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16.01.2015

07:41 Uhr

Charlie Hebdo

„Je suis Charlie“ soll vor dem Kommerz geschützt werden

Es ist wohl das bekannteste Twitter-Hashtag aller Zeiten: #JeSuisCharlie. Mittlerweile missbrauchen Geschäftemacher den Slogan auch für Kaffeetassen und T-Shirts. Der Urheber des Spruchs will sich nun dagegen wehren.

Menschen in Panama zeigen ihre Solidarität durch den Spruch „Je Suis Charlie“. Der Urheber des Slogans möchte den Spruch nun rechtlich schützen lassen. ap

Menschen in Panama zeigen ihre Solidarität durch den Spruch „Je Suis Charlie“. Der Urheber des Slogans möchte den Spruch nun rechtlich schützen lassen.

ParisEs waren drei kleine Worte, die nach den Anschlägen in Frankreich um die Welt gingen: „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie). Nun will der Grafikdesigner Joachim Roncin, der das Logo auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter prägte, seinen kleinen Satz rechtlich schützen lassen, wie er der Nachrichtenagentur AFP in Paris sagte. Dadurch will er einen kommerzielle Missbrauch des Slogans verhindern, der zum Symbol der Unterstützung für die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ wurde, die islamistische Attentäter angegriffen und dabei zwölf Menschen erschossen hatten.

Geschäftemacher weltweit versuchen, den Slogan für die Meinungs- und Pressefreiheit für ihre Zwecke zu nutzen - die weißen und grauen Buchstaben auf schwarzem Grund werden auf alles gedruckt, von T-Shirts, Kaffeetassen und Aufklebern bis Anhängern.

Die offenen Fragen zu den Paris-Anschlägen

Gehen noch mehr Anschläge auf das Konto der Islamisten?

Amédy Coulibaly (der Supermarkt-Geiselnehmer) verübte womöglich noch zwei weitere Anschläge: Am vergangenen Mittwochabend wurde in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris ein Jogger durch Schüsse verletzt. Die Ermittler bringen eine im von ihm überfallenen jüdischen Supermarkt gefundene Pistole der Marke Tokarew mit den Schüssen auf den Jogger in Verbindung.

Am Donnerstag detonierte zudem in Villejuif bei Paris eine Autobombe, ohne dass es Verletzte gab. In einem mutmaßlichen Bekennervideo Coulibalys ist unter anderem von einem „Sprengsatz“ an einem Auto die Rede, laut Ermittlern gibt es bei der Tat noch mehr Hinweise für eine Verbindung zu dem Islamisten.

Hatten die Attentäter Komplizen?

Premierminister Manuel Valls sprach am Montag von vermutlich mindestens einem Komplizen. Coulibaly habe "wahrscheinlich einen Komplizen" gehabt, sagte der Regierungschef. Darauf deutet auch das Bekennervideo des Islamisten hin: Dort ist von der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt die Rede, bei der Coulibaly am Freitagnachmittag von Elite-Einheiten erschossen wurde. Das Video wurde also von einem Dritten angefertigt. Möglich ist auch, dass ein Komplize mit der später bei Coulibaly gefundenen Tokarew-Pistole auf den Jogger in Fontenay-aux-Roses schoss.

Auch bei den Kouachi-Brüdern war immer wieder die Rede von einem möglichen dritten Beteiligten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Ein junger Mann, der zwischenzeitlich als Fahrer verdächtigt wurde, wurde aber entlastet.

Woher hatten die Attentäter Geld und Waffen?

Die Islamisten hatten ein wahres Arsenal an Waffen und Sprengstoff bei sich. Ein Experte schätzt den Schwarzmarkt-Preis der bei den Kouachi-Brüdern gefundenen Waffen auf 7000 Euro, bei Coulibaly auf 6000 Euro. Unklar ist, woher das Geld kam und wie die Attentäter sich die Waffen besorgten. Zumindest Coulibaly war als Wiederholungstäter bei Straftaten wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel bekannt.

Bildeten die Attentäter eine Terrorzelle?

Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Islamisten eine durchorganisierte Terrorzelle bildeten - und ob sie womöglich sogenannte Schläfer waren, die von Al-Kaida aktiviert wurden. Chérif Kouachi gab an, von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) beauftragt worden zu sein. Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied des IS. Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat haben sich aber zu der Anschlagsserie von Paris bekannt. Die Ermittler untersuchen auch die Verbindungen, die die Kouachi-Brüder und Coulibaly mit anderen Islamisten in Frankreich hatten.

Wie oft reisten die Attentäter ins Ausland?

Chérif und Said Kouachi reisten 2011 beide in den Jemen, zumindest Said wurde dort offenbar von Al-Kaida im Umgang mit Waffen ausgebildet. Said soll auch 2009 und 2013 in dem Land gewesen sein, das als Hochburg von Islamisten bekannt ist. Bestätigt ist dies aber nicht. Bei Coulibaly sind dagegen keine Auslandsreisen in gefährliche Gebiete bekannt, wie Premier Valls sagte.

Der 39-jährige Roncin ist entsetzt, was mit seinem Satz passiert und wieviele Leute „daraus Geld schlagen wollen“. Vor allem werde dadurch der Sinn das Slogans völlig entwertet. „Derzeit arbeite ich mit Juristen daran, um möglichst sicherzustellen, dass Objekte mit dem Slogan nur dem Zweck der Förderung der Meinungsfreiheit dienen.“

Nach Angaben seiner Anwältin Myriam Sebban will Roncin möglichst auf sein Urheberrecht pochen. Das französische Patentamt hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass es die zahlreichen Anträge, den Slogan #JeSuisCharlie als Marke einzutragen, nicht annehme.

Roncin, der vor den Anschlägen 400 Follower auf Twitter hatte, schuf einen der populärsten Hashtags aller Zeiten. Zusammen mit seinen Kollegen vom Mode-Gratis-Magazin „Stylist“ saß er in einer Redaktionskonferenz, als am Mittwoch vergangener Woche zwei Islamisten in die Redaktionskonferenz von „Charlie Hebdo“ stürmten und mit Kalaschnikows unter „Allah Akbar“-Rufen um sich schossen. Ein Kollege von Roncin sah die Meldung von dem Anschlag auf Twitter, und der Grafikdesigner entwarf „geschockt“ das Logo.

Kommentare (1)

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Frau Ich Kritisch

16.01.2015, 08:33 Uhr

den Satz kann man nicht schützen - es sei denn man würde allen Menschen die Charlie heißen per Zwang einen anderen Namen verpassen.

Das ist ein kurzlebender Trend. nicht machen ist das sinnvollste.

und - warum sollen nicht auch andere dran verdienen?
Der Herausgeber der Zeitschrift Charlie Hebdo verdient sich doch gerade auch ne goldene Nase mit der Auflage...
Die f-Kosten waren bereits mit 60.000 gedeckelt. Die v-Kosten dürften nur einen Bruchteil des Verkaufpreises ausmachen.

so what?

ist doch vielleicht das beste Argument gegen den Terror/ gegen die Terroristen - wenn sie erleben wie die Leute auf Basis ihrer Attentate viel Geld verdienen.

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