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08.07.2013

13:29 Uhr

Bruchlandung in San Francisco

Hinweise auf Pilotenfehler mehren sich

Die US-Flugsicherheit hat erste Erklärungen für den Flugzeugabsturz in San Francisco. Die Maschine sei zu langsam geflogen, ein Durchstarten zu spät erfolgt. Auch der Flughafen könnte eine Mitschuld am Unglück tragen.

Ein Bild vom Flug 214 nur Minuten nach der Bruchlandung. Schwarze Rauchwolken ziehen in den Himmel über San Francisco. Die Ursache ist für das Unglück ist weiterhin ungeklärt. ap

Ein Bild vom Flug 214 nur Minuten nach der Bruchlandung. Schwarze Rauchwolken ziehen in den Himmel über San Francisco. Die Ursache ist für das Unglück ist weiterhin ungeklärt.

San Francisco/SeoulNach der Bruchlandung einer Passagiermaschine in San Francisco mit zwei Toten mehren sich die Hinweise auf einen Pilotenfehler. Die Boeing 777 flog die Landebahn viel zu langsam an, wie die Auswertung des Rekorders mit den Stimmen aus dem Cockpit ergab. Die südkoreanische Fluggesellschaft Asiana Airlines räumte zudem ein, dass der Pilot fast keine Erfahrung mit einer Maschine dieses Typs hatte. Tragisch: Eines der Todesopfer wurde möglicherweise von einem Rettungsfahrzeug überfahren.

Bei der verunglückten Landung der Boeing mit 307 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord waren am Samstag zwei chinesische Schülerinnen im Alter von 16 und 17 Jahren ums Leben gekommen. Sie wollten zusammen mit ihrer Klasse in Kalifornien an einem Feriencamp teilnehmen. Mehr als 180 Insassen mussten verletzt in Krankenhäuser gebracht werden. Sechs Menschen befanden sich am Sonntag (Ortszeit) noch in kritischem Zustand. Zwei Verletzte seien gelähmt, teilte das San Francisco General Hospital mit. Das Flugzeug war in Shanghai gestartet, hatte in Seoul einen Zwischenstopp eingelegt und sich dann auf die elfstündige Reise nach Kalifornien begeben.

Der Gerichtsmediziner, der die Leichname der beiden getöteten Chinesinnen untersuchen sollte, erklärte, man gehe auch der Möglichkeit nach, dass eine von ihnen überfahren wurde. Mit Autopsieergebnissen sei frühestens am Montag (Ortszeit) zu rechnen.

Die Chefin der Transportsicherheitsbehörde (NTSB), Deborah Hersman, sagte auf einer Pressekonferenz, die Anfluggeschwindigkeit sei deutlich zu niedrig gewesen. „Wir sprechen hier nicht von ein paar Knoten“, sagte sie. Das automatische Warnsystem habe die Piloten informiert, dass ein Strömungsabriss drohe. Während des Sinkflugs sei dies aber laut Stimmenrekorder gar kein Thema zwischen den Piloten im Cockpit gewesen. Erst wenige Sekunden vor der Bruchlandung hätten sie versucht zu beschleunigen, aber offenbar nicht stark genug. Dann, rund 1,5 Sekunden vor dem Aufprall, wurde plötzlich noch ein Ruf im Cockpit aufgezeichnet, die Landung ganz abzubrechen und durchzustarten, wie Hersman weiter sagte.

Auch mit der Flugsicherung am Boden gab es nach den bisherigen Auswertungen keine Kommunikation über mögliche Probleme beim Anflug. Die Sicht war gut, der Wind nur schwach.

Vor der Pressekonferenz hatte Hersman in einem Fernsehinterview erklärt, dass am Flughafen von San Francisco seit Juni der sogenannte Gleitpfad zur Lande-Navigation ausgefallen sei. Darüber seien die Piloten aber vorab informiert worden. Zudem gebe es eine Reihe anderer Instrumente, die bei der Landung helfen. Allerdings werde auch dieser Aspekt noch untersucht.

Asiana Airlines erklärte am Montag, der Pilot habe eine Boeing 777 zuvor noch nie auf dem Flughafen in San Francisco gelandet. Er habe am Samstag versucht, sich mit der Maschine weiter vertraut zu machen. Bislang hatte er laut einer Sprecherin zwar schon fast 10 000 Flugstunden absolviert, aber erst 43 auf einer Maschine dieses Typs. „Der Pilot befand sich für Flüge mit einer Boeing 777 noch im Übergangstraining.“ Der Flug nach San Francisco sei aber für Piloten im Training nicht ungewöhnlich. Nach der fatalen Bruchlandung der Maschine mit mehr als 300 Menschen an Bord wollten weder die amerikanischen noch südkoreanischen Behörden bisher von einem Pilotenfehler sprechen.

Die Leiterin der Kabinen-Crew, Lee Yoon-Hye, berichtete, dass zwei der aufblasbaren Notrutschen sich nicht wie vorgesehen nach außen entfalteten, sondern ins Innere des Flugzeugs. Dabei seien zwei ihrer Kollegen verletzt worden. Trotzdem hätten sie geholfen, die Menschen in Sicherheit zu bringen. Die meisten seien überraschend ruhiggeblieben.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

08.07.2013, 07:31 Uhr

"Das automatische Warnsystem habe die Piloten informiert, dass ein Strömungsabriss drohe."

Es waere ungewoehnlich einen "Stall" bei der Landung zu haben. Es gibt genau festgelegte Hoechst- und Mindestgeschwindigkeiten je ausgefahrener Landeklappenstufe.
Die Piloten muessten sehr unerfahren sein - eigentlich fast unmoeglich.

Hinweise gibt es auf Probleme mit der Flughafenausruestung fuer den Glideslope. Wenn man natuerlich mit Autopilot anfliegt und diese Information ist falsch, dann gibt es ein Problem. Aber dies haetten dann wohl auch andere Flieger gehabt. Aber wenn der Glideslope ueberhaupt nicht funktioniert (ein Skandal fuer einen so grossen Flughafen), dann geht der Autopilot nicht, weil er die Information zum Anflug braucht. Dass ein Pilot ohne Autopilot "auf Sicht" nicht landen kann, waere sehr ungewoehnlich.

Dann blieben noch Scherwinde. Die haben schon manchen Flieger bei der Landung zum Crash gebracht. Die koennten auch einen Stroemungsabriss (Stall) erklaeren.

Mal sehen was da rauskommt.

hoppala

08.07.2013, 08:01 Uhr

Man sollte die EndErgebnisse der Untersuchung abwarten; derzeit scheinen lediglich Zwischenergebnisse vorzuliegen.

Account gelöscht!

08.07.2013, 08:33 Uhr

Wenn mindestens 3 negative Faktoren (Fehler)zusammentreffen nennt man das dann Unfall, oder unnötig wie ein Kropf. Fehlende technische Einrichtungen der Landebahn, Pilotenfehler, Scherwinde, defekte Geschwindigkeitsmessung, blonde Stewardess im Cockpit usw.

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