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28.09.2012

14:55 Uhr

Boss des Automobilverbands FIA

Max Mosley verklagt Google wegen Sexbildern

VonPatrick Beuth
Quelle:Zeit Online

Der Ex-FIA-Chef will verhindern, dass Sex-Bilder von ihm weiter über Google auffindbar sind. Doch Google weist die Verantwortung von sich. Der Konzern betrachtet die Forderung als Vorzensur. Heute beginnt der Prozess.

Ex-Fia-Chef Max Mosely verklagt Google. dapd

Ex-Fia-Chef Max Mosely verklagt Google.

BerlinMehr als vier Jahre ist es nun schon her, dass Max Mosley, der frühere Boss des Automobilverbands FIA, heimlich bei einer Sexparty mit mehreren Prostituierten gefilmt wurde. Bilder aus dem Video kursieren bis heute im Netz, finden lassen sie sich ganz einfach über Googles Bildersuche. Deshalb geht Mosley nun juristisch gegen den Konzern vor, unter anderem vor der Pressekammer des Hamburger Landgerichts, wo heute der Prozess beginnt.

Das Leben des Max Mosley

Erste Sexbilder

30. März 2008: Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ veröffentlicht Bilder aus einem Video, das Mosley bei Sex-Rollenspielen mit fünf Prostituierten zeigt. Ehemalige Formel-1-Piloten wie Sir Stirling Moss, Martin Brundle und Jody Scheckter fordern daraufhin den sofortigen Rücktritt Mosleys.

Mosley wehrt sich

5. April 2008: Mosley setzt sich in einem Brief an alle 222 Fia-Mitgliedsverbände zur Wehr. „Ich habe nichts falsch gemacht“, schreibt der Brite.

Eine Frage des Vertrauens

9. April 2008: Der Fia-Senat setzt einen Termin für die Außerordentliche Generalversammlung fest. In Paris will Mosley die Vertrauensfrage stellen. Die Abstimmung soll geheim erfolgen.

Ein kleiner Sieg

3. Juni 2008: Mosley gewinnt die Vertrauensabstimmung in Paris mit der klaren Mehrheit von 103 der 169 abgegebenen Stimmen. 55 Teilnehmer der Außerordentlichen Generalversammlung votieren gegen ihn. Der ADAC stellt daraufhin seine Mitarbeit in den Fia-Gremien bis zum Ende von Mosleys Amtszeit ein.

Sieg vor Gericht

24. Juli 2008: Ein britisches Gericht urteilt, dass die „News of World“ mit ihrer Berichterstattung rechtswidrig in das Privatleben Mosleys eingegriffen habe, und verhängte Schadensersatzzahlungen in Höhe von 60.000 Pfund.

Der zweite Skandal

17. März 2009: Der Motorsport-Weltrat der FIA beschließt für die Saison 2010 die Einführung einer freiwilligen Budget-Grenze. Zudem soll der Weltmeister anhand der Anzahl der Siege ermittelt werden. Zahlreiche Teams protestieren. Der Streit zieht sich monatelang hin.

Privater Schicksalsschlag

5. Mai 2009: Einer der beiden Söhne Mosleys wird im Alter von 39 Jahren tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden. Er war an einer Überdosis Kokain gestorben.

Moselys Rücktritt

24. Juni 2009: Nach dem monatelangen Streit um die neuen Formel-1-Regeln entscheidet der Brite nicht noch einmal für das Amt des Fia-Chefs zu kandidieren.

Klage gegen Google

09. Juli 2012: Mosley verklagt Google, da immer noch Sex-Bilder von ihm über die Suchmaschine auffindbar sind. Google sieht die Forderung an Vorzensur an.

Mosley hat bereits verschiedene Medien und Website-Betreiber in Deutschland abgemahnt, die Standbilder aus dem Video veröffentlichten. Nun will der ehemalige Präsident des Internationalen Automobilverbandes erzwingen, dass Google die Verbreitung der heimlich aufgenommenen Bilder von vornherein unterbindet. Auch in Frankreich zieht er dafür vor Gericht. Die mittlerweile eingestellte Boulevardzeitung „News of the World“ hatte Mosley bei der Party filmen lassen. Für diesen Eingriff in seine Privatsphäre musste das Blatt ihm umgerechnet rund 75.000 Euro Schadensersatz zahlen.

Natürlich dürfte nun zunächst der Streisand-Effekt eintreten – so wie schon im Fall von Bettina Wulffs Klage gegen Googles Funktion "Autovervollständigen". Je mehr jemand verhindern will, dass etwas über ihn verbreitet wird, desto mehr Menschen macht er neugierig. Die Klage von Mosley wird also zunächst vermutlich dafür sorgen, dass noch mehr Menschen bei Google nach den Fotos suchen. „Aber es geht nicht mehr um mich, es geht ums Prinzip“, hatte der 72-Jährige dem „Spiegel“ sagte. „Ich habe Zeit und Geld. Wenn man beides hat, ist man verpflichtet, zu kämpfen, damit es anderen nicht genauso ergeht.“

Kommentare (3)

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herbertlampschirm

28.09.2012, 16:07 Uhr

Es ist auch eine generelle Frage, was Medien bzw. Internet-Medien heute dürfen. Hier ein Link zu der Diskussion: http://tiny.cc/hlmclw

Frank62

29.09.2012, 07:11 Uhr

1.) Menschen machen Fehler. Mal kleinere mal größere. Es ist unmenschlich dass diese Dinge ein Lebenlang im Internet abrufbar sind. Auch ein Neuanfang ist damit unmöglich. Auch Menschen die sich ändern wollen erhalten nicht mehr die Chance dazu. Und manchmal nerven auch Kleinigkeiten.
2.) Menschen lügen (auch unbewusst). Es ist unmenschlich dass diese Dinge ein Lebenlang im Internet abrufbar sind.
3.) Menschen haben nicht alle die selbe Meinung und nicht die selben Moralvorstellungen.
Wie gehässig, böse und aggressiv Menschen reagieren können erlebt man immer wieder im Internet.
4.) Im Gegensatz zur Post, Telefongesellschaften oder Providern kann Google sich nicht darauf berufen für die Inhalte nicht verantwortlich zu sein, da im Gegensatz zu Briefen, E-Mails und Telefongesprächen die Inhalte von den Suchmaschinen öffentlich sind.
5.) Die Suchmaschinenbetreiber verstoßen gegen das Jugendschutzgesetz, da Kinder und Jugendliche nahezu uneingeschränkten zugriff auf Pornos und Gewaltvideos erhalten.
Wie finden Sie es als Vater oder Mutter wenn ihr Kind sich eine Enthauptung ansieht?

Account gelöscht!

30.09.2012, 11:44 Uhr

Sie haben das Totschlagsargument Kindesmissbrauch vergessen. Hier wird wieder einmal mit fadenscheinigen Argumenten einer Zensur das Wort geredet. Schon mal daran gedacht, dass diese Artikel auch in den gedruckten Ausgaben erscheinen und dass diese auch archiviert (ein Mikrofilm überlebt digitale Medien bei weitem) und in Katalogen erfasst werden?

Kinder und Jugendliche, welche noch nicht die nötige geistige Reife erlangt haben, haben m.E. ohne Aufsicht nichts im Internet (genau so wie man sie nicht alleine vor dem Fernseher deponiert) verloren.

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