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25.11.2011

07:38 Uhr

Castor-Transport

Polizei und Aktivisten geraten aneinander

Der Castor-Transport ist am frühen Freitagmorgen weitergerollt. Er hatte Deutschland noch nicht erreicht, als die Gewalt bereits eskalierte. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein.

Verletzte bei Castor-Protesten

Video: Verletzte bei Castor-Protesten

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Straßburg/Gorleben/MetzingenDer Castor-Transport hat seine Reise in Richtung Endlager Gorleben offenbar fortgesetzt. Nach einem fast 24-stündigen Zwischenstopp in Rémilly, kurz vor der Grenze zu Deutschland, setzte sich der Zug am frühen Freitagmorgen wieder in Bewegung, wie verschiedene Quellen über den Onlinedienst Twitter mitteilten. In Deutschland wird der Castor am Vormittag erwartet.

Im niedersächsischen Wendland war es bereits am Donnerstagabend zu ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Bei der Räumung einer besetzten Kreuzung vor Metzingen setzten die Beamten nach Beobachtung von dapd-Reportern am Donnerstagabend Tränengas, Wasserwerfer und auch Schlagstöcke ein. Aktivisten warfen wiederum Böller. Auf beiden Seiten wurden mehrere Beteiligte verletzt.

Ein Polizist rangelt in Metzingen mit einem Anti-Atomkraft-Demonstranten. dapd

Ein Polizist rangelt in Metzingen mit einem Anti-Atomkraft-Demonstranten.

Die Polizei sprach von vier Festnahmen und acht Verletzten in den eigenen Reihen. Ein Sprecher des Polizei-Presseteams „Castor“ im niedersächsischen Lüneburg sagte, nach einer Kundgebung auf der Bundesstraße 216 seien die Beamten mit Feuerwerkskörpern, Farbbeuteln und auch mit Pfefferspray attackiert worden. Zwischen 400 und 500 Aktivisten hätten den Verkehr blockiert und sich den Anweisungen der Polizei widersetzt.

Insgesamt sollen sich bis zu 800 Aktivisten an der besetzten Kreuzung aufgehalten haben. Bei Metzingen siedeln sich zu Castor-Zeiten traditionell Sympathisanten der Autonomen an.

Zu der Kundgebung hatte die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg aufgerufen. BI-Vorsitzende Kerstin Rudek sprach nach der Beruhigung der Lage von einem „unheimlichen Aufgebot - das macht wirklich Eindruck“. Rudek kritisierte den Einsatz der Beamten. Diese hätten ihr Pfefferspray auf einer Entfernung von vier Metern „ohne Grund und ohne Vorwarnung“ eingesetzt. Sie bezeichnete den Einsatz als „absolut unverhältnismäßig“.

Polizei und Demonstranten sprechen von Verletzten. dpa

Polizei und Demonstranten sprechen von Verletzten.

Dass Aktivisten wiederum die Beamten attackiert hätten, bestätigte Rudek hingegen nicht. Rudek sprach von fünf verletzten Demonstranten, vor allem nach der Berührung mit Pfefferspray. Die Polizei bestätigte lediglich eine Verletzte auf Seiten der Aktivisten. Das Radio Freies Wendland wollte von 20 verletzten Aktivisten erfahren haben.

BI-Chefin Rudek hatte die Polizisten, die den Castor-Transport begleiten, auf einer Pressekonferenz zuvor aufgefordert, ihre Einsätze abzubrechen. „Wer noch Kinder bekommen möchte, sollte desertieren und weglaufen“, sagte sie mit Verweis auf die Strahlenbelastung des Atommülls. Die sei „eine große Gefahr“.

Auch an anderen Orten entlang der üblichen Castor-Strecken zeigten die Gegner der Atomkraft Flagge. Von dort wurden jedoch keine großen Zwischenfälle gemeldet.

So haben im niedersächsischen Lüchow am Vormittag nach übereinstimmenden Angaben von Aktivisten und Polizei 2.000 Schüler gegen den Transport des hoch radioaktiven Materials nach Gorleben demonstriert. Die Demonstration bildet traditionell den Auftakt für die „heiße Phase“ der Proteste. Wie Aktivisten berichteten, wurden einkaufende Schüler im örtlichen Supermarkt auf Eiern und andere mögliche Wurfgeschosse kontrolliert.

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