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11.10.2014

12:34 Uhr

Chinesische Sekte

Todesstrafe nach „McDonald's-Mord“

Weil sie eine Frau in einem Schnellimbiss totgeprügelt haben, sind chinesische Sektenmitglieder nun zum Tode verurteilt wurden. Die Täter hätten in fanatischer Wut gehandelt, so die Richter bei der Urteilsverkündung.

Der Prozess um die wegen Mordes angeklagten Sektenmitglieder sorgte in China für großes Medieninteresse. Reuters

Der Prozess um die wegen Mordes angeklagten Sektenmitglieder sorgte in China für großes Medieninteresse.

PekingNach einem grausamen Mord in einem Schnellimbiss in Nordostchina hat ein chinesisches Gericht zwei Sektenmitglieder zum Tode verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Angeklagten in fanatischer Wut eine Frau in einem Fastfood-Restaurant zu Tode geprügelt hatten, wie das Mittlere Volksgericht in der Stadt Yantai am Samstag im Internet mitteilte.

Drei weitere Angreifer wurden zu bis zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Fall sorgte als „McDonald's-Mord“ für Aufregung in China. Nach Augenzeugenberichten kamen fünf Personen am 28. Mai vergangenen Jahres in das Schnellrestaurant in der Stadt Zhaoyuan. Auf der Suche nach neuen Anhängern fragten sie demnach die Gäste nach ihren Telefonnummern. Viele sagten ihnen falsche Nummern.

Hinrichtungen weltweit 2013

China

Mehr als 1000 (unbestätigte Anzahl)

Quelle: Amnesty International

Iran

369 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Irak

169 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Saudi-Arabien

79 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

USA

39

Somalia

34 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Sudan

21 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Jemen

13 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Eine 37-Jährige Frau wollte sich nicht belästigen lassen und versuchte, die aufdringliche Gruppe wegzuscheuchen. Daraufhin soll eine Frau in der Gruppe geschrien haben: „Das ist eine Teufelin!“

Das Staatsfernsehen zeigte verwackelte Handyaufnahmen, auf denen eine Gruppe von fünf Personen wie wild mit Fäusten, Stühlen und einer Eisenstange auf die 37-Jährige einprügelte. In einer Blutlache ging die Frau zu Boden, aber die Angreifer traten weiter auf sie ein. Keiner der Gäste griff ein. Erst die Polizei konnte die Gruppe stellen.

Die Angreifer bekannten sich, Mitglieder der pseudochristlichen Erlösersekte „Quannengshen“, was sich mit „Allmächtiger Gott“ übersetzen lässt, zu sein. Der 54-jährige Haupttäter begründete die Gewalttat regungslos in einem Interview im Staatsfernsehen damit, dass die 37-Jährige ein „böser Geist“ gewesen sei. Seine 30 Jahre alte Tochter habe das erkannt, darauf habe die Gruppe handeln müssen.

Behörden in China veröffentlichen nur selten Details zu Sekten im Land. Im Fall des „McDonald's-Mordes“ verbreitete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Information, dass sich die Sekte bereits 1989 als Splittergruppe einer radikalchristlichen Strömung gegründet hatte. Anfang der 1990er Jahre soll die Gruppe mehrere Tausend Anhänger gesammelt haben.

1995 sei die Erlösersekte verboten worden. Das Gründerpaar habe sich in die USA abgesetzt.

Von

dpa

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