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16.12.2012

22:44 Uhr

Bluttat von Newtown

Amoklauf-Opfer weisen „verheerende Verletzungen“ auf

Die 20 Kinder und sechs Erwachsenen, die im Kugelhagel gestorben sind, konnten identifiziert werden. Die Tat hat eine heftige Debatte um das Waffenrecht ausgelöst. Nach einem neuen Drohanruf wurde eine Kirche evakuiert.

Trauer und Entsetzen nach dem Massaker

Video: Trauer und Entsetzen nach dem Massaker

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Newtown/Washington/Cedar LakeDas ganze Ausmaß des Horrors an der Grundschule von Newtown im US-Bundesstaat Connecticut wird erst nach und nach deutlich: Die Opfer des Amokläufers, darunter 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren, hätten „verheerende Verletzungen“ aufgewiesen. Mehrfach sei auf die kleinen Körper geschossen worden, bis zu elf Mal, teilte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver sichtlich erschüttert mit. Am heutigen Sonntag wird US-Präsident Barack Obama in Newtown erwartet. Er will bei einer Gedenkfeier sprechen und die Familien der Opfer treffen.

Der Vater des mutmaßlichen Schützen drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern über die „enorme Tragödie“ aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er am Samstag, dass seine Familie mit den Ermittlern eng zusammenarbeite. Auch sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat.

„Wir teilen die Trauer der Gemeinde und des Landes, während wir den unglaublichem Verlust zu verstehen versuchen“, ließ der Onkel mitteilen. Seine Schwester, die Mutter des mutmaßlichen Täters, war am Freitag nach bisherigen Erkenntnissen das erste Opfer des Zwanzigjährigen, der später an der Grundschule dann 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss, bevor er sich selbst tötete.

Alle Opfer des Amoklaufs an einer US-Grundschule konnten mittlerweile identifiziert werden. Die sechs getöteten Erwachsenen waren nach Angaben der Gerichtsmedizin alle Frauen. Bei den 20 getöteten Kindern handelte es sich um acht Jungen und zwölf Mädchen, alle im Alter von sechs und sieben Jahren. Nur eine Frau überlebte ihre Schusswunden. Von ihr erhoffen sich die Behörden weitere Erkenntnisse über den Ablauf der Tat.

Denn die Hintergründe der Bluttat bleiben weiter im Dunkeln. Die Untersuchung des Wohnhauses des Todesschützen habe „gute Beweise“ erbracht, sagte der Sprecher der Polizei im Bundesstaat Connecticut, Paul Vance, am Samstag bei einer Pressekonferenz. Nähere Einzelheiten nannte er nicht. Die Mutter des Amokläufers wurde ermordet in einer nahe gelegenen Wohnung gefunden. Das Massaker wenige Tage vor Weihnachten löste weltweit Entsetzen und Trauer aus.

Anders als viele US-Medien zunächst berichtet hatten, sei der 20-Jährige nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden, sagte Polizeisprecher Vance. „Er hat seinen Eintritt in die Schule erzwungen.“ Nähere Angaben machte der Sprecher nicht.

Amokläufe an amerikanischen Schulen und Universitäten

20. April 1999 - Littleton

Zwei mit Sturmgewehren bewaffnete US-Schüler töten in der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach erschießen sich die Täter selbst.

21. März 2005 - Minnesota

Ein 16-Jähriger erschießt in einem Indianerreservat im US-Bundesstaat Minnesota zunächst seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin. Anschließend tötet er in der Red Lake High School fünf Schüler, einen Sicherheitsbeamten und eine Lehrerin. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei tötet sich der Junge selbst. Der Teenager war ein Hitler-Bewunderer mit Kontakten zu einer Neonazi-Gruppe.

12. Oktober 2006 - Pennsylvania

Der Fahrer eines Milchwagens erschießt im Bundesstaat Pennsylvania fünf Mädchen in einer Amish-Schule. Der 32-Jährige tötet die Kinder mit Kopfschüssen. Als Polizisten die Schule stürmen, bringt er sich um.

16. April 2007 - Blacksburg

Ein Amokläufer erschießt in der Technischen Universität in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia 32 Studenten und Lehrkräfte. Beim Eintreffen der Polizei nimmt sich der 23 Jahre alte Englischstudent aus Südkorea das Leben.

10. Oktober 2007 - Cleveland

Ein 14-jähriger Schüler läuft in einer technischen Oberschule in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) mit zwei Revolvern Amok. Er verletzt zwei Lehrer und zwei Mitschüler und erschießt sich dann selbst. Der jugendliche Amokläufer habe offenbar aus Zorn über einen Schulverweis zur Waffe gegriffen.

14. Februar 2008 - Illinois

Mitten in einer Vorlesung an der Northern Illinois University rund 100 Kilometer westlich von Chicago erschießt ein 27 Jahre alter Amokläufer am Valentinstag fünf Menschen und tötet sich anschließend selbst. Bis zum Frühjahr 2007 hatte er dort Soziologie studiert. Der offensichtlich psychisch kranke Täter trug auf den Armen Tätowierungen mit Horror-Motiven.

3. April 2012 - Kalifornien

Ein Amokläufer erschießt an einem christlichen Privatcollege in Kalifornien sieben Menschen. Der 43-Jährige ist ein ehemaliger Student in Oakland. Fünf Opfer sterben am selben Tag im Kugelhagel, zwei weitere erliegen später ihren Verletzungen.

US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die Grundschule erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet hat: Besucher müssen klingeln und erscheinen dann auf einer Sicherheitskamera. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten.

Der Täter soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown bei seiner geschiedenen Mutter aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN.

Nachbarn beschrieben ihn nach Berichten des Senders als merkwürdig. Bei dem Amoklauf soll er ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Er habe sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.12.2012, 10:56 Uhr

"Amerika ist Weltmeister im Schusswaffentod. Jedes Jahr sterben dort etwa 30.000 Menschen durch Schusswaffen."
Zitat von : http://www.spiegel.de/politik/ausland/massaker-von-newtown-der-waffenwahn-der-amerikaner-a-873179.html

So schlimm dieses Massaker auch ist, es ist nur die Spitze des Eisberges. Wie kann ein Land wie Amerika jedes Jahr 30.000 Menschenleben für die Waffenlobby opfern?

Feinstein

16.12.2012, 12:01 Uhr

" Es machte Bang Bang , ich habe Schreie gehört "
Gut das Kinder in den USA an Schüsse gewöhnt sind .
http://www.youtube.com/watch?v=zOaBIQKpBSw
Pervers : My kids are dying to use guns " .
Eine amerikanische Realität . Ironie des Schicksals : die Mutter des Todesschützen war die Eigentümerin der Waffen und hatte ihren Kinder schon frühzeitig das Schiessen beigebracht . In dieser Atmosphäre und auch den gewalttätigen US Filmen , in denen kaum eine Minute ohne die Gegenwart einer Waffe vergeht , übrigens in zunehmenden Masse auch in EUfilmen zu sehen , ist es eigentlich kein Wunder , dass diese Fälle zu Normalfällen werden . Abscheulich .

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