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29.11.2012

17:32 Uhr

Continental Airlines entlastet

Berufungsgericht kippt Concorde-Urteil

Zwölf Jahre nach der Concorde-Katastrophe gibt es einen Freispruch für Continental Airlines. 2010 hatte ein französisches Gericht die US-Fluggesellschaft für das Unglück verantwortlich gemacht. Das Urteil hat Bedeutung über den Berufungsprozess hinaus.

Die Concorde kurz vor ihrem Absturz. dapd

Die Concorde kurz vor ihrem Absturz.

VersaillesZwölf Jahre nach dem Absturz des Überschallflugzeugs Concorde bei Paris ist die US-Fluggesellschaft Continental von der strafrechtlichen Verantwortung für die Katastrophe freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht in Versailles sprach der Fluggesellschaft aber am Donnerstag eine zivilrechtliche Verantwortung zu. Continental muss der französischen Fluglinie Air France daher eine Million Euro Schadenersatz zahlen.

Bei dem Absturz der Air-France-Concorde waren am 25. Juli 2000 insgesamt 113 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 97 Deutsche. Die Concorde war kurz nach dem Start Richtung New York explodiert, nachdem sie auf der Startbahn des Pariser Flughafens Roissy Charles-de-Gaulle über ein Metallteil raste, das eine Continental-Maschine verloren hatte.

Die Concorde stürzte weniger als zwei Minuten nach dem Start in der Gemeinde Gonesse in ein Hotel; 109 Menschen an Bord und vier am Boden starben. Die deutschen Opfer hatten von New York aus zu einer Kreuzfahrt starten wollen.

Im Herbst 2010 sprach ein Strafgericht in Pantoise bei Paris Continental die alleinige straf- und auch zivilrechtliche Verantwortung zu. Continental wurde zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro wegen fahrlässiger Tötung und einer Million Euro Schadenersatz an Air France verurteilt. Nach Ansicht der Richter zerfetzte das Metallstück der DC-10 der Continental einen Reifen der startenden Concorde. Herumfliegende Teile beschädigten einen Treibstofftank des Überschallflugzeugs, der sich dann entzündete.

Langer Streit über die Ursache der Katastrophe

25. Juli 2000

Eine Concorde der Fluggesellschaft Air France stürzt kurz nach dem Start vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle ab. 113 Menschen kommen ums Leben, darunter 97 Deutsche.

16. August 2000

Die britische und die französische Luftfahrtbehörde verhängen bis auf weiteres ein Flugverbot für die Überschallmaschinen.

14. Mai 2001

Die Entschädigung für die meisten Opfer-Familien wird geregelt. Über die Summe wird Stillschweigen vereinbart, Schätzungen gehen von 173 Millionen Euro aus.

5. September 2001

Die zuständigen Luftfahrtbehörden erteilen der Concorde wieder die Flugerlaubnis. Am 19. September unternimmt eine französische Concorde erstmals wieder einen Flug mit Passagieren.

16. Januar 2002

Im Schlussbericht des französischen Untersuchungsamts für Flugunfälle (BEA) wird als wesentliche Unglücksursache festgehalten, dass die Concorde beim Abflug über ein 43 Zentimeter langes Metallteil gerast war. Es stammte von einer kurz zuvor gestarteten Maschine der US-Gesellschaft Continental Airlines. An der Concorde platzte ein Reifen. Teile davon trafen eine Tragfläche mit einem eingelagerten Tank, der zerbarst. Das auslaufende Kerosin geriet in Brand.

10. April 2003

Aus Kostengründen beschließen British Airways und Air France die Concorde nach 27 Jahren aus dem Verkehr zu ziehen. Mit der letzten Landung am 24. Oktober in London ist die Ära zu Ende.

14. Dezember 2004

Die Pariser Staatsanwaltschaft stellt im Abschlussbericht Schwachstellen an den Concorde-Tragflächen fest.

6. Dezember 2010

Ein französisches Gericht gibt der Fluggesellschaft Continental Airlines eine Mitschuld an der Katastrophe und verurteilt das Unternehmen zu einer Geldstrafe von 200 000 Euro. Ein Continental-Mitarbeiter erhält 15 Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung. Continental muss zudem eine Million Euro Schadenersatz an Air France zahlen.

29. November 2012

Das Berufungsgericht in Versailles hebt die strafrechtliche Verurteilung der Angeklagten auf. Lediglich die Entscheidung zur Schadensersatzzahlung wird aufrechterhalten.

Continental weist dieses Unfall-Szenario zurück. Demnach war nicht das Metallteil für die Katastrophe verantwortlich, sondern eine schlechte Wartung der Concorde. Die Anwälte versuchten unter anderem zu beweisen, dass die Concorde schon in Brand geriet, bevor sie über die Metall-Lammelle fuhr.

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