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09.03.2013

19:26 Uhr

Burkhard Leismann

Museumsdirektor im Beltracchi-Fälschungsskandal angeklagt

Gegen den Direktor des Kunstmuseums Ahlen, Burkhard Leismann, ist Anklage erhoben worden. Ihm wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit dem Beltracchi-Fälschungsskandal Beihilfe zum versuchten Betrug geleistet zu haben.

Wolfgang Beltracchi (links) ist bereits verurteilt, nun gerät der Direktor des Kunstmuseums Ahlen ins Visier der Staatsanwaltschaft. dpa

Wolfgang Beltracchi (links) ist bereits verurteilt, nun gerät der Direktor des Kunstmuseums Ahlen ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Köln/Düsseldorf16 Monate nach der Verurteilung des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi hat die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen den Direktor des Kunstmuseums Ahlen, Burkhard Leismann, erhoben. Ihm werde Beihilfe zum versuchten Betrug in einem Fall vorgeworfen, bestätigte Leismanns Anwalt Hermann-Josef Bunte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich wies Bunte die Vorwürfe zurück. In der Anklageschrift stehe, dass Leismann als „gutgläubiges Werkzeug“ von der Beltracchi-Bande missbraucht worden sei. Staatsanwaltschaft und das Landgericht Köln äußerten sich noch nicht zu dem Vorgang.

Es geht um ein gefälschtes, angeblich von Fernand Léger stammendes Bild, das im August 2010 in dem Ahlener Museum beschlagnahmt worden war - kurz bevor es für fast sechs Millionen Euro verkauft werden sollte. Leismann war in die Verkaufsbemühungen eingeschaltet. Zwei Tage nach der Beschlagnahme wurden Beltracchi und seine Frau Helene am 27. August 2010 in Freiburg festgenommen. Das Ehepaar und zwei weitere Komplizen sind bereits zu Haftstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt worden. Die Bande hatte jahrelang gefälschte Bilder in den Kunstmarkt geschleust und mindestens 16 Millionen Euro kassiert.

Das angebliche Léger-Meisterwerk und einen gefälschten André Derain hatte der seit langem mit Leismann bekannte Komplize Beltracchis, Otto S., dem Museumsleiter übergeben. Die Anklage werfe Leismann vor, dass er bereits seit April/Mai 2010 Zweifel an der Echtheit des Gemäldes hätte haben müssen, sagte Bunte. Es habe aber vielmehr eine „Fülle an Belegen“ für die Echtheit des Bildes gegeben. Außerdem habe Leismann seit Mitte Juli 2010 mit dem Landeskriminalamt Berlin kooperiert. Und als die Zweifel sich verdichteten, habe er alle Verkaufsbemühungen gestoppt.

Um die erfundene Herkunft des Bildes aus der vermeintlichen Sammlung des Großvaters Werner Jägers zu untermauern, hatten die Beltracchis sogar Familienfotos gefälscht. Auf einer vergilbten Aufnahme posiert Helene Beltracchi verkleidet als ihre eigene Großmutter, und hinter ihr an der Wand hängt der gefälschte Léger.

Bunte sagte, die Anklage stehe „in krassem Widerspruch zur Nichteröffnung von Ermittlungsverfahren gegen andere in das Kunstfälschersystem Beltracchi verstrickte Experten“. Diese hätten sich erfolgreich darauf berufen können, sie seien von Beltracchi getäuscht worden.

Von

dpa

Kommentare (2)

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esboern

10.03.2013, 07:25 Uhr


Da wurden wohl ein paar superreiche Narren abgezockt, da mussen die Gerichte schon dahinter sein. Wenn es bei Schifffonds Normalbürger trifft werden die Verantwortlichen Betrüger nicht zur rechenschaft gezogen, da geht es aber jetzt um mehr als 30 Milliarden, das ist der D- Rechtstaat

Expertenhaftung

11.03.2013, 10:58 Uhr

In der Tat wundert es einen,dass Experten wie Werner Spies und besonders Andrea Firmenich nicht zur Rechenschaft gezogen werden.Von der Hand Andrea Firmenichs sollen für Campendonk mindestens 15 Fälschungen begutachtet worden sein.Was ist mit all den Experten in London und Paris?

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