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16.04.2013

09:49 Uhr

Bombenanschläge in Boston

Der Terror ist zurück

VonNils Rüdel

Ein Doppelanschlag erschüttert Amerika: Bei zwei Explosionen am Rande des Boston Marathons wurden drei Menschen getötet, darunter ein Kind, und mindestens 140 verletzt. Erst allmählich zeigt sich das Ausmaß der Tat.

Attentat

Drei Tote bei Bombenanschlägen auf Boston-Marathon

Attentat: Drei Tote bei Bombenanschlägen auf Boston-Marathon

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BostonEs sollte ein fröhlicher Tag werden in Boston. Ein Feiertag, an dem die ganze Stadt bei Frühlingswetter auf den Beinen ist, um den ältesten und berühmtesten Marathonlauf der Welt zu sehen. Stattdessen wird der gestrige Patriots` Day als einer der dunkelsten Tage in die Stadtgeschichte eingehen.

Bei zwei kurz hintereinander folgenden Bombenanschlägen entlang der Marathon-Strecke wurden am Montagnachmittag drei Menschen getötet, darunter ein achtjähriger Junge. Mindestens 140 wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Behörden mitteilten. Deutsche seien nicht dabei. „Ich sah Menschen buchstäblich durch die Luft fliegen“, sagte eine Augenzeugin im Nachrichtensender CNN. Eine Läuferin sagte: „Es klang wie ein Überschallknall. Ich zittere immer noch.“

Bislang schweigen die Ermittler über die Hintergründe der Tat. Waren es Anhänger des Terrornetzwerks Al Kaida aus dem Ausland? Oder ein einheimischer Einzeltäter? Mittlerweile gibt es die Vermutung, dass es sich entweder um den Angriff von einheimischen Radikalen handeln könnte, die die Macht des Staates zurückdrängen wollen. Experten diskutieren aber auch eine Verbindung zu islamischen Extremisten diskutiert.

Nach den Anschlägen bleiben die Geschäftsstraßen in unmittelbarer Umgebung der beiden Detonationen abgesperrt. Die Polizeipräsenz und Sicherheitskontrollen in der Stadt wurden verstärkt.

Noch nicht einmal das Wort „Terroranschlag“ wollen sie in den Mund nehmen – zu sehr achten sie darauf, dass es nicht zu falschen Verdächtigungen kommt. Inoffiziell allerdings, so heißt es, stuft das Weiße Haus die Tat längst als „Terrorakt“ ein.

Terror bei Sportereignissen

1972 München

Während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 wurden elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ als Geiseln genommen – Ziel war die Freipressung von Gefangenen. Beim gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle noch lebenden Geiseln, ein Polizist und fünf der Terroristen.

1996 Atlanta

Im Olympia-Park von Atlanta explodierte während der Olympischen Spiele 1996 eine Bombe. Die Explosion tötete zwei Personen, mehr als 100 wurden verletzt. Täter war ein Anti-Abtreibungs-Aktivist.

2002 Madrid

Die baskische Terrorgruppe ETA brachte Anfang Mai 2002 eine Bombe im Vorfeld eines Champions-League-Halbfinalspiels zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona zur Explosion. In weniger als 100 Metern Entfernung zum Stadion Santiago Bernabéu ging ein Sprengsatz hoch. Es gab keine Todesopfer.

2008 Rallye Dakar

Die berühmte Rallye wurde im Jahr 2008 abgesagt. Terrorwarnungen für Mauretanien hatten die Veranstalter dazu bewogen.

2009 Lahore

Der Mannschaftsbus des Cricket-Nationalteams von Sri Lanka wird in der pakistanischen Stadt Lahore von einer Gruppe bewaffneter Täter beschossen, die vermutlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe standen. Sechs Nationalspieler werden verletzt, sechs Polizisten und zwei Zivilisten sterben.

2013 Boston

Zwei Explosionen erschüttern den Bereich des Zieleinlaufs des Boston Marathons am 15. April 2013. Drei Menschen sterben noch am selben Tag, weit über 100 sind verletzt, einige von ihnen sehr schwer. Über die Hintergründe des Vorfalls herrscht zunächst Unklarheit.

Vielen kamen denn auch am Montag unweigerlich die Attacken vom 11. September 2001 in Erinnerung. Die Ereignisse in Boston sind die ersten tödlichen Anschläge seither auf amerikanischem Boden, neben dem Amoklauf im Armee-Stützpunkt Fort Hood in Texas im Jahr 2009.

Jetzt ist der Terror zurück. US-Präsident Barack Obama sprach bei einer kurzen Rede im Weißen Haus von einer „Tragödie“. „Wir finden heraus, wer das war“, sagte Obama. Und er versprach: „Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen“.

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