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10.06.2015

16:39 Uhr

„Bobbele“ bei den Briten

Boris Becker erwägt britische Staatsbürgerschaft

Es mangelt ihm an Respekt in Deutschland: Tennis-Legende Boris Becker, seit Jahren in London beheimatet, möchte langfristig die britische Staatsbürgerschaft für sich und seine Familie.

Tennis-Legende Boris Becker möchte auf lange Sicht lieber Brite werden. dpa

Goodbye, Germany

Tennis-Legende Boris Becker möchte auf lange Sicht lieber Brite werden.

LondonAls Boris Becker 1985 über den Rasen von Wimbledon hechtete und das wichtigste Tennisturnier der Welt gewann, entbrannte eine große Liebe. Die Engländer schlossen den rotblonden Jungen aus Leimen in ihr Herz, als wäre es einer von ihnen. Und Becker lernte England lieben. Jetzt will er sogar britischer Staatsbürger werden. „Am Ende werde ich mich sicher darum bemühen“, sagte Becker am Mittwoch in der BBC auf die Frage, ob er Brite werden möchte. Und auf die Nachfrage des Reporters, ob das wirklich passieren werde, nickte der Deutsche: „Ja.“

Wimbledon, ein bürgerlicher Stadtteil im Südwesten Londons, sei seine berufliche Heimat seit 30 Jahren und seit ein paar Jahren auch seine private. Er hat ein Haus, in dem er mit Frau Lilly und Sohn Amadeus lebt, der Kleine geht in England in die Schule. „Wir fühlen uns wohl“, betonte der 47-Jährige. Er ist dreimaliger Gewinner des Tennis-Turniers von Wimbledon und wurde vom Boulevard wegen seiner aggressiven Spielweise in beiden Ländern zu „Bumm Bumm Boris“ gemacht. „Wir lieben Wimbledon sehr, die Leute behandeln uns mit Respekt“, sagte Becker, den die Deutschen früher „Bobbele“ nannten, am Mittwoch im BBC-Fernsehen.

In Deutschland war das einstige Idol zuletzt eher als Versager wahrgenommen worden: Sein Buch floppte, als Geschäftsmann agierte Becker eher unglücklich, sein Privatleben hatte er nicht im Griff. In einem Interview räumte er zuletzt ein, er habe „Schuldgefühle“.

Mit Großbritannien scheint er es diesmal ernst zu meinen. Schon einige Tage zuvor hatte Becker in einem weiteren Interview mit dem Magazin „Radio Times“ mit seiner deutschen Heimat gebrochen. „Ich lebe nicht in Deutschland, weil ich dort meine Privatheit völlig verloren habe“, sagte Becker und fügte hinzu: „Ich bin kein nationaler Leibeigener. Die Deutschen meinen, sie hätten einen Anspruch auf mich, dass ich ihnen gehören würde.“

Becker kommentierte zwölf Jahre lang als Experte für die BBC das Wimbledon-Turnier. Wenn er englisch spricht, ist sein für deutsche Ohren seltsamer Singsang in der Stimme plötzlich weg. Und auch manche Inhalte, die aus seinem Mund kommen, hören sich völlig anders an, wenn er deutsch spricht. Vor weniger als zwei Jahren hatte der einstige Tennisstar und heutige Coach des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic in einem Interview der ARD mit dem Satz Aufsehen erregt: „...dass ich stolz, Deutscher zu bin“. Anschließend hatte Becker im Internet viel Spott für den Versprecher geerntet.

Nach deutschem Staatsbürgerschaftsrecht könnte Becker seine deutsche Staatsangehörigkeit unter bestimmten Bedingungen behalten, auch wenn er tatsächlich Brite werden sollte. Sein jüngster Sohn Amadeus sei in Großbritannien geboren, betonte er in dem BBC-Interview. In London lebt auch Anna Ermakova, Beckers uneheliche Tochter, die inzwischen als Model tätig ist. Die Söhne Elias und Noah Gabriel leben bei Beckers erster Frau Barbara in den USA.

Von

dpa

Kommentare (3)

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G. Nampf

10.06.2015, 14:50 Uhr

Bye, bye Bobbele.

Niemand vermißt Dich hier in D.....

Herr Franz Paul

11.06.2015, 15:01 Uhr

47 ist er (erst?). Dann bin ich 20.
Aussehen tut er wie 67. Und wie ein Engländer. Und tschüss.......

Herr reiner tiroch

15.06.2015, 10:50 Uhr

muß er da wenigstens mal Steuern zahlen? ausserdem ist es mir echt Wurscht ob der abhaut.

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