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14.10.2013

10:25 Uhr

Chinese bezahlt nur mit Euro-Münzen

Kleingeld aus dem Autowrack

VonThomas Hanke

Auch, wenn es viele nervt: Mit Kleingeld zu bezahlen, ist kein Verbrechen. Zwei Chinesen haben es dennoch mit der Pariser Polizei zu tun bekommen – sie wollten ihre Hotelrechnung mit Ein-Euro-Münzen begleichen.

Ein Haufen Ein-Euro-Münzen: Die Chinesischen Touristen bauten ein Türmchen aus Euromünzen, um ihren Hotelaufenthalt zu begleichen. Reuters

Ein Haufen Ein-Euro-Münzen: Die Chinesischen Touristen bauten ein Türmchen aus Euromünzen, um ihren Hotelaufenthalt zu begleichen.

Paris70 Euro sind für eine Übernachtung in Paris kleines Geld. Ein Hotelier im Vorort Bagnolet war allerdings nicht schlecht erstaunt, als sein chinesischer Kunde mit Kleingeld bezahlte: Der Chinese stellte ihm ein Türmchen von 1-Euro-Münzen auf die Theke. Wütende Autofahrer zahlen ihre Bußgelder in Frankreich zwar gerne in kleiner Münze, um den Staat zu ärgern – dem Hotelbetreiber war das aber noch nicht vorgekommen. Er wurde so misstrauisch, als hätte man ihm einen 70-Euro-Schein vorgelegt. Der Hotelier rief die Polizei, die auch tatsächlich anrückte, obwohl die Zahlung mit Bargeld nichts Strafwürdiges hat und die Prägung von Münzen nicht unbedingt die einträglichste Art ist, Falschgeld herzustellen.

Die anrückenden Beamten stellten fest, dass die Münzen völlig in Ordnung waren. Dennoch durchsuchten sie sogar das Zimmer des Reisenden aus Fernost – und stießen auf die eigentliche Überraschung: 3700 Euro in Münzen führten der chinesische Hotelgast und sein Mitreisender bei sich. Neuer Argwohn der Ordnungshüter, die die Chinesen nun ernsthaft zur Rede stellten.

Die wunderten sich ihrerseits über das Misstrauen der Beamten. Und konnten eine ebenso frappierende wie verblüffende Erklärung für ihre gewichtige Reisekasse beisteuern: „Die Münzen finden wir in den Autowracks aus Europa, die in China verschrottet werden.“ Da die Polizei weder die Aussage widerlegen noch irgendein Delikt feststellen konnte, ließ sie die Reisenden ziehen, gaben ihnen aber noch den Rat mit auf den Weg, ihre harten Barbestände bei einem Büro der Banque de France gegen Scheine umzutauschen.

Offen bleiben nur zwei Fragen: Lohnt sich der Transport von Schrottautos um die halbe Welt wirklich, oder haben die Chinesen der Pariser Polizei einen ordentlichen Panda-Bären aufgebunden? Und: Was, wenn die Touri-Gruppen aus China beginnen, ihre Einkäufe in den Luxusgeschäften auf den Champs Elysées mit 1-Euro-Münzen zu bezahlen?

Kommentare (7)

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Edelmetallmusik

14.10.2013, 12:45 Uhr

Also ich finde diese Chinesen haben völlig Recht! Münzen sind und bleiben die einzigen wertbeständigen Zahlungsmittel, auch nach einem Crash...

DieWeltverdummt

14.10.2013, 13:36 Uhr

Da haben Sie unbedingt recht! Eine 1-Euromünze hat einen Materialwert von gut und gerne 5 cent, da können Sie den Papiergeldtrotteln ordentlich eine lange Nase zeigen, wenn's kracht...

RumpelstilzchenA

14.10.2013, 14:31 Uhr

Erinnert mich an Schweden. Die niedrigste Fahrpreis in der Straßenbahn beträgt 24 SEK. Bezahlung nur in Münzen möglich!!
Ergo, man trägt immer einen Rucksack mit Münzen bei sich und man wird auch nicht von der Polizei belästigt.

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