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23.04.2015

09:19 Uhr

Biografie über Joseph Goebbels

Gericht verhandelt über Nachlass

Wem gehört das Erbe von Joseph Goebbels Gedanken? Die Nachfahren von Hitlers Propagandaminister fordern Tantiemen aus dem Verkauf der Biografie.

Goebbels Nachlassverwalterin sieht sich als rechtmäßige Vertreterin des literarischen Vermächtnisses des NS-Verbrechers. AFP

Installation „Joseph Goebbels TM“ von 2005

Goebbels Nachlassverwalterin sieht sich als rechtmäßige Vertreterin des literarischen Vermächtnisses des NS-Verbrechers.

München Bekommen die Nachfahren von Joseph Goebbels Geld aus dem Verkauf einer Biografie über Hitlers Propagandaminister? Mit dieser Frage beschäftigt sich am Donnerstag das Oberlandesgericht in München. In dem bei der Verlagsgruppe Random House vor fünf Jahren erschienenen Buch verwendet Autor Peter Longerich Zitate aus Goebbels' Tagebüchern. Goebbels' Nachlassverwalterin Cordula Schacht verlangt dafür exakt 6507,87 Euro Tantieme.

Sie sieht sich als rechtmäßige Vertreterin des literarischen Vermächtnisses des NS-Verbrechers, der am 1. Mai 1945 Suizid begangen hatte. Random House hält es für sittenwidrig, Geld an die Nachfahren von Kriegsverbrechern zu zahlen.

Wie Quandt mit den Nazis kollaborierte

Quandt und die Nazis

Drei Jahre lang hat der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck die Vergangenheit der Quandts durchleuchtet und vor allem neue Erkenntnisse über die Rolle Günther Quandts während der Naziherrschaft gesammelt. Es folgt eine stark verkürzte Zusammenfassung.

Vermögen vermehren

Anfang der 30er-Jahre kamen die beiden Familien-Holdings der Quandts, die Agfi und Draeger-Werke, auf ein Vermögen von rund 36 Millionen Reichsmark. Während der Nazi-Herrschaft konnte Günther Quandt diese Summe deutlich hochschrauben.

Eintritt in die Partei

Günther Quandt trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Längst hatte er sein ohnehin umfangreiches Netzwerk um Männer der Partei und der Wehrmacht ergänzt. Die Parteimitgliedschaft öffnete ihm die Türen für lukrative Staatsaufträge.

Enge Kooperation

Günther Quandt expandierte weiter, doch war sein ökonomischer Erfolg eng an die Kooperation mit den Nazis gebunden, allen voran mit den staatlichen Rüstungsstellen. Die Zusammenarbeit funktionierte weitgehend reibungslos.

Doppeltes Spiel

Die vom Staat angekurbelte Rüstungsmaschinerie gehörte rasch zum festen Geschäftsmodell der Quandts. Bis 1939 wollte Günther jedoch nicht ganz auf das Zivilgeschäft verzichten. So baute die AFA 1936 ein hochmodernes Werk in Hannover und folgte dem Motorisierungstrend. Für Akkumulatoren und Batterien war der Staat allerdings schon bald der einzige Abnehmer.

Langfristige Herrschaft

In den Kriegsjahren richtete Quandt seine Unternehmen auf einen europäischen „Großwirtschaftsraum“ aus. Die Expansionsbemühungen nahmen neue Formen an. Günther Quandt setzte auf eine langfristige Herrschaft des Regimes.

Zwangsarbeit bei Quandt

Quandts Unternehmen mussten viele Facharbeiter an die Front schicken. Da inzwischen alle Firmen wichtige Lieferanten für die Wehrmacht waren, kam es zu einem „Arrangement“ mit den Nazis. Günther Quandt beschäftigte in seinen Firmen rund 50.000 Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene. Wie groß der finanzielle Nutzen war, lässt sich heute nicht genau nachvollziehen. Günther Quandt und auch sein Sohn Herbert Quandt waren von Beginn an über die Praxis informiert gewesen.

Rassistische Motive

Günther Quandt war ein Opportunist und leistete innerhalb und außerhalb seiner Firmen der Rassenpolitik des Regimes Vorschub. So war er etwa 1933 an der Verdrängung jüdischer Mitarbeiter aus Berliner Wirtschaftsgremien beteiligt.

Teilnahme an der „Arisierung“

Günther Quandt arbeitete mit den Reichsstellen auch bei der sogenannten „Arisierung“ jüdischen Firmenvermögens zusammen. Dabei griff er skrupellos zu und übernahm mehrere Firmen weit unter Preis.

Die Abrechnung der Alliierten

Günther Quandt kam vergleichsweise glimpflich davon: Eineinhalb Jahre musste er in amerikanischer Lagerhaft verbringen. Am Ende wurde er als „Mitläufer“ eingestuft. Allerdings hielten die Briten entscheidendes Material zurück, weil sie die Bedeutung der Batterieproduktion der AFA sehr hoch einschätzten und deren Besitzer schonen wollten.

Gegen ein erstes Teilurteil des Landgerichts München hatte der Verlag Berufung eingelegt. Damals hatte das Gericht entschieden, dass er Auskunft darüber erteilen muss, wie viel Geld er mit dem Verkauf des Buches verdient hat.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Edmund Stoiber

23.04.2015, 11:37 Uhr

Provokant, aber wahr!

Goebbels gilt rechtlich als nicht vorbestraft!

Daher sind seine Zitate geistiges Eigentum und vererbbar, welches wiederrum die Ansprüche auf Tantiemen begründen könnte. Ich hoffe, dass ich als Nicht-Jurist da richtig liege, oder?

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