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21.08.2013

14:48 Uhr

Bluttat in Dossenheim

Frau des Täters unter den Verletzten des Amoklaufs

Unter den Verletzten des Amoklaufs in Dossenheim ist offenbar auch die Frau des Täters. Der Schützte hatte am Dienstag zwei Personen und sich selbst erschossen. Grund soll ein Streit über Nebenkosten gewesen sein.

Anteilnahme in Dossenheim

Anwohner von Amoklauf schockiert

Anteilnahme in Dossenheim: Anwohner von Amoklauf schockiert

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Dossenheim/Heidelberg/SindelfingenEin71-jähriger Sportschütze hat bei einem Amoklauf in Dossenheim nahe Heidelberg zwei Menschen getötet und fünf verletzt. Der Mann habe die tödlichen Schüsse am Dienstagabend mit einer großkalibrigen Pistole abgegeben, sagte Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Mittwoch. „Es war wieder ein schrecklicher Vorfall, bei dem ein Sportschütze beteiligt war.“

Der Täter hatte am Dienstagabend nach einem Streit bei einer Eigentümerversammlung das Feuer auf die etwa zehn Versammelten eröffnet. Danach nahm er sich selbst das Leben.

Motiv für den Amoklauf des 71-Jährigen war ein Streit um die Nebenkosten. Das sagte der Leiter der Heidelberger Staatsanwaltschaft, Alexander Schwarz, am Mittwoch. Der Mann habe sich von den Miteigentümern, die sich am Dienstagabend zu einer Eigentümerversammlung getroffen hatten, betrogen gefühlt.

Er war des Raumes verwiesen worden, kam aber mit einer Pistole wieder und schoss um sich, wie ein Polizeisprecher sagte. Derzeit würden Zeugen vernommen, um das Motiv zu klären. Zudem würden der Tatort genau untersucht und die drei Leichen obduziert. Eine schwer verletzte Frau sei inzwischen außer Lebensgefahr. Unter den verletzten Opfern des Amoklaufs von Dossenheim ist auch die Ehefrau des Täters. Die 70-Jährige sei eine der fünf Verletzten, sagte Schwarz. Die Toten sind zwei 82 und 54 Jahre alte Männer, beide Mitglieder der Wohnungseigentümergemeinschaft. Nach Angaben des Einsatzleiters der Polizei, Siegfried Kolmar, gab der Sportschütze insgesamt 17 Schüsse ab.

Die Versammlung mit etwa zehn Personen hatte im Raum des Vereins TSG Germania 1889 Dossenheim stattgefunden. Die Verletzten waren in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Andere Teilnehmer der Versammlung mussten psychologisch betreut werden. Insgesamt 50 Vereinsmitglieder und Gäste waren zum Tatzeitpunkt auf dem großen Areal, darunter auch Kinder.

Bluttaten mit Sportwaffen in Deutschland

Juli 2013

Ein Nachbarschaftsstreit in Wellendingen (Baden-Württemberg) endet tödlich. Ein 38 Jahre alter Sportschütze holt nach einem Wortgefecht seine Pistole und feuert mehrfach auf den Nachbarn.

Januar 2013

Drei Menschen sterben bei einem Familiendrama im Westerwald (Rheinland-Pfalz). Ein 45-jähriges Mitglied eines Schützenvereins erschießt seine Freundin, deren Großmutter und sich selbst.

Juni 2012

Ein 62 Jahre alter Sportschütze in Bad Dürrheim (Baden-Württemberg) feuert auf den 30-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin und verletzt ihn schwer. Bei seiner Festnahme schießt der schwer bewaffnete Mann zudem mehrfach auf einen Polizeihund.

Januar 2012

Ein 70-jähriger Sportschütze erschießt in Rostock erst seine Frau und dann sich selbst. Die Frau wollte sich von ihm trennen. Der Rentner besaß wegen seines Hobbys mehrere Waffen.

April 2011

Auf den Auszug seiner Freundin reagiert ein Sportschütze in Hamburg mit einem Blutbad. Der 36-Jährige tötet den Bruder der Frau und sich selbst. Eine Freundin und ein Mann, der zu Hilfe eilte, werden durch Schüsse lebensgefährlich verletzt.

September 2010

Eine 41-jährige Sportschützin erschießt in einem Krankenhaus im südbadischen Lörrach ihren Mann, den fünfjährigen Sohn und einen Pfleger. Die Frau hatte offenbar die Trennung von Mann und Kind nicht verkraftet. 2004 hatte sie in der Klinik, die zum Tatort wurde, eine Fehlgeburt erlitten.

September 2009

Tödliches Erbschaftsdrama im Landshuter Landgericht: Ein 60-Jähriger Mann erschießt am Rand eines Prozesses um einen Nachlassstreit seine Schwägerin und nimmt sich danach das Leben. Bei der Schießerei auf dem Flur des Gerichts werden zwei weitere Menschen verletzt. Der Mann hatte als Sportschütze mehrere Waffen.

März 2009

In seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der anschließenden Flucht erschießt ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er seinem Vater, einem Sportschützen, entwendet.

April 2002

Mit Pistole und Pumpgun tötet ein ehemaliger Schüler eines Erfurter Gymnasiums 16 Menschen und sich selbst. Die meisten Opfer sind Lehrer. Das 19 Jahre alte Mitglied eines Schützenvereins war der Schule verwiesen worden.

Der Stuttgarter Innenminister Gall forderte erneut das Verbot großkalibriger Waffen. Diese benötigten Sportschützen nicht, sagte der Minister. Menschen, die Schießsport betrieben, müssten „intensiv kontrolliert“ werden. Er könne nicht glauben, dass so ein Mann nicht vorher schon einmal aufgefallen ist.

Ein Zeuge erklärte, es seien mehr als zehn Schüsse abgefeuert worden. „Es waren vielleicht 10 bis 15 Schüsse, ich weiß es nicht genau“, sagte ein älterer Mann, der zur Tatzeit auf der Terrasse der Gaststätte saß. „Wir waren wie verdattert. Danach war es ganz still. Dann sind alle runtergerannt.“

Der Dossenheimer Vereinspräsident Willi Ortlipp zeigte sich sehr bestürzt. „Ich fühle mich ganz mies und schlecht“, sagte er. Ortlipp war kurz zuvor nach einer CDU-Wahlkampfveranstaltung auf dem Vereinsgelände mit der Bundesbeauftragten für Integration, Maria Böhmer, nach Hause gegangen und wieder herbeigeeilt.

Kommentare (7)

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Sarina

21.08.2013, 13:50 Uhr

Das Motiv liegt weiter im Dunkeln.
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Es wird berichtet, dass der Täter die Versammlung aus welchen Gründen auch immer verlassen musste, dann kam er bewaffnet zurück und richtete ein Blutbad an. Wie kann denn unter diesen Umständen das Motiv noch weiter im Dunkeln liegen? Können unsere Qualitätsjournalisten nichts mehr mit Ursache-Wirkungs-Funktionen anfangen? Muss man ihnen alles haarklein auf einem Tablett präsentieren, bevor es bei ihnen "klick" macht?

Fat_bob_ger

21.08.2013, 14:56 Uhr

Jetzt geht sie wieder los, die Diskussion für und gegen das Sportschießen mit Großkaliberwaffen. Aber niemand diskutiert die Rolle der Presse bei diesen Amoktaten. Mir ist es innerhalb von 5 Minuten gelungen mit Hilfe der Angaben der Bildzeitung den Namen des Amokschützen zu ermitteln. Er heißt Filip Nus und war im Bereich Langwaffen, Schießen aufgelegt ein sehr aktiver und erfolgreicher Schütze. Im Bereich Großkaliber ist er nicht aufgetreten. Was ist das Fazit: Wenn die Sicherungen, wie im vorliegenden Fall oder bei Eifersucht, durchbrennen, sind Todesfälle möglich, die nicht zu verhindern sind. Ob dann eine Kurzwaffe, ein PKW, ein Samuraischwert oder ein Messer als Tatwaffe dient, ist unerheblich. Wenn man die Täter später befragt, wird herauskommen, dass sie sich die Tat nicht erklären können. Was man ändern sollte, ist die Presseberichterstattung. Kriminalität mit illegalen Waffen sind beispielsweise kein Thema, obwohl es ca. 20 Mio. illegale Waffen gibt, wenn der Täter Migrationshintergund hat und eine Frau das Opfer ist, dann wird das hingenommen mit den Worten: "In diesen Kulturkreisen ist das so üblich", bei Kapitalverbrechen ist es auch nur einen 3-Zeiler wert. Wehe, es ist ein Sportschütze im Spiel, dann wird der Fall wochenlang in der Presse aufgeblasen, um daran gut zu verdienen und Politiker versuchen dies für ihre Ziele einzusetzen. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Fat_bob_ger

21.08.2013, 15:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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