem speziellen Friedhof wünschen

Preise vergleichen lohnt sich

Ob im Internet oder beim Bestatter um die Ecke: Lassen Sie sich zunächst einen Kostenvoranschlag geben, bei dem ihre Wünsche berücksichtigt werden. Lassen Sie sich nicht davon abbringen.

Lassen Sie sich verschiedene Produkte vorstellen

Eichensarg ist nicht gleich Eichensarg: Unterschiede in Fertigung und Design wirken sich deutlich auf den Preis aus. Auch bei der Wahl der Kleidung des Verstorbenen gibt es verschiedene Optionen.

Formalitäten genau planen

Im Normalfall sollte der Bestatter Ihnen die wichtigsten Behördengänge und Formalitäten im Zusammenhang mit dem Sterbefall abnehmen. Überlegen Sie genau, wie viele Sterbeurkunden Sie brauchen. Im Zweifelsfall lieber einige beglaubigte Kopien zuviel als zu wenig bestellen.

Vorsicht vor versteckten Kosten

Einige schwarze Schafe der Branche kalkulieren nicht alle Kosten mit ein oder gehen nicht offen mit zusätzlichen Kosten um. Beispiel Sargträger: Sind die im Kostenvoranschlag drin? Prüfen Sie außerdem, ob Decke und Kissen oder die hygienische Versorgung des Verstorbenen mit angegeben werden.

Wählen Sie den Bestattungsort mit Bedacht

Die Friedhofgebühren unterscheiden sich zwischen Städten und Gemeinden deutlich. Ein Vergleich lohnt sich. Jedoch sollten Sie mit bedenken, wie wichtig es Ihnen ist, an diesem Ort zu trauern. Eine Beisetzung an einem zu weit entfernten Ort, kann der Trauerbewältigung abdienlich sein.

Fünfzig Prozent der Kosten sind Gebühren

Lassen Sie sich vom Bestatter einen Überblick über Friedhofs- und Beisetzungsgebühren geben - ob persönlich oder am Telefon.

Sorgen Sie vor

Eine Bestattung kostet im Durchschnitt rund 3000 Euro. Dazu kommen Gebühren an die Stadt oder Gemeinde, Grabstelle und Grabstein in Höhe von noch mal rund 3000 Euro. Fangen Sie rechtzeitig an vorzusorgen. Je nach Anfangsbeginn lohnt sich eine entsprechende Versicherung oder aber auch ein einfaches Sparkonto. Treffen Sie diese Entscheidung für eine eigene Todesfallvorsorge aber in Ruhe und nicht übereilt.

Der teure Sarg wird bei der Trauerfeier gezeigt, danach kommt der Verstorbene in einen 100-Euro-Sarg für die Feuerbestattung. Das war nicht der einzige Trick des Angeklagten: Am Montag gestand er, Gräber für Urnen in Rechnung gestellt zu haben, die er gar nicht gekauft hat. Auch habe er Vorsorgeverträge für Bestattungen abgeschlossen, das Geld aber nicht in einem Treuhandkonto verwaltet, sondern auf das Firmenkonto getan.

102 Einzeltaten werden dem Angeklagten zur Last gelegt. Insgesamt sollen Schäden in Höhe von knapp 180.000 Euro entstanden sein, so das Landgericht. Er habe sich aber immer „pietätvoll“ verhalten, verteidigte er sich. Vorwürfe von Zeugen, die in den kommenden Verhandlungstagen vor Gericht aussagen sollen, häufen sich aber: Sie sprechen von Flüssigkeiten, die aus einem Sarg ausgetreten seien und von fehlender Kühlung im Bestattungsunternehmen, so der Richter. Das bestritt der Bestatter.

Die Erklärung, der Angeklagte habe nur den Betrieb retten wollen, hat dem Richter nicht gereicht: Er sah dies als Vorwand. Der momentan arbeitslose Angeklagte hatte nach mehreren abgebrochenen Berufslehren ein Unternehmen gegründet, das laut Gericht unter anderem Auftritte von Stripperinnen und Gogo-Tänzerinnen organisierte – und wurde damals schon wegen Betrugs verurteilt.

Der Bestatter käme zu den Vorwürfen also nicht „wie die Jungfrau zum Kind“, sagte der Richter.

Von

dpa

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