Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2013

13:47 Uhr

Boomende Zucht

Wie Chinesen Profit mit Kakerlaken machen

Ungeziefer auf Rezept: In China boomt die Kakerlaken-Zucht. Die Insekten, die in Deutschland eher Ekel hervorrufen, werden im Reich der Mitte in Medikamenten verarbeitet – und bringen ihren Züchtern viel Geld ein.

Kakerlaken krabbeln in einem Raum der Farm von Züchter Zhang Jianjun in der ostchinesischen Provinz Jiangsu. dpa

Kakerlaken krabbeln in einem Raum der Farm von Züchter Zhang Jianjun in der ostchinesischen Provinz Jiangsu.

PekingZüchter Zhang Jianjun steht ganz ruhig in einem dunklen Raum. Aber um ihn herum ist alles in Bewegung. Kakerlaken laufen auf dem Boden neben seinen Füßen, an den Wänden links und rechts neben ihm und sogar an der Decke. Alltag für den Fachmann in China, denn seine Arbeit ist das Heranziehen von Insekten. „Meine Farm erstreckt sich über 400 Quadratmeter“, sagt er. Wie viele Schaben insgesamt auf seinem Gelände rumlaufen, weiß er nicht - es sind einfach zu viele. „Die kann niemand zählen.“

Grund für das florierende Geschäft mit den Insekten sind Pharmaunternehmen. Präparate von Schaben werden als traditionelles Heilmittel in China verwendet. Aus Kakerlaken wird beispielsweise ein Extrakt gewonnen, das unter dem Namen „Kangfuxin“ vertrieben wird. Bis zu dreimal täglich sollen Patienten das Mittel trinken oder auf die Haut auftragen. Dann soll es die Immunabwehr stärken, Entzündungen hemmen und sogar gegen chronische Magenbeschwerden helfen. Ein Kakerlaken-Pulver soll angeblich gegen Brustkrebs helfen und wird in der Schönheitsindustrie gegen Falten benutzt.

Die Mittel werden eine Wirkung erzielen, wie der Dozent der Medizinhochschule in der ostchinesischen Stadt Nanjing, Pu Sheban, sagt. Schließlich hätten auch die Behörden ihr Okay für die Präparate gegeben.

Vier Pharmaunternehmen verkaufen seit 2010 Medikamente unter dem Namen „Kangfuxin“. Chinas staatliche Nahrungsmittel- und Medikamentenbehörde hatte die Lizenzen erteilt. „Kakerlaken sind in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Heilmittel bekannt“, sagt Pu.

Zhang Jianjun züchtet Kakerlaken. dpa

Zhang Jianjun züchtet Kakerlaken.

Seit der staatlichen Freigabe boomt das Geschäft. Die Nachfrage nach Kakerlaken schießt zurzeit in ungeahnte Höhen, wie chinesische Medien schreiben. Demnach produzieren Züchter in China bisher jährlich 1000 Tonnen Kakerlaken. Aber ihr Angebot befriedigt bei weitem nicht die Nachfrage. Die Industrie rund um die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) verlange schon jetzt laut Schätzungen etwa 3000 Tonnen im Jahr.

Schnell huschen die flachen Insekten mit ihren kräftigen Beinen und langen Fühlern über die Wände bei Züchter Zhang in der ostchinesischen Provinz Jiangsu. „Für ein Pfund bekomme ich 55 Yuan“, sagt Zhang, was umgerechnet etwa 6,60 Euro sind. Freunde von ihm wollten auch in das Geschäft einsteigen, sagt er. Es lockt das große Geld. Besonders steril gezüchtete Schaben für die Pharmaindustrie können bis zu 1200 Yuan (rund 140 Euro) pro Pfund einbringen.

Einen großen Haken haben die Schaben-Farmen in China jedoch: Immer wieder entkommen Insekten. Zuletzt konnte eine Million Kakerlaken aus einer Zuchtstätte im ostchinesischen Jiangsu flüchten. Seit Wochen versuchen die Nachbarn endlich über das Ungeziefer Herr zu werden - schwierig, denn die Insekten sind sehr widerstandsfähig.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×