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24.06.2017

12:40 Uhr

China

Fünf Tote bei Erdrutsch, 120 Vermisste

Schlamm und Gesteinsmassen haben in einem Dorf in der Provinz Sichuan über 60 Häuser und ein Hotel unter sich begraben. Rettungskräfte bergen erste Überlebende, aber auch fünf Leichen. Ein Paar entkommt in letzter Sekunde.

Erdrutsch in China

Ganzes Dorf begraben

Erdrutsch in China: Ganzes Dorf begraben

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PekingBei einem gewaltigen Erdrutsch sind in einer Gebirgsregion im Südwesten Chinas am Samstag viele Menschen verschüttet worden. Bergungsmannschaften fanden zunächst fünf Tote, berichtete der staatliche Fernsehsender CCTV. Die Provinzregierung von Sichuan teilte mit, mehr als 120 Menschen würden vermisst.

Nach Angaben eines Mitglieds der Rettungsmannschaften vor Ort donnerten schätzungsweise acht Millionen Kubikmeter Schlamm- und Gesteinsmassen in das Dorf Xinmo, begruben 62 Häuser und ein Hotel unter sich und blockierten auf bis zu zwei Kilometer Länge einen Fluss und eine Straße.

„Es ist der größte Erdrutsch in dieser Gegend seit dem Wenchuan-Erdbeben“ von 2008, sagte der Leiter eines Rettungsteams, Wang Yongbo, CCTV. Bei dem Erdbeben der Stärke 7,9 waren vor neun Jahren fast 90.000 Menschen um Leben gekommen.

Retter zogen drei Menschen, zwei davon lebend, aus den Geröllmassen, meldete die amtliche Zeitung „Sichuan“ in ihrem Mikroblog. Ein Paar sei mit seinem vierwöchigen Baby dem Erdrutsch knapp entronnen, bevor er ihr Haus erfasste.

Der Vater, Qiao Dashuai, sagte CCTV, das Baby habe die Familie gerettet, weil es ihn mit seinem Schreien geweckt habe. Er sei aufgestanden, um dem Jungen die Windeln zu wechseln, und habe ein lautes und unheimliches Geräusch hinter dem Haus gehört. „Der Wind wehte durch das Zimmer, also ging ich, um die Tür zu schließen. Als wir heraustraten, wurden wir sofort vom Wasser mitgerissen.“

In dem Landkreis Mao, auch Maoxian, leben rund 110.000 Menschen. dpa

Bergrutsch in China

In dem Landkreis Mao, auch Maoxian, leben rund 110.000 Menschen.

Er habe gegen die Fluten gekämpft, bis Sanitäter die drei aus dem Wasser gezogen und in ein Krankenhaus gebracht hätten. Qiao sagte, seine Eltern und andere Angehörige seien nicht gefunden worden.

Rettungskräfte orteten eine Frau, indem sie ihre Handynummer wählten, berichtet die Zeitung „Sichuan“. Die Verschüttete habe tatsächlich abgenommen und sei in Tränen ausgebrochen. Die Retter versuchten, zu ihr vorzudringen, hieß es weiter.

Laut kommunalen Behörden waren mehr als 400 Such- und Rettungskräfte im Einsatz, darunter auch Polizisten. Die Parteizeitung „Renmin Ribao“ veröffentlichte Bilder, auf denen mindestens zwei Bagger am Ort des Geschehens in der Provinz Sichuan inmitten von Schutt und großen Steinen zu sehen waren. Fernsehaufnahmen zufolge setzten die Helfer neben Baggern auch Seile ein, um riesige Steine anzuheben. Ein Wetterexperte sagte, in dem Gebiet habe es leichten Regen gegeben, der in den kommenden Tagen anhalten werde.

Im Landkreis Mao, auch Maoxian, leben rund 110.000 Menschen, wie eine Webseite der Lokalverwaltung angibt. Die meisten Bewohner gehören der ethnischen Minderheit der Qiang an. In der Region ist das betroffene Dorf unter Touristen beliebt. Chinesischen Medienberichten zufolge war zunächst unklar, ob auch Reisende unter den Verschütteten waren - in Xinmo gibt es ein Hotel.

Von

ap

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