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25.12.2015

15:52 Uhr

Buchkritik auf Youtube

„Booktuber“ mischen die Literaturszene auf

„Booktubern“ stellen ihre Lieblingsbücher im Netz vor. Sie sprechen über Romane, die von Kritikern ignoriert werden. Tiefgehende Analysen kann man nicht erwarten. Dennoch treffen sie einen Nerv in der Literaturbranche.

Andrea Koßmann liefert Buchkritiken auf Youtube. dpa

Buchkritik aus dem Wohnzimmer

Andrea Koßmann liefert Buchkritiken auf Youtube.

Wenn sie ein trauriges Buch gelesen hat, kann es passieren, dass beim Dreh die Tränen fließen: Andrea Koßmann dreht Videos über Bücher, die sie begeistern. Rund 250 Video-Rezensionen hat die 46-Jährige schon auf Youtube veröffentlicht – 2,5 Millionen Zuschauer haben sie sich angesehen.

Als die Bürokauffrau aus Marl 2009 mit ihrem Kanal „Kossis Welt“ anfing, war sie eine der ersten, die in Deutschland auf Youtube über Bücher sprachen. Inzwischen hat sich diese Form der Literaturkritik etabliert und auch schon einen eigenen Namen: Booktube.

Die Zahl der Anbieter ist noch viel kleiner als im angelsächsischen Raum. Branchenkenner gehen hierzulande dennoch bereits von einer dreistelligen Zahl aus. Die meisten Booktuber beschäftigen sich nicht ausschließlich mit Büchern.

So kommt das Buch zum Kunden

Buchhandlungen

50,6 Prozent aller Bücher werden in Deutschland ganz klassisch in der Buchhandlung gekauft.

Verlage

18,5 Prozent aller Bücher kommen direkt über die Verlage zum Leser.

Versand- und Internetbuchhandel

17,1 Prozent der Bücher werden vom Versand- und Internetbuchhandel ausgeliefert.

Buchklubs

2,3 Prozent aller Bücher kommen über Buchklubs zum Kunden.

Warenhäuser

2,1 Prozent der Bücher werden in Warenhäusern gekauft.

Sonstige

Die Sonstigen machen zusammen einen Marktanteil von 9,4 Prozent aus.

Sie „youtouben“, wie das neudeutsch heißt, hauptsächlich über Kosmetik, Kochen oder Katzen und stellen nebenbei auch Bücher vor. Stars der Szene wie „peachgalore“ bringen es so auf 70.000 Abonnenten. Einiges ist zum Fremdschämen: Manchmal halten Teenies ihre Neuerwerbungen verschweißt und ungelesen in die Kamera – „BookHaul“ nennt sich diese Art, Bücher vorzustellen.

Oder sie gehen mit der Kamera ihr Bücherregal durch und sagen Sätze wie: Hab ich noch nicht gelesen, aber das Cover ist so schön pink, „ein ganz süßes Buch“. Ein Urteil wie „super lustig“ ist schon die ausführliche Variante.

Eine Booktuberin nahm jüngst per Video ihre Kollegen gegen den Vorwurf der Oberflächlichkeit in Schutz. Niemand dürfe auf Youtube hochtrabende Literaturkritik erwarten, findet „Christelle“. Wenn sie Buchtipps suche, lese sie ja auch nicht das Feuilleton – sie frage ihre beste Freundin. Die Art Bücher, die Kritiker besprechen, seien ihr zu anstrengend: „Ich will beim Lesen entspannen und Spaß haben.“

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