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28.07.2017

10:14 Uhr

Bier in Nordkorea

Nationalstolz aus dem Fass

Bier ist in Nordkorea ebenso beliebt wie günstig. Es trägt das Gütesiegel der Kim-Dynastie. Jetzt hat Pjöngjang ein einmonatiges Bierfestival abgesagt. Durstig bleiben müssen die Bewohner trotzdem nicht.

Ein Tourist posiert vor dem Taedong-Fluss in Pjöngjang. Die Absage des Bier-Festivals ist ein herber Rückschlag für Nordkoreas Touristmus. AFP

Der Taedong-Fliss in Pjöngjang

Ein Tourist posiert vor dem Taedong-Fluss in Pjöngjang. Die Absage des Bier-Festivals ist ein herber Rückschlag für Nordkoreas Touristmus.

PjöngjangDas erste Bierfestival am Taedong-Fluss hat im vergangenen Jahr sowohl Urlauber als auch die Einwohner von Pjöngjang begeistert. Doch die Neuauflage, die am Mittwoch beginnen sollte, wurde aus ungenannten Gründen abgesagt. Der Ausfall trifft die aufkeimende Tourismusindustrie Nordkoreas zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn sie steckt seit dem rätselhaften Tod des US-Studenten Otto Warmbier und dem ersten nordkoreanischen Test einer Interkontinentalrakete am 4. Juli ohnehin in der Krise.

Die größte Brauerei des Landes hatte eigens für das einmonatige Fest ein neues Bier komponiert, das sie am Mittwoch trotz der Absage der Öffentlichkeit vorstellte. Noch wurde das achte Spezialbier der Brauerei Taedonggang nicht abgefüllt und hat auch noch keinen offiziellen Namen, ist aber schon aus dem Fass erhältlich.

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Die Angebote von Taedonggang gelten allgemein als Weltklassebiere, worauf viele Nordkoreaner sehr stolz sind. Zwar ist Bier hier nicht ganz so beliebt ist wie das Nationalgetränk Soju, ein klarer Reisschnaps. Trotzdem ist es flächendeckend erhältlich und billig.

Im Taedonggang-Bierkeller am Brauereigelände kostet ein halber Liter umgerechnet etwa 1,70 Euro. Doch Trinkbuden in der schicken neuen Mirae-Straße der Hauptstadt verkaufen die doppelte Menge Bier schon für umgerechnet rund fünf Cent.

Taedonggang stellt nach Angaben des leitenden Qualitätsmanagers Han Hyong Chol täglich 200.000 Liter Bier her, um die Nachfrage in Pjöngjang zu decken. Die Produktion wird an 160 Bierkeller in der Drei-Millionen-Einwohner-Stadt ausgeliefert.

Die staatliche Brauerei außerhalb der Stadt wurde nach Unternehmensangaben 2001 auf Anweisung von King Jong Il gebaut, dem Vater des aktuellen Machthabers Kim Jong Un, und nahm im Jahr darauf den Betrieb auf. Inzwischen beschäftigt sie etwa 700 Mitarbeiter, in weiten Teilen läuft die Herstellung aber automatisch. Für die Produktion einer Charge Bier sind etwa 20 Tage notwendig.

Den Innenhof der Brauerei ziert ein großes Wandgemälde, das Kim Jong Il im weißen Laborkittel vor einer Produktionsanlage zeigt. Mit breitem Lächeln hält er eine der markanten grünen Taedonggang-Flaschen in der Hand. In den Werkshallen hängen überlebensgroße Fotos von Kim. „Er hat unseren Managern und Technikern erklärt, dass wir als sozialistisches Land die Menschen mit dem besten Bier der Welt versorgen müssen“, sagt ein Guide, der durch die Brauerei führt.

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Dafür studierten die Betreiber vorab Brauverfahren weltweit und testeten Biere. Mutmaßlich greifen sie heute vor allem auf deutsches und britisches Know-how zurück, dazu wollte sich Qualitätschef Han aber nicht äußern. Auch zur plötzlichen Absage des Bierfestivals wollte er nichts sagen. Diese stellt eindeutig einen weiteren schweren Schlag für den Tourismus in Nordkorea dar, auf den die Regierung als Einkommensquelle gesetzt hatte.

Es wird erwartet, dass US-Präsident Donald Trump bald ein formales Reiseverbot in das Land aussprechen wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Tod Warmbiers, der wegen angeblichen Diebstahls eines Propagandaplakats in Nordkorea verhaftet wurde. Nach seiner Verurteilung im März 2016 fiel er aus unbekannten Gründen ins Koma, was Pjöngjang aber mehr als ein Jahr lang geheim hielt. Im Juni dieses Jahres durfte der Student in die USA zurückkehren, wo er aber wenige Tage später starb.

Die Zahl von Amerikanern in Nordkorea dürfte allenfalls einige wenige Dutzend betragen. Drei von ihnen sitzen im Gefängnis.

Von

ap

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