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15.12.2014

13:21 Uhr

Conchita Wurst

„Toleranz ist nicht genug“

Im Mai 2014 gewann Conchita Wurst für Österreich den Eurovision Song Contest in Dänemark. Über Nacht wurde die bis dahin kaum bekannte Dragqueen ein Star. Ihr schönster Moment in diesem Jahr war jedoch ein ganz privater.

Conchita Wurst: „Ich habe noch nie etwas in meinem Leben bereut.“ dpa

Conchita Wurst: „Ich habe noch nie etwas in meinem Leben bereut.“

Wien Conchita, wenn du auf das Jahr zurückblickst, wie siehst du 2014?

Ich wusste definitiv, dass 2014 ein spannendes Jahr wird. Die Tatsache, dass ich ausgesucht wurde, um für Österreich am Song-Contest teilzunehmen, war für mich schon eine große Sache. Ich liebe den Song Contest, seit ich denken kann. Dort dabei sein zu dürfen, war für mich der Wahnsinn. Damit wusste ich, dass 2014 spannend wird, aber damit gerechnet, dass es so unglaublich wird, habe ich nicht.

Gab es auch Momente, in denen dir der Rummel zuviel wurde?

Mein Team und ich sind ganz gut darin, zu entschleunigen. Das haben wir von Anfang an gemacht. Manchmal kann es schon viel auf einmal werden, aber ich hatte immer genug Ruhephasen. Von mir aus kann es so bis ans Ende meines Lebens weitergehen. Es darf sogar ruhig noch ein bisschen mehr werden!

Bereust du etwas?

Ich habe den Luxus, sagen zu können, dass ich noch nie etwas in meinem Leben bereut habe. Ich habe in gewissen Gesprächen oder Situationen sicher unklug gehandelt. Das kann man bereuen, aber meist braucht es vielleicht nur eine Entschuldigung, um es wieder gutzumachen.

Ragt ein Erlebnis im vergangenen Jahr für dich besonders heraus?

Nach meinem ESC-Sieg habe ich Leute kennengelernt, von denen ich nie dachte, mal im selben Raum mit ihnen zu sein. Plötzlich war alles möglich. Einer der schönsten Momente war aber eigentlich ganz klein: Kurz nach der Rückkehr aus Kopenhagen habe ich meine Oma angerufen. Sie hat allerdings nur ins Telefon geweint, gesagt, dass sie nicht reden kann, und aufgelegt. Ich kam nicht einmal dazu, etwas zu sagen. Aber ich fand das so entzückend, weil sie aus Freude geweint hat.

Hast du Angst, dich immer am Erfolg beim ESC messen lassen zu müssen?

Der Song Contest war der bisherige Höhepunkt meiner Musikkarriere. Ich will aber nicht, dass es der einzige Höhepunkt bleibt. Ich will einen Grammy. Ich denke, in der Musikbranche ist man immer nur so gut wie das letzte Produkt. Ich glaube, dass man sich täglich daran messen lassen muss.

Wie sieht es mit deinem neuen Album aus?

Ich werde Januar und Februar im Studio sein, um das Album aufzunehmen. Es wird einfach Zeit. Es gab aber vorher so viele Dinge, die ich erleben wollte. Ich wollte auf nichts verzichten, deshalb hat es länger gedauert. Auf einen Termin werde ich aber auch in dieser Zeit nicht verzichten: Ich bin zu den Golden Globes eingeladen, so lange muss die Albumproduktion ruhen.

Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin?

Nein. Es liegen schon einige Songs auf dem Tisch. Ich schreibe die Songs ja nicht selbst, sondern sie werden mir vorgelegt und müssen mir in einer Demoversion gefallen. Das macht die Auswahl nicht leicht.

Gibt es für das Album ein Konzept?

Es ist noch offen, welcher Rote Faden sich dann am Ende durchziehen wird. Ich will über nichts Sinnentleertes singen. Songs über gescheiterte Beziehungen werden auch dabei sein, das gehört dazu. Ich liebe auch Orchestrales und dramatische Hymnen. Wir werden sehen, wie gut ich das alles unter einen Hut bekomme.

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