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04.04.2013

01:57 Uhr

Britischer #Aufschrei

Britinnen machen gegen „Seite-3-Girl“ mobil

Nur gute zwei Monate nach dem #Aufschrei in Deutschland, erhitzt eine Sexismus-Debatte in Großbritannien die Gemüter. Auch dort startete die Debatte mit Hilfe einer jungen Journalistin.

„Bekämpft Sexismus“ – Wie hier in Deutschland machen nun auch die britischen Frauen gegen Alltagssexismus mobil. dpa

„Bekämpft Sexismus“ – Wie hier in Deutschland machen nun auch die britischen Frauen gegen Alltagssexismus mobil.

LondonWenn Laura Bates sich über die alltägliche sexuelle Belästigung in Großbritannien ärgerte, bekam sie von Männern wie Frauen immer wieder das eine zu hören: Die Gleichstellung sei erreicht, es gebe nichts mehr, wofür es sich zu kämpfen lohne. Umso überraschter war die heute 26-jährige Journalistin, als sie 2012 die Internetseite „The Everyday Sexism Project“ ins Leben rief: Zu tausenden meldeten sich seither Frauen, um über Sexismus, sexuelle Belästigung und sogar sexuelle Übergriffe zu berichten.

„Wenn sich Frauen heute über Sexismus beklagen, wird ihnen gesagt, sie seien bieder, frigide, nörglerisch oder könnten nicht mit Witzen oder Komplimenten umgehen“, sagt Bates der Nachrichtenagentur dpa in London. Das sei unglaublich frustrierend. „Wie können wir das Problem angehen, wenn wir nicht einmal anerkennen, dass es existiert?“

In Deutschland hatte die Bloggerin Anne Wizorek Ende Januar mit dem Hashtag #Aufschrei eine Twitter-Debatte um Sexismus im Alltag angestoßen. Diese war durch die Beschwerde einer Journalistin über angebliche sexistische Äußerungen des FDP-Fraktionschefs Rainer Brüderle ausgelöst worden.

Frankreich: Sexismus im Land der Charmeure

Frankreich

Sexismus im Land der Charmeure

Frankreich hatte seinen „Fall Brüderle“ schon vor anderthalb Jahren. Damals soll IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in New York einem Zimmermädchen zu nahe gekommen sein. Es folgte eine hitzige Sexismus-Debatte.

In Großbritannien sei Sexismus allgegenwärtig, kritisiert Bates. Beispiele gebe es zuhauf: Kellnerinnen werde gesagt, begrapscht zu werden, gehöre zum Job. In Bussen masturbierten Männer vor weiblichen Passagieren, und Mädchen im Teenageralter hätten Angst, an einer Gruppe von zwei oder mehr Männern vorbeizugehen, weil sie mit Rufen wie „Schlampe“ oder „zeig' deine Titten“ rechnen müssten.

Nach Brüderle-Vorwürfen: #Aufschrei gegen Alltagssexismus bei Twitter

Nach Brüderle-Vorwürfen

Der ganz alltägliche Sexismus

Auf Twitter berichten Frauen über ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus.

Auch die Medien reduzierten Frauen oftmals auf das Frau-sein oder auf ihren Körper. „Wir sehen zum Beispiel, dass Angela Merkel für ihre Hosenanzüge oder ihre Pagen-Frisur kritisiert wird, Sarah Palin als aufblasbare Puppe zu kaufen ist oder Zeitungen unter dem Titel 'Breastminster' das Dekolleté britischer Ministerinnen vergleichen.“

So etwas ärgert auch Lucy-Anne Holmes, die mit einer anderen Anti- Sexismus-Initiative von sich Reden macht. Die 36-jährige Autorin startete eine Kampagne gegen Großbritanniens populäre Zeitung „The Sun“, um zu erreichen, dass das tägliche Nacktmodel auf Seite 3 aus dem Boulevardblatt verschwindet.

Kommentare (1)

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KarlSchmieder

04.04.2013, 08:11 Uhr

Und zwar kommen diese Äußerungen (auch unter Männern) augenscheinlich hauptsächlich von denen, die nur für Geld zum Zug kommen. Meistens kommen schlechtes Aussehen und schlechtes Benehmen zusammen. Meine Empfehlung: Einfach ab und zu mit Verstand in den Spiegel und den Knigge schauen.
Gruß Karl

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