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19.01.2015

10:09 Uhr

Boston-Anschläge

Dem Marathon-Attentäter droht die Todesstrafe

Dschochar Zarnajew soll 2013 mit seinem Bruder Tamerlan den Anschlag auf den Boston-Marathon verübt haben. Die US-Regierung will dafür die Todesstrafe beantragen. Wenn es nicht in letzter Minute anders kommt.

Dschochar Zarnajew, hier in einer Gerichtszeichnung von Anfang Januar, droht im Verfahren um das Boston-Attentat die Todestrafe. Reuters

Dschochar Zarnajew, hier in einer Gerichtszeichnung von Anfang Januar, droht im Verfahren um das Boston-Attentat die Todestrafe.

Noch läuft nur die Vorbereitung – die sehr langwierige Auswahl von zwölf geeigneten Geschworenen, die ein Urteil über den mutmaßlichen Bombenleger beim Boston-Marathon fällen sollen. Doch schon in wenigen Tagen, am 26. Januar, soll der eigentliche Prozess gegen den Angeklagten Dschochar Zarnajew beginnen. Und es geht nicht nur darum, welche Schuld dem 21-Jährigen an dem tödlichen Attentat 2013 nachgewiesen werden kann. Im Mittelpunkt steht die Frage: Soll er mit dem Tode dafür büßen?

Oft werden juristische Verfahren in den USA noch vor Beginn des eigentlichen Prozesses mit einem Deal zwischen Anklage und Verteidigung verkürzt – zum Beispiel mit der Zusage einer milderen Strafe bei einem Eingeständnis der Schuld. Aber in diesem Fall lässt das US-Justizministerium nicht erkennen, dass es sich auf einen Vorschlag von Zarnajews Verteidigung einlassen könnte.

Terror bei Sportereignissen

1972 München

Während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 wurden elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ als Geiseln genommen – Ziel war die Freipressung von Gefangenen. Beim gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle noch lebenden Geiseln, ein Polizist und fünf der Terroristen.

1996 Atlanta

Im Olympia-Park von Atlanta explodierte während der Olympischen Spiele 1996 eine Bombe. Die Explosion tötete zwei Personen, mehr als 100 wurden verletzt. Täter war ein Anti-Abtreibungs-Aktivist.

2002 Madrid

Die baskische Terrorgruppe ETA brachte Anfang Mai 2002 eine Bombe im Vorfeld eines Champions-League-Halbfinalspiels zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona zur Explosion. In weniger als 100 Metern Entfernung zum Stadion Santiago Bernabéu ging ein Sprengsatz hoch. Es gab keine Todesopfer.

2008 Rallye Dakar

Die berühmte Rallye wurde im Jahr 2008 abgesagt. Terrorwarnungen für Mauretanien hatten die Veranstalter dazu bewogen.

2009 Lahore

Der Mannschaftsbus des Cricket-Nationalteams von Sri Lanka wird in der pakistanischen Stadt Lahore von einer Gruppe bewaffneter Täter beschossen, die vermutlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe standen. Sechs Nationalspieler werden verletzt, sechs Polizisten und zwei Zivilisten sterben.

2013 Boston

Zwei Explosionen erschüttern den Bereich des Zieleinlaufs des Boston Marathons am 15. April 2013. Drei Menschen sterben noch am selben Tag, weit über 100 sind verletzt, einige von ihnen sehr schwer. Über die Hintergründe des Vorfalls herrscht zunächst Unklarheit.

Bei dem tödlichen Terroranschlag während der Sportveranstaltung in Boston waren drei Menschen getötet worden, darunter ein achtjähriges Kind. Die alte Metropole an der US-Ostküste fühlte sich ins Mark getroffen, und nicht nur die: Die Tat, die Dschochar Zarnajew und seinem auf der Flucht getöteten Bruder Tamerlan zugeschrieben wird, gilt vielen in den USA als besonders hinterhältig.

Gleichzeitig fühlen sich die Staatsanwälte sicher, dass sie unwiderlegbare Beweise haben, mit denen sie die Höchststrafe auch vor Gericht durchsetzen können. „Meiner Meinung nach gibt es für die Regierung keinen Grund, die bisherige Linie zu ändern und es nicht den zwölf Bürgern zu überlassen, ob sie die Todesstrafe für angemessen halten“, sagt Larry Mackey, ein ehemaliger Staatsanwalt in Diensten des Justizministeriums. Er war mit dem Strafverfahren gegen den Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh befasst, der 2001 hingerichtet wurde.

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