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22.09.2012

10:13 Uhr

Bierpreise

Wenn die Maß zum Schnäppchen wird

Die Oktoberfestbesucher schimpfen über die ewig steigenden Bierpreise. Doch für Touristen ist der Abstecher auf die Wiesn mitunter ziemlich günstig: Im Vergleich zu manch anderem Land ist die Maß fast ein Schnäppchen.

Die Wiesn-Atmosphäre kaufen Oktoberfestbesucher gleich mit. dpa

Die Wiesn-Atmosphäre kaufen Oktoberfestbesucher gleich mit.

Düsseldorf/MünchenWenn am Samstag das Münchener Oktoberfest startet, müssen trinkfreudige „Wiesn“-Besucher für den Liter Bier tief in die Tasche greifen: Zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro kostet die Maß in diesem Jahr. Damit liegt der Preis erstmals durchgängig über der Neun-Euro-Marke. Seit Jahren steigen die Preise immer drastischer an, was natürlich für Proteste sorgt. Ganz vorne an der Front engagiert sich der „Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V.“, 4.000 Mitglieder aus aller Welt setzen sich für faire Preise und volle Biergläser ein. Denn gemogelt wird auch auf dem Oktoberfest, wo Schankkontrollen des Vereins zufolge bei mancher Maß mitunter 0,2 Liter Bier schlichtweg unterschlagen werden. Ob aus Absicht oder durch falsches Zapfen, sei dahingestellt.

Im Fokus steht aber mittlerweile der Kampf gegen die Preisspirale: „Es muss Schluss sein mit der permanenten, willkürlichen Erhöhung der Getränkepreise auf der Wiesn“, erklärte Vereinspräsident Jan-Ulrich Bittlinger unlängst. Er fordert eine Höchstgrenze von 7,10 Euro für die Wiesn-Maß - und auch für alkoholfreie Getränke. Diese Höchstgrenze müsse in der städtischen Betriebsordnung des Oktoberfestes stehen. Pro Jahr soll der Preis nur um jeweils 15 Cent teurer werden. „Was bitte rechtfertigt es, dass die Maß Bier auf dem Oktoberfest über zwei Euro mehr kostet als im teuersten Biergarten Münchens?“, fragt Bittlinger weiter. Und um diese Forderung zu untermauern, hat der Verein sogar ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, Unterschriften werden fleißig gesammelt.

Entwicklung der Bierpreise auf der „Wiesn“

1970

Vor gut 40 Jahren war die Maß noch, nach heutigen Maß-stäben, spottbillig: 2,65 DM kostete der Humpen damals. Das wären gerade einmal 1,35 Euro.

1980

Vor 30 Jahren sah das Ganze schon etwas anders aus: Zwischen 4,80 und 4,90 DM kostete das Oktoberfest-Bier damals. 2,45 bis 2,50 Euro würde das heute machen.

1990

Die Preissteigerungen verliefen lange Zeit regelmäßig: grob zwei DM alle zehn Jahre - Tendenz steigend. 1990 waren 6,95 DM bis 7,55 DM pro Maß, also zwischen 3,55 Euro bis 3,86 Euro.

1995

Fast außer der Reihe ging es Mitte der 90er recht sprunghaft nach oben. 1995 kostete das Oktoberfest-Bier zwischen 9,50 DM und 10,40 DM - schon 5,32 Euro in der Spitze.

2000

Zum Jahrtausendwechsel ging es noch einmal knapp zwei DM aufwärts, wenn auch in nur noch fünf Jahren. 11,20 DM bis 12,60 DM waren damals fällig, zwei Jahre vor Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung also bis zu 6,44 Euro.

2005

Fünf Jahre später waren es zwischen 6,80 Euro und 7,25 Euro. In der Spitze wurde in diesem Zeitraum die Preise um nicht einmal einen Euro erhöht, kosteten ab diesem Zeitpunkt mehr, als 1990 noch in DM.

2008

Jahr für Jahr wird das Hopfenkaltgetränk teurer, 2008 waren es bereits zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro.

2009

30 bis 50 Cent mehr gab es auch im Folgejahr, von 8,10 Euro bis 8,60 Euro waren 2009 als Preis ausgerufen.

2010

Im vergangenen Jahr bewegte sich die Preisspanne zwischen 8,30 Euro und 8,90 Euro.

2011

2011 steigen die Preise für die Maß auf 8,70 Euro bis 9,20 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 3,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Und ungefähr dem Siebenfachen, was vor 40 Jahren fällig gewesen wäre. Tendenz weiter steigend...

2012

2012 haben die Bierpreise natürlich wieder angezogen. Zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro kostet das Kaltgetränk in diesem Jahr.

2013

Jahr für Jahr näherten sich die Preise immer mehr der 10 Euro Grenze. 2013 liegt der Preis schon zwischen 9,40 Euro und 9,85 Euro.

2014

2014 war es dann das erste Mal so weit: Der Preis stieg auf über 10 Euro. So zahlt man je nach Standort zwischen 9,70 Euro und 10,10 Euro.

2015

Während man 2005 bei 6 Euro pro Maß die Nase gerümpft hätte, würde man sich mittlerweile drüber freuen. Schließlich kostet sie mittlerweile zwischen 10 Euro und 10,30 Euro.

2016

Die Bierpreise bleiben ihrer Linie treu und haben auch dieses Jahr ein Rekordhoch. So zahlt man zwischen 10,40 Euro und 10,70 Euro. Wie wohl die Prognose für die Zukunft aussieht?

Im Ausland – oder zumindest: in manchen Ländern – dürfte das Kopfschütteln auslösen. Denn nicht für alle Oktoberfestbesucher ist das Bier überteuert. Das Personalberatungsunternehmen ECA International hat, aus welchen Gründen auch immer, einen internationalen Bierpreisindex erstellt. Die Daten beziehen sich auf eine Studie zu Lebenshaltungskosten weltweit. Berücksichtigt wurden dabei auch Effekte, die durch Wechselkurse entstehen. Das Ergebnis ist insofern beachtenswert, dass Gäste aus manchen Ländern in Deutschland eine regelrechte Schnäppchentour erwartet.

Der Studie zufolge sparen zum Beispiel Norweger beim Kauf einer Maß mehr als 50 Prozent gegenüber den Gastronomiepreisen in ihrer Heimat. Generell sind die Lebenshaltungskosten in Skandinavien so hoch, dass sich der Durchschnittsverdiener auf dem Oktoberfest regelrecht austoben kann. Australier würden für das, was sie in Deutschland für fünf Maß bezahlen, keine vier Liter bekommen. Und Italiener sparen sich bei einem Besuch in München immerhin 13 Prozent. Auch Japaner und Schweizer kommen günstiger weg. Letztere müssen in Deutschland generell 30 Prozent weniger für Waren und Dienstleistungen ausgeben. Neuseeländer können bei Limonade sogar die Hälfte sparen.

Böse sieht es dagegen für Engländer und Österreicher aus. Dort würde sie der Liter Bier 30, bzw. 15 Prozent weniger kosten. Laut Studie sind Südafrikaner die ärmsten Schlucker: Auf der Wiesn kostet der Liter Bier doppelt so viel wie rund ums Kap der guten Hoffnung. Interessant auch, dass der Liter Mineralwasser – rund 8,60 Euro teuer – Kanadiern eine Menge Geld spart, für Franzosen aber fast 75 Prozent mehr kostet, als gewohnt. Bier zum Rekordpreis,. Dass sei in erster Linie ein Problem der Einheimischen, erklärt ECA International zu diesem Punkt fast lapidar.

Und die sind in der überwältigenden Mehrheit: Nur gut 19 Prozent der Oktoberfestbesucher reisen aus dem Ausland an, etwa 72 Prozent kommen direkt aus Bayern. Die größte Gruppe Touristen stellen die Italiener, die ja bekanntlich an der Maß zumindest etwas sparen.

Unbeantwortet bleibt allerdings die Frage, was die Touristen beim normalen Biergartenbesuch sparen oder draufzahlen. Denn eins ist sicher – die Wirte lassen sich von den Besuchern auch das Erlebnis Oktoberfest bezahlen. Und das gibt es in dieser Form eben nur einmal auf der Welt.

Kommentare (2)

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Paule

22.09.2012, 14:12 Uhr

Textzitat „Was bitte rechtfertigt es, dass die Maß Bier auf dem Oktoberfest über zwei Euro mehr kostet als im teuersten Biergarten Münchens?“ Texzitatende.-

-> Die nicht kleiner werdende bzw. wachsende NACHFRAGE?
Niemand zwingt mich, auf dieses Fest zu gehen, geschweige denn, dort Bier "in Maßen" zu kaufen.

Für Anwohner, deren Eigentum, Nerven oder Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen werden, habe ich Verständnis. Nicht aber für den, der sich das Oktoberfestbier nicht mehr leisten kann.

Ach ja: In einer Bar kostet ein Weizenbier (0,5 Liter, Flaschenbier!) nicht selten 4,50 oder 5,00 EUR. Die werden natürlich jedes Wochenende - ohne mit der Wimper zu zucken - bezahlt.

Das sind echt kleinbürgerliche Luxusprobleme.

LaoK

23.09.2012, 11:56 Uhr

Kriminell: 2011 wurden 7,5 Mio. Maß verkauft. Meist sind sie jedoch nur zu 80% gefüllt. Somit können zusätzlich ca. 1,5 Maß zusätzlich ausgeschenk werden. Und diese wiederum nur zu 80% Füllung, usw. usw. Das Mehreinkommen wandert somit in die schwarze Kasse der Festwire und am Fiskus vorbei. Das nenne ich organisierten und legalisierten Betrug!

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