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06.03.2013

14:36 Uhr

Bolschoi-Ballettchef

Startänzer gesteht Auftrag für Säureattacke

Vondpa

Der Krimi um Ballettchef Filin am Moskauer Bolschoi scheint aufgeklärt. Ein prominenter Solist bekennt sich schuldig, den Auftrag für den Anschlag gegeben zu haben. Als Motiv nennt die Polizei persönliche Feindschaft.

Sergei Filin, Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters, verlässt in Moskau das Krankenhaus. dpa

Sergei Filin, Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters, verlässt in Moskau das Krankenhaus.

MoskauFür den hinterhältigen Säureanschlag auf Ballettchef Sergej Filin vom Moskauer Bolschoi Theater ist offenbar ein Startänzer verantwortlich. „Ja, ich habe den Auftrag für die Attacke gegeben, aber nicht in der Art, wie es geschah“, sagte Pawel Dmitritschenko (29) in einer Vernehmung, die das Staatsfernsehen am Mittwoch ausstrahlte. Auch der mutmaßliche Täter sowie ein Helfer hätten Geständnisse unterzeichnet, teilte die Polizei mit. Filin wird derzeit wegen schwerer Verätzungen in Aachen behandelt Dmitritschenko, der zuletzt die Titelrolle in „Iwan der Schreckliche“ tanzte, habe aus „persönlicher Feindschaft“ zu Filin gehandelt. Russische Medien berichteten, der mächtige Ballettchef habe dessen Lebensgefährtin Angelina Woronzowa die Traumrolle der Odette in „Schwanensee“ verwehrt. Ein Gericht soll an diesem Donnerstag über die Verhaftung der drei Männer entscheiden.

Nach mehreren Operationen in der Aachener Augenklinik könne er wieder einigermaßen gut sehen, berichtete die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Das Bolschoi hofft, dass er im Sommer wieder in Moskau arbeiten kann. Der 42-Jährige sei über die Festnahmen und die Geständnisse informiert, sagte Bolschoi-Sprecherin Katerina Nowikowa der Agentur Interfax. „Seine Reaktion ist mir nicht bekannt.“ Filin hatte gleich nach dem Anschlag am 17. Januar, bei dem ihm der Angreifer mit Schwefelsäure Augen und Kopf verätzt hatte, den Täter in seinem beruflichen Umfeld vermutet. Das Bolschoi will nun rasch entscheiden, wer statt Dmitritschenko am 16. März in „Dornröschen“ den Blauen Vogel tanzt.

Auftraggeber und Täter drohten je zwölf Jahre Haft wegen schwerer Körperverletzung, meldete die Agentur Interfax. Sie waren wie auch der mutmaßliche Helfer am Vortag festgenommen worden. Der dritte Mann gab zu, den Angreifer zu Filins Haus in Moskau gefahren zu haben. Den Grund habe er aber nicht gekannt, behauptete er. Die Bolschoi-Balletttruppe ist mit etwa 220 Tänzern die größte der Welt. Sie gilt als Wiege klassischer russischer Ballettkunst mit makellosem Spitzentanz, streng synchronen Bewegungen und einzigartiger Körperbeherrschung. Der hausinterne Konkurrenzkampf am Bolschoi ist extrem hart.

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