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23.07.2015

16:51 Uhr

Bistum Limburg

Muss Tebartz-van Elst zahlen?

Die Kosten für den neuen Limburger Bischofssitz waren in die Höhe geschnellt. Rom muss nun entscheiden, ob der frühere Limburger Bischof Tebartz-van Elst dafür mitbezahlen soll.

Gemäldegalerie im Bischofssitz in Limburg: Bischof Tebartz-van Elst könnte nachträglich zur Kasse gebeten werden. dpa

Bistum Limburg stellt Nutzungskonzept für Bischofssitz vor

Gemäldegalerie im Bischofssitz in Limburg: Bischof Tebartz-van Elst könnte nachträglich zur Kasse gebeten werden.

Berlin, LimburgDie aus dem Ruder gelaufenen Kosten für den neuen Bischofssitz in Limburg könnten für Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst teuer werden. Das Bistum und der Vatikan stehen seit längerem wegen eines möglichen Schadenersatzes in Kontakt, nun wartet die Diözese auf eine Entscheidung aus Rom.

Wegen des Finanzskandals um die neue Residenz und Kritik an seinem Führungsstil hatte Tebartz-van Elst im März 2014 sein Amt als Bischof verloren. Im Dezember ernannte ihn Papst Franziskus zum Delegaten im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung. Die Behörde der römischen Kurie, also der Verwaltung des Vatikans, ist für Verkündung des Evangeliums in Ländern zuständig, in denen die Unterstützung für die Kirche trotz starker Verwurzelung des Glaubens schwindet.

Die Verschwendungen des Bischofs von Limburg

19. August 2012

Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin „Der Spiegel“. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück.

29. Mai 2013

Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

28. Juni

Die umstrittene neue Bischofsresidenz hat nach Angaben des Limburger Bistums knapp zehn Millionen Euro gekostet - rund viermal so viel wie ursprünglich geplant. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen worden sei.

9. Juli

Das Bistum korrigiert die Gesamtkosten für die neue Residenz nach oben. Sie lägen deutlich über 9,85 Millionen Euro.

25. August

Im Bistum beginnt mit einem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung gegen die Amtsführung des Bischofs. Gefordert wird eine umfassende Aufklärung über die Kosten der Residenz.

29. August

Das streng konservative „Forum Deutscher Katholiken“ ruft zur Solidarität mit dem Oberhirten auf.

1. September

Tebartz-van Elst bittet alle Gläubigen seines Bistums in einem Brief um Vertrauen und räumt Fehler ein.

6. September

Gläubige überreichen dem Bischof ihren Offenen Protestbrief mit rund 4400 Unterschriften.

9. September

Der päpstliche Gesandte Kardinal Giovanni Lajolo besucht Limburg. Das Bistum betont, es handele sich um einen „brüderlichen Besuch“ und nicht um eine Untersuchung. Der Bischof sichert wenige Tage später zu, alle Kosten für die Baumaßnahmen Prüfern zugänglich zu machen.

23. September

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisiert Tebartz-van Elst wegen der Finanzaffäre. Eine Kommission werde untersuchen, warum die Kosten für das neue Domizil explodierten.

7. Oktober

Das Bistum beziffert die Kosten für den neuen Bischofssitz auf 31 Millionen Euro.

Grundsätzlich sei bei Rechtsakten gegen einen Bischof der Heilige Stuhl zuständig, erläuterte der Sprecher der Diözese Limburg, Stephan Schnelle, am Donnerstag mit Blick auf möglichen Schadenersatz. „Ob und in welcher Höhe und auf welchem Wege Forderungen gegen Tebartz-van Elst oder andere Verantwortliche der damaligen Bistumsleitung erhoben werden, liegt beim Vatikan.“

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung hat der derzeitige Leiter des Bistums, Manfred Grothe, im Vatikan mehrfach die Forderung nach materieller Wiedergutmachung im Zusammenhang mit der Kostenexplosion am neuen Bischofssitz vorgebracht. „Jetzt muss der Papst entscheiden“, sagte er der Zeitung. Bereits im April hatte die Diözese mitgeteilt, dazu Gespräche mit Rom zu führen.

Damals wurde auch bekannt, dass das Bistum durch das Bauprojekt 3,9 Millionen Euro verloren habe. Diese Summe musste demnach der Bischöfliche Stuhl, der den größten Teil der Baukosten von rund 31 Millionen Euro schulterte, wegen nachträglicher Umbauten, vergeblicher Planungen oder zu hoher Honorare abschreiben. „Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass ein Schaden in eben dieser Höhe entstanden ist“, erklärte das Bistum.

Sprecher Schnelle betonte, dass Grothe den früheren Bischof nicht beim Vatikan angezeigt habe. Grothe habe vielmehr, zuletzt im April, kirchenrechtliche Fragestellungen sowie die Frage nach einer materiellen Wiedergutmachung vorgebracht. Im Herbst sei ein weiteres Treffen zu dem Thema geplant. Papstsprecher Federico Lombardi wollte den Fall am Donnerstag nicht kommentieren und verwies auf die Stellungnahmen des Limburger Sprechers.

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