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16.01.2015

18:04 Uhr

Bettina Wulff

Außergerichtliche Einigung mit Google

Wenn die Suchmaschine automatisch Suchbegriffe ergänzt, kann das Gerüchte verstärken und für die genannte Person unangenehm werden. Bettina Wulff und Google haben ihren Streit jetzt beendet.

Bettina Wulff hat ihren Streit mit Google außergerichtlicht beigelegt. dpa

Bettina Wulff hat ihren Streit mit Google außergerichtlicht beigelegt.

HamburgBettina Wulff und der Internetkonzern Google haben ihren Streit über die Kombination des Namens Wulff mit Begriffen aus dem Rotlichtmilieu beigelegt. Man habe sich außergerichtlich geeinigt, teilten Wulffs Anwälte und Google am Donnerstag mit. Die Noch-Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff hatte vor dem Landgericht Hamburg gegen 43 Wortkombinationen der sogenannten Autocomplete-Funktion der Suchmaschine geklagt.

„Wir haben unsere Autocomplete-Richtlinien in Bezug auf Beschwerden zu automatischen Vervollständigungen von Personennamen überarbeitet“, sagte Google-Sprecher Klaas Flechsig der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dies sei schon vor einigen Monaten geschehen. „Auf dieser Grundlage haben wir die fraglichen Ergänzungen entfernt.“

Mit den Änderungen sei eine gerichtliche Entscheidung unnötig geworden, teilte Wulffs Anwalt Simon Bergmann mit. Die beanstandeten Wortkombinationen würden auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr angezeigt. „Damit konnte Frau Wulff ihre Grundsatzklage wegen der durch die Autoclomplete-Funktion erfolgten Verbreitung zahlreicher haltloser Gerüchte in der Sache erfolgreich zum Abschluss bringen.“

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Rasch reagieren

„Man muss schnell reagieren, um handlungsfähig zu bleiben. Eine Salamitaktik, das scheibchenweise Einräumen von Fehlern, hat noch nie funktioniert", sagt Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er forscht zu Medienskandalen und Medienethik.

Medienwandel begreifen

Der Professor sagt auch: „Die Salamitaktik funktioniert ganz besonders schlecht unter den gegenwärtigen Bedingungen digitaler Kommunikation, denn bei einem möglichen, eventuell dann wieder fehlerhaften Teilgeständnis ist der Gegenbeweis blitzschnell sichtbar.“

Maximale Transparenz

Ein weiterer Tipp des Experten: „Man muss die Vorfälle schonungslos aufklären und dann mit einer möglichst ernsten, überzeugenden Geste um Verzeihung bitten.“

Image und Inhalt

Ebenfalls sei die Übereinstimmung von Institution und Inhalt laut dem Medienexperten Pörksen sehr wichtig: „Die Art und Weise des Skandalmanagements darf dem eigenen Image und vor allem dem Repräsentationskorsett des Amts, das man ausübt, nicht widersprechen."

Mit der automatischen Vervollständigung von Suchbegriffen sollen Suchmaschinen den Nutzern Tipparbeit ersparen. Google hatte mehrmals unterstrichen, dass die Funktion ohne Wertung Begriffe anzeige, die im Netz häufig aufgerufen würden. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai 2013 in einem Grundsatzurteil entschieden, dass Google automatisch ergänzte Suchvorschläge löschen muss, wenn sie direkt Persönlichkeitsrechte von Nutzern verletzen.

Bereits vor der Änderung der Richtlinien habe Google ein Formular ins Netz gestellt, mit dem sich Nutzer bei dem Internetkonzern beschweren können, etwa über die „Autovervollständigung“. Man sei jetzt etwas offener für solche Beschwerden geworden, sagte Flechsig. Wie viele Beschwerden eingegangen seien, ließ Flechsig offen.

Von

dpa

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