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03.09.2014

14:39 Uhr

Bravo unter Druck

Dr. Sommer antwortet der Generation Internet

Die Zeitschrift „Bravo“ war Aufklärer und Trendsetter der deutschen Jugend. Doch das Magazin leidet unter Auflagenschwund. Nun läutet der Bauer Verlag die nächsten Änderungen ein – und will stärker ins Netz.

Eine Ausgabe des Jugendmagazins Bravo. Der Bauer Verlag hat in Hamburg die Neuausrichtung des Magazins präsentiert. dpa

Eine Ausgabe des Jugendmagazins Bravo. Der Bauer Verlag hat in Hamburg die Neuausrichtung des Magazins präsentiert.

Hamburg/MünchenKleine Änderungen im Heft, großer Umbau bei der Internetseite: Die Neuausrichtung des Jugendmagazins „Bravo“ will der Bauer Verlag an diesem Mittwoch (11.00 Uhr) in Hamburg präsentieren. „Wir planen einen komplett neuen Webauftritt und wollen zeigen, was sich bei der gesamten Marke tut“, sagte ein Verlagssprecher.

Zudem würden weitere Neuigkeiten für die Dr.-Sommer-Rubrik vorgestellt. Hintergrund ist die Kündigung der langjährigen Leiterin des Aufklärer-Teams, Jutta Stiehler. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bauer die Konzeption seines Printmagazins überarbeitet und neue Star- und Technik-Formate verkündet.

„Stars erwischt“ setzt seitdem wie klassische People-Magazine auf Paparazzi-Fotos oder Bilder von Star-Inszenierungen im Netz. Die Kategorie „Hot or Not“ beleuchtet die neuesten Trends in Musik, Kino, Styling oder Lifestyle.

Die Deutschen und der Sex

Sprechstunde in der Bravo

Seit rund 45 Jahren ist „Dr. Sommer“ eine Institution. In der Jugendzeitschrift „Bravo“ beantwortet ein Team unter dem Namen Fragen von Jugendlichen und kümmert sich um ihre Sorgen. Die erste „Sprechstunde“ gab es im Jahr 1969. Damals hatte sich eine 13-Jährige in den Busfahrer verliebt. „Was soll ich tun?“

Die Identität des Doktors

Erster „Dr. Sommer“ war der Düsseldorfer Psychotherapeut Martin Goldstein. 15 Jahre lang leitete Goldstein die Rubrik, die das Heft 1972 zweimal auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften brachte. Weil die Jugendzeitschrift unter großen Auflagendruck geraten ist, wird inzwischen am „Dr. Sommer“-Team gespart. Künftig soll ein Team aus festen und freien Mitarbeitern die Fragen der Leser beantworten.

Beliebte Fragen

Eine Rangliste der häufigsten Fragen führt der Bauer Verlag zwar nicht, hier aber einige Eindrücke aus mehr als vier Jahrzehnten Aufklärung.

1969

„Mit 15 noch zu unreif?“ (1969)

1971

„Was ist Petting?“ (1971)

1988

„Wie komme ich an meinen Traumboy ran?“ (1988)

„Wegen meiner Schwitzhände habe ich Angst vor der Tanzschule“ (1988)

„Meine Mutter hat mein Sparbuch versteckt“ (1988)

2003

„Wieso ist Sex erst ab 14 erlaubt?“ (2003)

„Ist die Pille ein Lustkiller?“ (2003)

2009

„Ich will die Pille. Soll ich das der Frauenärztin gleich sagen?“ (2009)

„Ich bin immer in doofe Jungs verliebt“ (2009)

2012

„Ich hatte eine Erektion am Badesee.“ (2012)

Zudem will sich das Magazin künftig verstärkt dem Thema Apps und Technik widmen. Die Auflage des Jugendmagazins befindet sich seit Jahren im Sinkflug: Noch in den Siebzigern wurde die „Bravo“ fast zwei Millionen Mal verkauft.

Seit Ende der 1990er ist die Auflage des Blattes um fast 90 Prozent geschrumpft - aktuell liegt sie nach Angaben des Verbands Deutscher Zeitungsverleger (VDZ) unter 150 000. Das Problem: Die „Bravo“ steht wie andere Jugendmagazin nach Sicht von Experten vor allem wegen der Konkurrenz attraktiver Internet-Angebote unter Druck.

Über Sex tauschen sich Jugendliche hauptsächlich in Foren oder sozialen Netzwerken aus. Nach Stars suchen sie mit Suchmaschinen und klären sich in speziellen Youtube-Kanälen auf. Die „Bravo“ war erstmals 1956 erschienen, seit 1968 gibt es sie wöchentlich.

Ein Jahr später stieß mit dem Psychotherapeuten Martin Goldstein der erste „Dr. Sommer“ zum Heft - und sorgte wenig später für Aufregung: Zweimal schaffte es das Magazin 1972 wegen seiner Sexratgeber-Seite auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. „Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane“, befanden damals die staatlichen Sittenwächter.

Nacktfotos geklaut? Tipps für Surfer!

Aus der Cloud geklaut?

Dutzende private Nacktfotos von Stars wie Jennifer Lawrence und Rihanna kursieren derzeit im Internet – geklaut und verbreitet von Hackern. Vermutlich wurden die Aufnahmen bei einem Angriff auf den Online-Speicherdienst iCloud von Apple erbeutet. Wer – ganz privat, nackt oder angezogen – seine Fotos nicht in fremden Händen oder auf fremden Internetseiten wiederfinden will, sollte einige Dinge beachten.

Quelle: afp

Was ist iCloud?

ICloud ist der Online-Speicherdienst des US-Konzerns Apple. Solche Speicherdienste gibt es auch von zahlreichen anderen Anbietern. Daten werden dabei nicht auf dem Computer zu Hause abgelegt, sondern auf Servern des Anbieters. In solchen „Clouds“ (Wolken) können Daten aller Art gespeichert werden, also Dokumente, Tabellen, Videos und Fotos. Der Vorteil einer Cloud ist, dass von überall mit vielen verschiedenen Geräten darauf zugegriffen werden kann.

Sind Clouds ein sicherer Speicherplatz?

Da Nutzer über das Internet auf eine Cloud zugreifen, sind die Daten zunächst so sicher, wie die verwendeten Passwörter. Je simpler das Passwort, umso einfacher ist es für Hacker, es zu knacken. Aber auch das beste Passwort schützt nicht, wenn sich Cyberkriminelle direkten Zugang zu den Servern der Anbieter oder zu deren Datenbanken verschaffen, in denen alle Benutzernamen und Passwörter gespeichert sind.

Wie kann ich meine Daten und Fotos schützen?

Zunächst sind gute Passwörter sind wichtig. Ansonsten gilt: Egal wo ich meine Fotos speichere, am besten hinterlege ich sie verschlüsselt. Vor allem Daten, die in die Wolke verschoben werden, sollten vorher verschlüsselt werden, rät der Datenschutzexperte Holger Bleich vom Computermagazin „c't“. Dazu gibt es Programme, die zum Teil kostenlos Daten aller Art chiffrieren, sowohl für die Cloud als auch für den eigenen Computer oder externe Festplatten.

Was ist am sichersten?

Am sichersten seien Verschlüsselungsprogramme, bei denen der Schlüssel zur Chiffrierung nicht zentral beim Anbieter sondern lokal beim Nutzer liege, sagen Experten. Der eigene Computer sollte außerdem mit einem guten Virenschutz ausgestattet sein, da über Viren Dritte an Daten gelangen können.

Drohen beim Handy besondere Gefahren?

Bei Handyfotos sollten Nutzer besonders vorsichtig sein, rät Bleich. Zunächst könne ein Handy und alle darauf gespeicherten Fotos geklaut werden und so in fremde Hände fallen. Aber auch wenn Nutzer ihr Handy in den eigenen Händen behalten, seien die Fotos oft nicht sicher. Denn bei den meisten Smartphones werden die Bilder – wenn man die Funktion nicht ausschaltet – automatisch in eine Cloud hochgeladen. Und in der Wolke bleiben sie auch dann, wenn sie auf dem Handy gelöscht werden.

Umgang von sozialen Netzwerken mit Fotos

Nachrichten-Dienste wie Whatsapp sind unter anderem deshalb beliebt, da über sie schnell und einfach Bilder verschickt werden können. Doch werden die Fotos auf Servern der Unternehmen zwischengespeichert. Das gilt auch für soziale Netzwerke wie Facebook. Wenn ich also ein Foto über ein solches Medium versende, landet es außer beim Empfänger auch auf den Rechnern der Firmen.

Kann ich Fotos sicher verschicken?

Was auf sozialen Netzwerken mit den Bildern geschehe, wie lange sie gespeichert würden und wer darauf zugreifen könne, könnten Nutzer nicht beeinflussen oder einsehen, sagt Experte Bleich. Er rät dringend davon ab, sensible Daten auf einem solchen Weg zu verschicken. Ähnlich verhält es sich mit E-Mails – doch die können, anders als Whatsapp Nachrichten, wenigstens verschlüsselt werden.

 


Von

dpa

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