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23.03.2016

17:20 Uhr

Bier mit braunem Beigeschmack

„Grenzzaun Halbe“ verschwindet vom Markt

VonFlorian Listl

Altdeutsche Schrift, fragwürdiger Name, auffällige Zufälle: Das Straubinger Bier „Grenzzaun Halbe“ hat für massenhaft Kritik gesorgt. Der Brauereichef fühlt sich missverstanden – und nimmt das Gebräu vom Markt.

Das umstrittene Bier verschwindet vom Markt. dpa

Flasche leer

Das umstrittene Bier verschwindet vom Markt.

DüsseldorfDas Etikett ist braun, in altdeutscher Schrift steht der Name darauf, „Grenzzaun Halbe“. Auf der Rückseite die drei Schlagwörter Beschützen, Verteidigen, Bewahren. Darüber hinaus auffällig: Der Preis von 88 Cent pro Flasche und das Mindesthaltbarkeitsdatum 9. November. Die Schnittmenge des Produkts mit Symboliken der rechten Szene sind schwer zu übersehen. Ein Helles mit braunem Beigeschmack?

Geschäftsführer Frank Sillner will davon nichts wissen, spricht von einem Missverständnis. Er hatte die Idee zu „Grenzzaun Halbe“ bei einem Feierabendbier. Sillner ließ per Pressemitteilung wissen, er habe kein Verständnis dafür, dass das Getränk mit rechten Parolen in Verbindung gebracht wird. Die Reaktionen der vergangenen Tage zeigen, dass er diese Auffassung relativ allein vertritt. Dennoch gab die Brauerei am Dienstagabend noch bekannt, das Produkt komplett aus dem Handel zu nehmen. „Grenzzaun Halbe“ kann an keiner Verkaufsstelle mehr erworben werden.

Der „Süddeutschen Zeitung“ gegenüber erklärt Sillner, nicht gewusst zu haben, dass die 88 bei Rechtsextremisten als Synonym für den Hitlergruß stehe. Der Preis des Bieres komme durch den Preis von 80 Cent zuzüglich Pfand zustande. Auch die Verbindung zum geschichtsträchtigen Tag des 9. November, der so genannten „Reichskristallnacht“, ist nicht beabsichtigt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sei darauf zurückzuführen, dass das Bier acht Monate haltbar und am 9. März abgefüllt worden sei, so Sillner. Bleiben immer noch Name, Farbe und Schriftart des Gebräus, die beim objektiven Betrachter einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Und bislang nicht erklärt wurden.

Der Rummel um Bier und Brauerei hatte bereits Konsequenzen, etwa für den Bierkonsum der Regensburger Studenten. Das Studentenwerk der Universität hatte bisher einen Exklusivvertrag mit Röhrlbräu. Geht es nach der Studierendenvertretung, soll dieser sofort aufgelöst werden. Die Vertretung forderte zum Boykott des Bieres auf.

Für den studentischen Sprecher Michael Achmann ist die Alleinversorgung des Campus durch Röhrlbräu für die Zukunft untragbar: „Bier ist bekanntlich Geschmackssache, doch dieses Bier finden wir geschmacklos.“, heißt es in der Pressemitteilung der Studienvertretung. Die bunten Werte der Universität, wie Toleranz und Gleichberechtigung, lassen sich demnach nicht mit dem Getränk und dessen Schlagworten „Beschützen, Verteidigen, Bewahren“ vereinbaren. Entsprechend gab die Uni gab bekannt, den im Juli auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Es sind Nachrichten wie diese, unter denen das Image des Unternehmens bereits gelitten hat, auch wenn Frank Sillner dem Vorwurf des Rechtspopulismus sehr entschieden entgegentrat. Persönlich war der Geschäftsführer für das Handelsblatt bisher nicht zu sprechen. In der Pressemitteilung der Brauerei betont er unter anderem, dass Röhrlbräu stets Hilfsorganisationen unterstützt hatte. Weil das Bier aber in die rechte Ecke gestellt werde, so Röhrlbräu, nehme man das Produkt aus dem Sortiment und entschuldige sich öffentlich.

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