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14.12.2011

00:50 Uhr

Blutbad in Lüttich

Täter war wegen Sittlichkeitsverbrechens vorgeladen

In einem Lager wurde eine Frau gefunden, die der 33-Jährige offenbar vor seinem Amoklauf getötet hatte. Mit ihr und dem 18 Monate alten Baby, das seinen Verletzungen erlag, steigt die Zahl der Todesopfer auf sechs.

Lüttich: Attentäter verübte offenbar Selbstmord

Video: Lüttich: Attentäter verübte offenbar Selbstmord

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LüttichDer Amokläufer im belgischen Lüttich war am Tag seiner Tat wegen eines mutmaßlichen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Polizeiverhör geladen gewesen. Im November seien erstmals seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis im Oktober 2010 Vorwürfe gegen den 33-jährigen Nordine A. bekannt geworden, sagte die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders am Mittwoch.

Es handle sich um den Vorwurf von Sittlichkeitsverbrechen, der am 13. November „in Form einer Klage gegen X“ eingegangen sei. Die Staatsanwältin nannte keine Einzelheiten. Laut einem Bericht der belgischen Zeitung „Le Soir“ bezog sich die Klage auf „Berührungen“. Laut Reynders konnte A. nach dem Eingang der Klage aufgrund eines am Tatort gefundenen Nummernschildes identifiziert werden. Deshalb sei er am Dienstag um 13.00 Uhr bei der Polizei vorgeladen gewesen.

Die Zahl der Todesopfer ist indes auf sechs gestiegen. Ermittler fanden einen Tag nach dem Amoklauf eines 33-Jährigen in einem von ihm benutzten Lager eine Frauenleiche. Staatsanwalt Cedric Visart de
Bocarme sagte am Mittwoch, die Frau sei vom Täter in dem Lager getötet worden, bevor er sich ins Zentrum der Stadt begeben habe, wo er vier Menschen erschoss, darunter ein 17 Monate altes Kind.

Das Lager habe der Mann zum illegalen Anbau von Cannabis genutzt. Der Mann hatte am Dienstag aus bislang ungeklärten Gründen im Zentrum der Stadt wahllos auf Menschen geschossen, die ihre Weihnachtseinkäufe tätigten. Nach der Tat richtete er sich selbst hin. Er war mit einem Schnellfeuergewehr und Handgranaten bewaffnet.

Belgischer Polizist dem Anschlag vor dem Justizpalast in der Altstadt von Luettich dapd

Belgischer Polizist dem Anschlag vor dem Justizpalast in der Altstadt von Luettich

Nach offiziellen Angaben wurden 125 Menschen verletzt. Der Mann war bereits wegen illegalen Waffenbesitzes und Cannabisanbaus zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Einen terroristischen Hintergrund schlossen die Ermittler aus.

Die Stadt stand unter Schock: Heute Mittag will Lüttich der Opfer mit einer Mahnwache und einer Schweigeminute gedenken.

Wie die Lütticher Staatsanwältin Danielle Reynders sagte, war wegen Waffendelikten, Drogen- und Sittlichkeitsvergehen vorbestrafte Mann am Dienstag eigentlich zu einem Polizeiverhör vorgeladen. Dazu sei er jedoch nicht erschienen. Stattdessen sei er mit einem Revolver, einem Gewehr und mehreren Blendgranaten zum zentralen Platz der ostbelgischen Stadt gefahren. Dort habe er von einem Gebäude aus das Feuer auf die Passanten eröffnet, sagte Reynders.

An dem Platz befinden sich ein Weihnachtsmarkt und ein Gericht. Ein 15-Jähriger war auf der Stelle tot. Ein weiterer Jugendliche sowie eine 75-Jährige und ein 18 Monate altes Baby erlagen später in einem Krankenhaus ihren Verletzungen. Mehr als 100 weitere Menschen wurden verletzt, die meisten an einer Bushaltestelle.

Das belgische Fernsehen zeigte am Dienstagachmittag fliehende und schreiende Menschen in den Straßen der Stadt und eine Blutlache auf dem von der Polizei gesperrten Platz. Es sei unklar, ob der Mann sich anschließend selbst tötete oder ob eine „seiner Waffen explodierte“, sagte Staatsanwältin Reynders. Es sei aber davon auszugehen, dass es sich um einen Einzeltäter handle. Ein terroristischer Hintergrund sei nicht erkennbar.

Kommentare (6)

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Chris

14.12.2011, 00:28 Uhr

Bitte, liebe Handelsblatt-Redaktion verwenden Sie nicht das Wort Narr(Waffennarr), als Narr wird ein Spaßmacher bezeichnet, der für Unterhaltung und Belustigung sorgen soll und dabei meist auffällig gekleidet ist. Es handelt sich doch wohl hier um einen Massenmörder. Sein Ziel war der Weihnachtsmarkt, dort verübte er seine Tat. Parallelen zu Norwegen von wem auch immer gesteuert und gedeckt.

Multikultiwahn@nein

14.12.2011, 01:26 Uhr

"Waffennarr" ist jetzt also ein anderes Wort, um nicht sagen zu müssen, dass der Mann aus Nordafrika war und bereits wegen Sexualdelikten vorbestraft war, weil er sich anscheinend nicht so recht in unsere Kultur intergrieren will.

Pupsi

14.12.2011, 10:53 Uhr

Eine arg kurzgedachte, engstirnige und primitive Schlussfolgerung! Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, was den Täter zu seinem schlimmen Handeln bewogen hat. Nun rechts angehauchte Parollen mal in den Ring zu werfen ist billig, oberflächlich und gehört sich nicht!

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