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27.04.2017

09:44 Uhr

Computer am Körper

Warum Sportuhren und Fitness-Apps gefährlich sind

VonThomas Schmitt

Die Verbraucherzentrale NRW hat neun Anbieter von Fitness-Apps abgemahnt. Der Vorwurf: Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen. Es geht um sensible Zahlen über die Gesundheit der Nutzer – in einem boomenden Markt.

DüsseldorfSchrittzähler, Sportuhren und Fitness-Apps auf dem Handy sind viel mehr als ein Privatvergnügen. Dahinter steckt ein gewaltiger Wachstumsmarkt, wie allein schon diese Zahl zeigt: Mehr als eine Milliarde US-Dollar haben die großen Sportartikelhersteller Under Armour, Adidas und Asics in Fitness-Apps gesteckt. Das geht aus einer Recherche des Statista Digital Market Outlook (DMO) hervor.

Die Kehrseite des Booms: Milliarden an Daten, die wild durch die Welt schwirren. Genau auf diesen Aspekt dieses Wachstumsmarktes weist jetzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Mehr Kontrolle über den eigenen Körper, verheiße der Trend rund um Wearables und Fitness-Apps. Doch die Kontrolle über die eigenen Daten haben die Verbraucher oft nicht mehr.

„Die Sportartikelhersteller demonstrieren, dass sie das Potential der Digitalisierung erkannt haben“, urteilen die Marktbeobachter von Statista. Der Zukauf von Apps wie MyFitnessPal oder Runtastic (mehr als 70 Millionen registrierte Nutzer) stärke die mobile Präsenz der Unternehmen und ermögliche den Zugang zu einem sportaffinen Millionen-Publikum.

Fitness-Apps: Wen die Verbraucherzentrale NRW abgemahnt hat

Datenmissbrauch

Die Verbraucherzentrale NRW hat neun Anbieter von Fitness-Apps wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen abgemahnt. Dies sind folgende Unternehmen.

Apple

Die Apple Watch ist eine multifunktionale Smartwatch. Sie ergänzt das IPhone und verfügt über viele Gesundheits- und Fitnessfunktionen. Wegen integrierter Gesundheits- und Fitnessfunktionen und Apps von Drittanbietern wird die Apple-Smartwatch so zum Fitnesstracker.

Garmin

Garmin Ltd. ist ein Schweizer Hersteller von Navigations-Empfängern zur satellitengestützten Positionsbestimmung und Navigation mit Sitz in Schaffhausen und operativer Hauptzentrale in Olathe, Kansas. Das Unternehmen verkauft viele Fitness-Tracker und Uhren.

Fitbit

Fitbit sitzt in San Francisco und vertreibt viele Fitness-Tracker hierzulande.

Jawbone

Jawbone sitzt ebenfalls in San Francisco und ist in Privatbesitz. Die FAZ testete ein Produkt dieses Herstellers mal ein Jahr lang. Fazit: „Die Quantified-Self-Bewegung überschätzt maßlos die Wirkung.“

Polar

Polar wirbt mit einem großen Angebot hochwertiger Herzfrequenz-Messgeräte. Es deckt mit Trackern und Uhren die Bereiche Laufen, Fitness & Cross-Training genauso ab wie GPS-basierte Radcomputer.

Runtastic

Runtastic gehört zum Adidas-Konzern und kann als App auf das Smartphone heruntergeladen werden. Läufer nutzen die App gerne, um über GPS ihre Laufdaten zu erfassen. Adidas bezahlt 240 Millionen Dollar im August 2015.

Striiv

Das Unternehmen Striiv fällt durch Innovationsfreude auf: So kam bereits 2014 ein Multigerät auf den Markt – es vereinte Activity-Tracker, Schlafmonitor, Schrittzähler und Distanzmesser als auch Smart Watch mit Vibrations-Weckfunktion sowie Benachrichtigung über Anrufe, SMS und Kalendereinträge. Weitere Funktionen wie Music Control und Wettermeldungen konnten per regelmäßigem automatischem Firmwareupdate ergänzt werden.

UnderArmour (MyFitnessPal)

Der große Sportartikelhersteller hat sich im Februar 2015 für 475 Millionen Dollar My FitnessPal gekauft, um im Sportapp-Markt zu expandieren.

Withings

Withings kommt aus Frankreich und ist auf Verbraucherelektronik spezialisiert.

Interessant für die Unternehmen ist dabei: Die Gruppe möglicher Kunden wird immer größer, denn der digitale Fitnessmarkt boomt. Bis 2020 soll die Zahl der Nutzer von kostenpflichtigen Fitness-Apps in Deutschland sogar auf rund zehn Millionen steigen. In den USA könnten es dann sogar 35 Millionen Nutzer sein.

Doch wer als Verbraucher all diese neuen Möglichkeiten intensiv nutzt, sollte sich bewusst sein: Die Mehrzahl der Geräte sendet zahlreiche Informationen über das Fitnessverhalten der Nutzer an die Anbieter. Was dann mit den Daten passiert, wird nicht weiter erläutert oder bleibt unklar. Dies bestätigt die neue Studie des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale NRW.

Zwölf Wearables und 24 Fitness-Apps haben die Verbraucherschützer unter die Lupe genommen. Das Problem der kleinen Computer am Körper ist: Sportarmbänder, Smartwatches und Fitness-Apps zählen längst nicht mehr bloß die Schritte ihrer Nutzer: Die unauffälligen Alltagsbegleiter sammeln auch ständig Daten wie etwa den Puls und den Kalorienverbrauch ihrer Träger. Oder zeigen, wie lange und wie gut man schläft.

Nicht alles läuft mit diesen Daten so rund wie gedacht. Die Verbraucherschützer fanden Verstöße gegen geltende Datenschutzgesetze und mahnten daher neun große Anbieter ab. Damit ist das Problem allerdings nicht aus der Welt.

Kommentare (2)

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G. Nampf

27.04.2017, 10:13 Uhr

"Doch wer als Verbraucher all diese neuen Möglichkeiten intensiv nutzt, sollte sich bewusst sein: Die Mehrzahl der Geräte sendet zahlreiche Informationen über das Fitnessverhalten der Nutzer an die Anbieter."

Laut unserer geliebten Kanzlerin ist Datenschutz hinderlich für die Wirtschaft und damit unnütz. Persönlichkeitsrechte sind eh unwichtig, denn die Untertanen müssen andauernd überwacht und vor sich selbst beschützt werden.

Und wenn es nach dem Willen der Krankenkassen geht, kommt ohnehin die Zwangs-Sportuhr, die 24/7 zu tragen ist.

Herr Clemens Keil

28.04.2017, 10:53 Uhr

"...Eine Life-App wacht über mein Leben.
In Sicherheit soll ich mich wiegen.
Macht mich gläsern fürs Gewinnstreben
Versicherungsprämien sind bald gestiegen..."

Der Song "nur virtuell" bringt es auf den Punkt:

http://youtu.be/WzvpF6JR1cE
https://youtu.be/njj5Z7KzG60

Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Zuhören und: lasst Euch die Realität nicht vermiesen!

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