Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2015

17:02 Uhr

Bettencourt-Affäre

Drama bei Prozess-Start gegen L'Oreal-Erbin

Die Aufregung ist groß, das Medieninteresse riesig: Der Auftakt des Bettencourt-Prozesses markiert das Ende einer Finanzaffäre. Einer der zehn Angeklagten beging einen Suizidversuch und sorgte für ein Drama zu Start.

Francoise Bettencourt-Meyers: Sie soll ihre Mutter betrogen haben. ap

Francoise Bettencourt-Meyers: Sie soll ihre Mutter betrogen haben.

ParisDie verschlungene Finanzaffäre um die L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt erschüttert seit Jahren Frankreich, nun ist auch der Prozessauftakt am Montag von einem Drama überschattet worden: Einer der zehn Angeklagten schwebte nach einem Suizidversuch kurz vor Prozessbeginn in Lebensgefahr. Die Gerichtsverhandlung im südwestfranzösischen Bordeaux wurde wegen anderer Verfahrensfragen kurz nach dem Auftakt auf Dienstag vertagt.

In der weit verzweigten Finanzaffäre um die reichste Frau Frankreichs geht es insbesondere um den Vorwurf der „Ausnutzung der Schwäche“ der heute 92-Jährigen. Die zehn Angeklagten sollen der seit 2006 an Demenz leidenden Multi-Milliardärin über Jahre hinweg insgesamt mehrere hundert Millionen Euro aus der Tasche gezogen haben.

Vor Gericht stehen frühere Vermögensverwalter, Anwälte, Bedienstete und Bekannte der alten Dame, aber auch der langjährige Vertraute von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und einstige Schatzmeister der konservativen Partei UMP, Eric Woerth.

Liliane Bettencourt

Liliane Bettencourt

Liliane Bettencourt wurde am 21. Oktober 1922 in Paris geboren. Ihr Mädchenname lautet Schueller, nach ihrem Vater Eugène Schueller. Eugène gründete 1909 die Vorgänger-Firma von L'Oréal, die seit 1936 unter diesem Namen weltbekannt wurde.

Heirat

1950 heiratete sie den französischen Politiker André Bettencourt.

Tochter

Am 10. Juli 1953 kam die einzige Tochter des Paares, Françoise, auf dem Familiensitz in Neuilly-sur-Seine Welt. Sie sitzt heute im Aufsichtsrat von L'Oréal.

Tod des Vaters

Am 23. August 1957 starb ihr Vater. Sie erbte 27,5 Prozent des Unternehmens. Sonst befinden sich noch 26,4 Prozent von L'Oréal in der Hand von Nestlé, die restlichen Aktien sind in Streubesitz.

Schenkungen

Zwischen 2001 und 2007 hat Bettencourt Gemälde, Immobilien, Schecks und Lebensversicherungen im Wert von knapp einer Milliarde Euro an den französischen Fotografen François-Marie Barnier verschenkt. Daraufhin entbrannte ein Streit mit der Tochter, die eine Vormundschaft für ihre Mutter beantragte.

Konzerndaten

2010 setzte L'Oréal 19,5 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 3,06 Milliarden Euro. Ende des vergangenen Jahres arbeiteten 64.600 Menschen für den Kosmetikkonzern.

Die Affäre hatte über die Landesgrenzen hinweg für Aufsehen gesorgt, weil zeitweise auch gegen Ex-Staatschef Sarkozy im Zusammenhang mit dem Verdacht der illegalen Wahlkampffinanzierung ermittelt wurde. Das Verfahren gegen Sarkozy wurde 2013 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Sein Parteifreund Woerth aber steht vor Gericht, weil er Bargeld erhalten haben soll - laut Zeugenaussagen rund 150.000 Euro für den Wahlkampf Sarkozys im Jahr 2007.

Angeklagt sind als Schlüsselfiguren auch der einstige Vermögensverwalter Bettencourts, Patrice de Maistre, sowie der Anwalt Pascal Wilhelm. Den größten Anteil an Bettencourts Vermögen soll sich aber deren langjähriger Bekannter, der Künstler François-Marie Banier, unter den Nagel gerissen haben. Allein er soll Geldgeschenke und Kunstwerke für mehrere hundert Millionen Euro abgezweigt haben.

Barnier war auch Auslöser der Affäre, denn Bettencourts Tochter hatte wegen seiner Umtriebe Ende 2007 wegen „Ausnutzung der Schwäche“ ihrer Mutter geklagt. Die Ermittlungen der Justiz brachten dann eine ganze Reihe weiterer, auch politisch brisanter Affären zum Vorschein. Im Wahlkampf 2012 geriet Sarkozy, der die Präsidentschaft dann letztlich gegen den Sozialisten François Hollande verlor, durch Enthüllungen zu dem Fall immer wieder unter Druck.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.01.2015, 17:48 Uhr

Zwar wird sie und ihre Erben es verschmerzen.
Dennoch legt dieser Fall offen, wie mit dementen oder anderen nur eingeschränkt handlungsfähigen Menschen mit auch kleinen Vermögen recht häufig umgegangen wird.

Eine sehr weite Schattenwelt tut sich auf, in der mit voller krimineller Energie geklaut, betrogen und hintergangen wird, was das sprichwörtliche Zeugs hält.

Bietet sich die Gelegenheit, sogar Hunderte von Millionen Euro (wie beim homosexuellen Künstlerpaar Banier) abzustauben, fällt jede noch so klägliche Maske.

Abstoßend, widerlich und übel riechend.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×