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07.05.2017

20:08 Uhr

Bierpreise auf der Wiesn

München streitet um Deckel für Oktoberfest

Er steigt und steigt – der Bierpreis auf dem Oktoberfest. Wiesn-Chef Josef Schmid will das ändern und den Wirten nun für Jahre den Höchstpreis diktieren. Politische Gegner winken ab. Und die Wirte schäumen vor Wut.

Wiesn-Chef Josef Schmid hat eine Bierpreis-Bremse für das Oktoberfest ins politische Spiel gebracht. dpa

Deckel für die Maß

Wiesn-Chef Josef Schmid hat eine Bierpreis-Bremse für das Oktoberfest ins politische Spiel gebracht.

MünchenDas teure Bier auf der Wiesn, das ist in München ungefähr so ein Gesprächsthema wie andernorts das schlechte Wetter. In diesem Jahr will der Wiesnchef und zweite Bürgermeister Josef Schmid den Höchstpreis für die Maß für drei Jahre bei 10,70 Euro einfrieren, dem Maximalpreis des Vorjahres. Das ungewöhnliche Konstrukt eines von öffentlicher Seite verhängten Preisdiktats hatte sich Schmid extra bei den Wettbewerbshütern im Freistaat absichern lassen: Die Kartellbehörde gab grünes Licht.

Der Vorschlag sorgte allerdings für frostige Stimmung zwischen Wiesnchef und Wirten. Und heizte die Stimmung im Rathaus auf. Zeitweise argwöhnten Medien, das Rathausbündnis aus SPD und CSU stehe auf der Kippe. Das wurde freilich dementiert: Eine Auseinandersetzung gehöre zum politischen Geschäft.

Für diesen Dienstag (9. Mai) steht das Thema auf der Tagesordnung des Wirtschaftsausschusses. Acht CSU Mitglieder, sieben von der SPD, drei von den Grünen und Einzelvertreter kleiner Parteien – da könnten die Fetzen fliegen. Weil jede Stimme zählt und das Thema so heiß umkämpft war, soll es in die Vollversammlung am 17. Mai vertagt werden. Die Grünen wollen das beantragen, weil zwei der drei Ausschussmitglieder auf einer Stadtratsreise sind. Die SPD wiederum will das Thema wegen der Wichtigkeit lieber im Plenum diskutieren.

Noch einmal Aufschub also. Schmid wollte sein Konzept bereits im März rasch durch den Wirtschaftsausschuss bringen – doch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nahm das Thema nicht auf die Tagesordnung.

Die Bierpreisbremse ist nur ein Teil von Schmids Wiesn-Konzept, bei dem es um die Finanzierung von rund fünf Millionen Euro Zusatzkosten für Sicherheitsvorkehrungen wegen der Terrorgefahr geht. Vor allem die hohe Zahl von 450 Ordnern für die neuen Eingangskontrollen schlug 2016 zu Buche. Schmid will sich diese zusätzlichen Kosten über eine Umsatzpacht von den Wirten holen. Damit die Mehrkosten nicht über den Bierpreis beim Besucher landen, will er die Bierpreisbremse. Um den Wirten aber einen Ausgleich beim Umsatz zu ermöglichen, hat er die Verlängerung der Wiesn um einen Tag vorgeschlagen.

Die SPD hält sich in ihrer Haltung zu dem Konzept bedeckt, während die Grünen offen kritisieren: „Einer Deckelung des Bierpreises werden wir nicht zustimmen. Das halten wir für reinen Populismus“, sagte der Sprecher der Grünen-Fraktion, Markus Viellvoye. „Wie die Wiesnwirte ihre Preise machen, da gedenken wir nicht, uns einzumischen. Das ist das System in unserer Marktwirtschaft.“ Auch der Zusatztag stößt nicht auf Gegenliebe. 16 Festtage, manchmal, wenn der 3. Oktober dazukommt, mehr: „Wir glauben, das reicht einfach.“

Bei der Umsatzpacht, die den Wirten gar nicht schmeckt, dürfte es im Stadtrat kaum Widerstand geben. Ex-Wiesnchefin Gabriele Weishäupl hatte die Pacht bereits vorgeschlagen, und auch Oberbürgermeister Reiter hatte sie 2010 ins Spiel gebracht, damals als Vorgänger von Schmid als Wiesnchef und Wirtschaftsreferent.

Streit um Limit für Wiesn-Bierpreis: Fass vor dem Überlaufen

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Der Bierpreis auf dem Oktoberfest ist an sich schon jedes Jahr ein Aufregerthema. Jetzt will der Wiesn-Chef den Maßpreis für drei Jahre deckeln. Die Wirte rebellieren, die Fronten vor dem nächsten Anstich verhärten sich.

Der Bierpreisdeckel hingegen brachte nicht nur die Wirte zum Schäumen. Die Stimmung zwischen dem SPD-OB und seinem CSU-Vize kühlte darüber erheblich ab. Reiter verdonnerte Schmid, den Streit mit den Wirten rasch zu lösen, Schmid konterte, er brauche keine Nachhilfe in Dialogfähigkeit. Auch auf der Fraktionsebene rumpelte es. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl und CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl gerieten sich in die Haare. Pretzl soll in interner Runde vorgeschlagen haben, die Sicherheitskosten - genau andersherum als sein Parteikollege Schmid - über eine Erhöhung des Bierpreises hereinzuholen. Als Reissl darüber öffentlich plauderte, eskalierte der Streit. Der Vorwurf der Lüge stand im Raum. Inzwischen hätten sich beide wieder versöhnt, heißt es.

Die Wirte, die hocherzürnt auf Schmid geschimpft hatten, haben zuletzt stillgehalten. Wenn die Bierpreisfrage am 17. Mai ins Plenum gehen sollte, haben sie womöglich genügend Fürsprecher. Nicht zuletzt war das Bier auf dem Oktoberfest schon sehr früh teurer als „normales“ Bier. Als 1872 das für die Wiesn reservierte Sommerbier ausging, begann Wiesnwirt Michael Schottenhamel mit dem Ausschank des sogenannten Märzenbieres. Es war stärker, kostete mit 12 Kreuzern 3 Kreuzer mehr – und es kam bestens an. Schottenhamel hatte die Münchner Seele durchschaut. Er wird mit den Worten zitiert: „Wann d'Münchner was richtigs kriangn, na schaug'n s'Geld net an.“

Von

dpa

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