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14.11.2014

16:33 Uhr

Bundesgerichtshof

Vaterschaftstests wichtiger als Totenruhe

Nach einem BGH-Urteil dürfen Verstorbene für DNA-Tests ausgegraben werden, wenn das nötig ist, damit Kinder ihre eigene Abstammung klären können. Geklagt hatte eine 70-Jährige, die in der DDR aufgewachsen war.

Wie nun der BGH entschied, hat eine 70-jährige Frau Anspruch darauf, Gewissheit über ihre Abstammung zu bekommen. dpa

Wie nun der BGH entschied, hat eine 70-jährige Frau Anspruch darauf, Gewissheit über ihre Abstammung zu bekommen.

KarlsruheDas Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung gilt auch dann, wenn die mutmaßlichen Eltern bereits gestorben sind. Die Kinder haben daher Anspruch auf eine Exhumierung, wenn dies für einen DNA-Test zur Klärung der Vaterschaft notwendig ist, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe. Das über den Tod hinausreichende Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen trete demgegenüber zurück. (Az: XII ZB 20/14)

Damit gab der BGH einer heute 70-jährigen Frau aus Sachsen recht. Sie war in der DDR aufgewachsen. Als sie 18 war, habe ihr allerdings ihre Mutter erklärt, ihr Vater sei ein Mann aus dem Westen. Bei einem späteren Treffen seien auch beide davon ausgegangen, Vater und Tochter zu sein.

Nach dem Tod des mutmaßlichen Vaters beantragt sie nun eine Exhumierung der Leiche, um mit einem DNA-Test die Vaterschaft sicher zu klären. Der eheliche Sohn des mutmaßlichen Vaters verweigerte hierfür die Zustimmung und war auch nicht bereit, eigenes Genmaterial zur Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse herauszugeben. Hintergrund des Streits ist eine offenbar größere Erbschaft.

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Wie nun der BGH entschied, hat die Frau Anspruch darauf, Gewissheit über ihre Abstammung zu bekommen. Diesem Recht komme sowohl nach dem Grundgesetz wie auch nach der Europäischen Menschenrechtskonvention eine große Bedeutung zu. Es habe daher grundsätzlich Vorrang gegenüber der Totenruhe.

Dieses Recht werde auch nicht dadurch geschmälert, dass die Frau zuletzt eigentlich keinerlei Zweifel mehr an der Vaterschaft hatte und den DNA-Test vorrangig für ihre Erbschaft benötigt. Neben dem Wissen um die eigene Herkunft sei auch „die Teilhabe an dem väterlichen Erbe ein legitimes Interesse des leiblichen Kindes“, betonten die Karlsruher Richter.

Von

afp

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