Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2006

13:32 Uhr

Bundeswehr kämpft gegen Vogelgrippe

Zangenangriff auf den Erreger

Zu Wasser, zu Lande und aus der Luft soll die Bundeswehr helfen, die Verbreitung des Vogelgrippevirus von der Insel Rügen aus zu stoppen. Hunderte Soldaten wurden in Marsch gesetzt, sogar Tornado-Jets werden aufgeboten. Auch in zwei weiteren Kreisen in Vorpommern können nun Soldaten eingesetzt werden.

ABC-Einheit der Bundeswehr bei der Fahrt nach Rügen. Foto: dpa

ABC-Einheit der Bundeswehr bei der Fahrt nach Rügen. Foto: dpa

HB BERGEN. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Montag, in der Nacht habe die Bundesregierung beschlossen, weitere 250 Bundeswehr-Soldaten zum Einsatz gegen die Vogelgrippe auf die Insel Rügen abzukommandieren. Die Soldaten sollten die toten Wildvögel auf Deutschlands größter Insel so schnell einsammeln wie möglich. Bereits jetzt habe sich der Vogelgrippevirus weiterverbreitet, weil Aas fressende Vögel sich bei bereits verendeten Tieren angesteckt hätten. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit hat das Aufsammeln der toten Vögel von Rügen „oberste Priorität“.

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Jagel in Schleswig-Holstein machen sich unterdessen die Piloten von Tornado-Aufklärungsjets bereit, die Insel zu überfliegen. Sie sollen nach Angaben der Bundeswehr mit Spezialkameras bei der Ortung der Kadaver helfen. „Wegen des Eises an einigen Küstenabschnitten ist das von Land aus mitunter noch recht schwierig“, erklärte ein Bundeswehrsprecher in Kiel.

Autoreifen werden desinfiziert

Bereits am Sonntag hatten Bundeswehr-Spezialkräfte von zwei ABC-Abwehreinheiten auf Rügen drei so genannte Desinfektionspunkte eingerichtet. Am Rügendamm, an der Wittower Fähre sowie am Fährhafen Sassnitz werden Fahrzeuge und Passanten über Wannen oder Matten gelenkt, die mit Desinfektionsflüssigkeit getränkt sind; größere Fahrzeuge werden eingesprüht. Damit soll verhindert werden, dass Menschen mit ihren Fahrzeugen oder ihrer Kleidung Erreger an weitere Orte auf dem Festland einschleppen.

Am Rügendamm, der einzigen Land-Zufahrt zur Insel Rügen, sorgen die Desinfizierungsmaßnahmen zum Schutz vor der Ausbreitung der Vogelgrippe für kilometerlange Staus. Autofahrer müssten bei einer aktuellen Staulänge von rund fünf Kilometer mit einer Wartezeit von rund einer Stunde rechnen, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Stralsund am Montagmittag.

Am Sonntag war der auch für Menschen gefährliche Virustyp H5N1 erstmals auch auf dem Festland nachgewiesen worden. In Vorpommern wurden ein toter Bussard und eine Möwe entdeckt, die sich mutmaßlich auf Rügen infizierten. Beide Tiere fressen auch Aas. Inzwischen erhöhte sich die Zahl der bekannten Infektionen auf 81. Bei etwa jedem dritten der rund 250 im nationalen Referenzlabor auf der Ostsee-Insel Riems getesteten toten Tiere hatte sich der Verdacht auf H5N1 bestätigt.

Minister erwartet weitere H5N1-Fälle

Wegen des Funds der beiden infizierten Tiere auf dem Festland lösten am Montagmittag die beiden betroffenen Landkreise Nordvorpommern und Ostvorpommern ebenfalls Katastrophenalarm aus. Damit kann unter anderem Hilfe durch die Bundeswehr angefordert werden. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat die übrigen Landkreise an der Ostseeküste des Bundeskands, einen Zehn-Kilometer-Streifen unter Beobachtung zu stellen. Der SPD-Politiker rechnet damit, dass es weitere H5N1-Fälle in seinem Bundeslang geben wird: „Es ist zu erwarten, dass wir weitere Positivfunde aufklären werden“, sagte Backhaus.

Rügens Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) hatte am Sonntag den Katastrophenfall ausgerufen und damit den Weg frei gemacht für den umfangreichen Einsatz der Bundeswehr. Zuvor hatte der schleppende Anlauf von Bergung und Entsorgung der toten Tiere auf der Insel zu massiver Kritik am Krisenmanagement der dortigen Behörden geführt. Die erste H5N1-Infektion auf der Insel war bereits am Mittwochabend vergangener Woche bekannt geworden. Die Bundesregierung gibt an, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe auf Landrätin Kassner eingewirkt, damit diese den Katastrophenfall ausruft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×