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19.03.2012

14:52 Uhr

Bluttat in Frankreich

„Er hat auf alles geschossen, was er vor sich hatte“

Drei Kinder und ein Mann sind tot - hingerichtet von einem Täter, der mutmaßlich auch für die Ermordung von drei Soldaten verantwortlich ist. Die Bluttat an einer jüdischen Schule macht das Ausland fassungslos.

Toulouse

Schüsse vor jüdischer Schule

Toulouse: Schüsse vor jüdischer Schule

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ToulouseEin Mann auf einem Motorroller hat am Montag vor einer jüdischen Schule in Toulouse um sich geschossen und mindestens vier Menschen getötet. Die französische Staatsanwaltschaft schließt einen Zusammenhang mit tödlichen Anschlägen auf Soldaten in der vergangenen Woche nicht aus und leitete Ermittlungen wegen Verdachts auf Terrorismus ein. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy nannte die Bluttat in Toulouse eine furchtbare Tragödie. Die Bundesregierung verurteilte die tödlichen Schüsse und sprach den Angehörigen ihr Beileid aus.

Staatsanwalt Michel Valet sagte, ein 30-jähriger Mann, Medienberichten zufolge ein Rabbiner, und dessen drei und sechs Jahre alten Söhne seien getötet worden, als der Mann das Feuer vor Schulbeginn eröffnet habe. Ein weiteres Kind zwischen acht und zehn Jahren sei ebenfalls ums Leben gekommen und ein 17-jähriger Teenager schwer verletzt worden.

Fremdenfeindliche Übergriffe in Frankreich

Traurige Tradition

Angriffe auf Juden, Synagogen oder andere jüdische Einrichtungen gibt es in Frankreich seit Jahren immer wieder; meist werden Molotow-Cocktails oder andere Gegenstände auf Gebäude geworfen. Als Motiv werden Anti-Semitismus, Israel-Hass oder Rechtsextremismus angenommen.

3. Oktober 1980

„Es ist schrecklich. Ich musste an das Attentat in der Rue Copernic vor 30 Jahren denken“, sagte der Vorsitzende des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (Crif), Richard Prasquier. Damals waren vier Menschen bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Paris gestorben. Am 3. Oktober 1980 war im Zentrum von Paris eine Bombe explodiert, die in einer Satteltasche eines Motorrades versteckt war. Bei dem Anschlag vor der Synagoge starben drei Franzosen und eine junge Israelin, neun Menschen wurden verletzt. Es war der erste tödliche Angriff auf Juden in Frankreich seit der Besatzung durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs.

9. August 1982

Entsetzen löste weltweit auch das Attentat auf das jüdische Restaurant Goldenberg in Paris aus, bei dem am 9. August 1982 sechs Menschen getötet und 22 verletzt wurden. Mit einer Maschinenpistole hatten die Täter unterschiedslos auf die anwesenden Gäste und Angestellten gefeuert, nachdem vor dem Lokal eine Handgranate gezündet worden war. Das in der Rue des Rosiers inmitten des alten jüdischen Viertels Marais gelegene Lokal war ein Treffpunkt der jüdischen Gemeinschaft von Paris.

In beiden Fällen wurden bis heute keine Täter verurteilt. Die Ermittlungen zum Restaurant Goldenberg verliefen im Sande, nachdem die französische Justiz zunächst von palästinensischen Tätern ausgegangen war. Der Überfall wurde von einem fünfköpfigen Kommando verübt.

Im Fall des Anschlages auf die Synagoge wurde Ende 2008 in Kanada ein Tatverdächtiger festgenommen. Der libanesischstämmige Mann Hassan D. bestreitet allerdings eine Tatbeteiligung und sieht sich als Opfer einer Namensgleichheit. Die französische Justiz hatte im Oktober 2007 neue Ermittlungen aufgenommen und geht von einem palästinensischen Kommando aus. Kanada stimmte schließlich im vergangenen Sommer einer Auslieferung von Hassan D. zu, nannte die Beweise gegen ihn aber schwach.

8. September 1995

Am 8. September 1995 explodierte eine Bombe vor der jüdischen Schule von Lyon; 14 Menschen wurden verletzt. Für den Anschlag wurden Islamisten verantwortlich gemacht. Ende März 1985 waren bei einer Explosion in einem Kino in Paris während eines jüdischen Filmfestes 18 Menschen verletzt worden.

31. Dezember 2001

Ein Klassenzimmer der jüdischen Schule Ozar Hatorah in Créteil bei Paris wird durch Brandstiftung zerstört.

1. April 2002

Die Synagoge Or Aviv in Marseille wird vermutlich durch Brandstiftung zerstört, gleichzeitig werden andere Synagogen mit Molotow-Cocktails attackiert.

10. April 2002

Ein Schulbus wird im 20. Arrondissement von Paris mit Steinen beworfen, ein Schüler wird leicht verletzt.

8. Juli 2003

Mehrere Schüler der Schule Beth Lubawitsch in Paris werden mit Eisenstangen angegriffen.

25. Mai 2005

Zwei junge Männer werfen Brandsätze auf eine jüdische Schule im 18. Arrondissement von Paris.

5. Januar 2009

Vor dem Zaun einer Synagoge in Toulouse wird ein Auto in Brand gesetzt, es gibt keine Verletzten.

„Er hat auf alles geschossen, was er vor sich hatte, Kinder und Erwachsene“, sagte Valet. Die Kinder seien bis in die Schule verfolgt worden. Das Drama habe sich kurz vor acht Uhr ereignet. Der Mann habe vor dem jüdischen Gymnasium Ozar Hatorah in dem Wohnviertel Roseraie im Nordosten von Toulouse gehalten, sei von seinem dunklen Motorroller gestiegen und habe um sich geschossen, bevor er auf seinem Motorroller entkommen sei. Der Verdächtige habe vermutlich zwei Waffen benutzt, darunter eine großkalibrige.

Die Polizei riegelte den Bereich um die Schule ab und eskortierte Kinder aus dem Gebäude. Ein Beamter trug ein aufgelöstes Mädchen, das seine Hände vors Gesicht geschlagen hatte. Eine Mutter und ihr Sohn, beide hatten eine jüdische Kippa auf, verließen die Schule sichtlich verstört.

Schießerei in Toulouse

Motorroller-Killer tötet vier Menschen vor jüdischer Schule

Der Motorroller-Killer hat offenbar eine weitere Bluttat verübt. Vor einer jüdischen Schule eröffnete er das Feuer und tötete vier Menschen. Nicolas Sarkozy sprach von einer „schrecklichen Tragödie“. Israel ist entsetzt.

Sarkozy machte sich in Begleitung des Präsidenten der jüdischen Dachorganisation CRIF, Richard Prasquier, und des Bildungsministers Luc Chatel auf den Weg zum Tatort. „Es ist eine furchtbare Tragödie“, sagte der Staatschef. Die gesamte Republik sei betroffen. Sarkozy versicherte, es werde „absolut alles“ unternommen, um den Täter zu finden. Innenminister Claude Guéant werde „so lange wie nötig“ in Toulouse bleiben. „Wir dürfen angesichts des Terrors nicht klein beigeben“, fügte Sarkozy hinzu.

Kommentare (3)

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Abkeulen

19.03.2012, 14:12 Uhr

Gut, dass das nicht in Deutschland passiert ist. Die Nazikeule wäre gewachsen bis ins Unermeßliche...

Edo

19.03.2012, 14:23 Uhr

Kommt darauf an, wer als Täter ermittelt würde.

Tätergruppn N: Mediale Hexenjagd, Instrumentalisierung für "Verbotsverfahren" und Berichterstattung bis zum geht nicht mehr.

Tätergruppe M: "Verwirrter Einzeltäter" und am nächsten Tag ist alles vergessen, um nicht noch "Beifall aus der falschen Ecke" zu bekommen.

Account gelöscht!

19.03.2012, 16:24 Uhr

Sind Sie Dumm? Was ist an so einer Tat "gut"? Nichts ist an Morden "gut"!

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