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23.12.2013

14:31 Uhr

Confiserie

Der Chocolatier von Ottawa

VonGerd Braune

Er beglückt die Kanadier mit original deutscher Confiserie-Tradition: Heinrich Stubbe ist die Topadresse für Schokoladenspezialitäten in Ottawa. Er brachte die Kunst der süßen Verführung aus dem Emsland in die Ferne.

Auch diese hier sind handgemacht und zeigen deshalb später, nach dem Verzierungsschritt, jeweils ein individuelles Antlitz. Heinrich Stubbe präsentiert seine Schneemänner und winterliche Häusschen. Gerd Braune

Auch diese hier sind handgemacht und zeigen deshalb später, nach dem Verzierungsschritt, jeweils ein individuelles Antlitz. Heinrich Stubbe präsentiert seine Schneemänner und winterliche Häusschen.

OttawaWenn sich am frühen Abend Dunkelheit auf Kanadas verschneite Hauptstadt Ottawa legt, leuchtet Heinrich Stubbes Konditorei hell. Im Schaufenster von „Stubbe Chocolates“ steht ein kleines Dorf, ganz aus Schokolade. Auf Regalen sind Nikoläuse, Tannenbäume, Schlitten und – aus weißer Schokolade – eine „Schneefamilie“ aus Schneemann, Schneefrau und zwei Schneekindern aufgebaut. Vor den verspiegelten Wänden werden feinste Trüffel, Schokoladen, Marzipankartoffeln, Stollen und Florentiner geschmackvoll präsentiert.

Inmitten der süßen Pracht steht Heinrich Stubbe in seiner weißen Konditorjacke. „Alles handgemacht“, erklärt der 63-jährige grauhaarige Chocolatier einigen Kunden. Er zeigt auf die durch eine Glasscheibe vom Verkaufsraum abgetrennte, nur wenige Quadratmeter große Schokoladenbackstube, in der zwei Mitarbeiterinnen gerade frische Schokolade in Formen für Tafeln gießen. Auf Backblechen liegen akkurat aufgereiht verschiedene Trüffelarten. Auf einem Blech stehen Nikoläuse, Schneemänner und Nussknacker, noch ganz dunkel. „Sie werden mit gefärbter Kakaobutter verziert. Jeder Nikolaus, jeder Nussknacker sieht anders aus.“ Denn auch hier kommen keine Maschinen zum Einsatz. „Zwei Kunststudentinnen der Universität von Ottawa helfen mir“, erläutert Stubbe.

Die Stammkunden des „Chocolatier von Ottawa“ haben frühzeitig Trüffel, Stollen und Schokoladen bestellt. Stubbes Trüffel und Süßwaren sind in Ottawa beliebte Weihnachts- und Neujahrsgeschenke und Präsente auf Weihnachtsfeiern. Einige Firmen bestellen große Mengen, weil sie damit ihre Mitarbeiter und Kunden erfreuen wollen. So manche Liebhaber kommen in den Laden und fotografieren die ausgestellten Artikel, um sich dann zu Hause in Ruhe auszusuchen, was sie für Angehörige oder Mitarbeiter bestellen. „Schon im September kommen die ersten Aufträge für Stollen. Richtig los geht das Geschäft dann Mitte November“, erzählt Heinrich Stubbe. Auf sein Jackett sind gut sichtbar auf Kragen, Brusttasche und Ärmel die rote Ahornflagge Kanadas, der Farbendreiklang Deutschlands schwarz, rot, gold, und die gelb-blau-rote Flagge Kolumbiens, Heimat seiner Partnerin Pilar, gestickt.

In wenigen Monaten kann Stubbe sein 25-jähriges Geschäftsjubiläum in Ottawa feiern. Im Oktober 1988 war er erstmals von Meppen im Emsland, wo seine Vorfahren 1845 eine Bäckerei gegründet hatten, nach Kanada gekommen, um die Erfolgschancen für ein Schokoladegeschäft auszuloten. „Eigentlich hatte ich Toronto auf meinem Plan, aber die deutsch-kanadische Handelskammer in Toronto meinte, in der Hauptstadt mit ihrer diplomatischen Gemeinde hätte ich sicher gute Chancen.“ Er studierte die Stadt und entschied sich für Ottawa. Am 9. Januar 1989 verließ er endgültig seine Heimatstadt, im März eröffnete er sein Schokoladengeschäft in der Dalhousie Street, wo es heute noch zu finden ist.

Für das Städtchen Meppen im Emsland war es das Ende einer Familientradition. Am 9. Mai 1845 hatte Johann Heinrich Petrus Stubbe, Heinrich Stubbes Ururgroßvater, in Meppen seine Bäckerei eröffnet. Hundert Jahre lang waren Brot und Brötchen der Kern des Geschäfts, dazu Kuchen und etwas Schokolade. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fügten Josef Stubbe, der Vater von Heinrich, und dessen Bruder Hans der Bäckerei und Konditorei ein Café hinzu. „Und als ich 1984 übernahm, wurde die Konditorei der Schwerpunkt. Ich habe mich vom Brot verabschiedet“, schildert Heinrich Stubbe die Geschichte seines Familienbetriebs. Fünf Jahre später verabschiedete sich Heinrich Stubbe aus Meppen. Er verkaufte den Betrieb. Es zog ihn aus der Kleinstadt an der Ems hinaus in die Welt.

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