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01.09.2014

19:15 Uhr

Bluttat in Schleswig-Holstein

Steuerberater erschießt Finanzbeamten

Tödliche Schüsse im Finanzamt: In Rendsburg feuert ein Mann auf einen Beamten. Das Opfer stirbt im Krankenhaus, der Täter wird leicht verletzt festgenommen. Das Motiv ist noch unklar.

Ein Polizist vor dem Finanzamt Rendsburg: Ein Mitarbeiter des Finanzamts ist von einem Kunden erschossen worden. dpa

Ein Polizist vor dem Finanzamt Rendsburg: Ein Mitarbeiter des Finanzamts ist von einem Kunden erschossen worden.

RendsburgErneut tödlicher Angriff in einer Behörde: Bei einem Streit im Finanzamt Rendsburg hat ein Steuerberater einen Beamten in dessen Dienstzimmer erschossen. Der 58 Jahre alte Finanzbeamte erlag am Montag seinen Verletzungen im Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte. Seine Ehefrau wurde informiert, Kinder hat das Paar nach dpa-Informationen keine. Polizisten überwältigten den mutmaßlichen Täter noch im Finanzamt. Er kam mit einer Platzwunde ins Krankenhaus und dann in Polizeigewahrsam. Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sagte, es müsse über die Sicherheit in Behörden gesprochen werden.

Die Staatsanwaltschaft Kiel wollte das Obduktionsergebnis abwarten und am Dienstag Haftbefehl beantragen. „Wir gehen nach derzeitigem Stand von einem Mord aus“, sagte der Kieler Staatsanwalt Axel Bieler. Der Steuerberater ist laut Polizei Mitte 50 und stammt aus einem Nachbarort von Rendsburg in Schleswig-Holstein.

Laut Medienberichten soll es einen lautstarken Streit im Dienstzimmer gegeben haben, bevor die tödlichen Schüsse fielen. Über die Tatwaffe und das Motiv machte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine Angaben.

Tödliche Gewalt

Kunden greifen Mitarbeiter an

In deutschen Behörden gab es schon häufiger Vorfälle, bei denen wütende Kunden auf Mitarbeiter losgingen und diese schwer verletzten - in einigen Fällen wie jetzt im Finanzamt von Rendsburg in Schleswig-Holstein wurden Angestellte sogar getötet.

In diesem Fall war ein Selbstständiger so verzweifelt...

... dass er zur Attacke überging. Ein Steuerberater (55) erschießt im September 2014 im Finanzamt Rendsburg (Schleswig-Holstein) einen Beamten (57). Der Täter hatte die Behörde für seine finanzielle Misere verantwortlich gemacht.

Ein Rentner...

... erschießt im April 2013 den Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont (Niedersachsen). Tatort ist dessen Büro im Hamelner Kreishaus. Anschließend tötet sich der 74 Jahre alte Täter selbst. Er soll jahrelang Ärger mit der Justiz gehabt haben.

Mit einem Fleischermesser bewaffnet...

... stürmt ein 52 Jahre alter Mann im September 2012 in das Jobcenter im niederrheinischen Neuss und ersticht eine Mitarbeiterin. Der Vater von fünf Kindern hatte der Behörde illegalen Handel mit seinen persönlichen Daten unterstellt.

Die Randale in einem Jobcenter...

... in Frankfurt am Main im Mai 2011 war der Ausgangspunkt eines weiteren tödlichen Vorfalls: Eine 39-Jährige randalierte und verletzte einen Polizisten mit dem Messer. Dessen Kollegin schießt und trifft die Frau tödlich.

Mit 25 Stichen...

... in den Kopf tötet ein 46 Jahre alter Langzeitarbeitsloser im Februar 2001 den Direktor des Arbeitsamtes in Verden in Niedersachsen. Die Behörde hatte dem Täter zuvor die Unterstützung gestrichen.

Aus Rache und Hass...

...auf die Justiz erschießt ein 69-Jähriger im Mai 1998 einen 52 Jahre alten Amtsrichter in Essen. Er feuert viermal auf den Richter in dessen Dienstzimmer. Dann tötet er sich selbst.

Gegen 10 Uhr soll der Steuerberater ins Finanzamt gekommen und das Dienstzimmer des für ihn zuständigen Sachgebietsleiters im Erdgeschoss aufgesucht haben. Der Steuerberater habe sich über etwas beschweren wollen, sagte der Polizeisprecher. Nach den Schüssen seien Mitarbeiter des Finanzamtes aus ihren Räumen gekommen, um zu sehen, was passiert sei. Ob der mutmaßliche Täter bei der Festnahme Widerstand leistete, blieb zunächst unklar - ebenso wie viele Schüsse fielen. Das Finanzamt wurde abgesperrt, Kriminaltechniker und Ermittlungsbeamte nahmen in dem Gebäude ihre Arbeit auf.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) reagierte bestürzt. „Ich bin erschüttert, dass Gewalt in das Leben eines friedlichen Menschen eingebrochen ist. Meine Gedanken sind bei seiner Familie“, erklärte er.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Heinold fuhr nach Rendsburg, um sich am Ort des Geschehens zu informieren. Dort wollte sie den etwa 200 Mitarbeitern der Behörde zur Seite stehen. Der Kundenverkehr wurde Montag und Dienstag abgesagt. Am Dienstag können die Mitarbeiter frei entscheiden, ob sie zu Hause bleiben wollen. Es werde einige Zeit brauchen, bis das Ereignis verarbeitet sei, sagte Heinold. „Die Betroffenheit ist sehr groß in der Landesregierung.“

Heinold sagte, dass nach diesem tragischen Vorfall auch über die Sicherheit in Behörden diskutiert werden müsse. Einerseits wollten die Behörden den Menschen in unserer demokratischen Gesellschaft offen begegnen. Andererseits gelte es, Risiken zu vermindern.

In Deutschland gab es schon andere tödliche Übergriffe auf Behördenmitarbeiter - auch in Schleswig-Holstein. Im Dezember vorigen Jahres verurteilte das Landgericht Flensburg einen 57-Jährigen zu zehn Jahren Haft, der seine Sachbearbeiterin bei der Führerscheinstelle erstochen hatte. Die 37-Jährige hatte ihm keine Fahrerlaubnis gegeben. Der Täter war im April 2013 in das Haus der Frau im Kreis Schleswig-Flensburg eingedrungen, würgte sie und tötete sie dann mit zahlreichen Stichen. Im gleichen Monat erschoss ein Rentner den Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont in Niedersachsen.

Von

dpa

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