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09.02.2015

16:13 Uhr

„Costa Concordia“

Anwalt fordert Freispruch für Kapitän Schettino

Francesco Schettino steht wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht. Im Prozess gegen den Kapitän des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ forderte die Verteidigung heute einen Freispruch.

Ein Urteil im Prozess um „Costa“-Kapitän Francesco Schettino wird noch in dieser Woche erwartet. dpa

Urteil erwartet

Ein Urteil im Prozess um „Costa“-Kapitän Francesco Schettino wird noch in dieser Woche erwartet.

GrossetoMehr als drei Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ hat die Verteidigung einen Freispruch für Kapitän Francesco Schettino gefordert. Es gebe keinen Zusammenhang seines Handelns mit dem Tod von 32 Passagieren, sagte Anwalt Domenico Pepe am Montag vor dem Gericht im italienischen Grosseto. Das Unglück sei ein „unvorhergesehenes, außergewöhnliches und nicht absehbares“ Ereignis gewesen, ein „Unfall auf dem Meer“.

Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 mit mehr als 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern vor der Mittelmeer-Insel Giglio gegen einen Felsen geprallt und gekentert. Insgesamt 32 Menschen starben, darunter 12 Deutsche. Schettino steht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht.

Fragen und Antworten zum Costa-Concordia-Prozess

Was wird Schettino vorgeworfen?

Schettino muss sich wegen einer ganzen Reihe mutmaßlicher Straftaten verantworten. Ihm werden fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie, unterlassene Kommunikation mit den Behörden und das Verlassen des Schiffes während dessen Evakuierung vorgeworfen.

Ist er der einzige Angeklagte?

Voraussichtlich wird Schettino der einzige Angeklagte in dem Prozess sein. Fünf weitere Beschuldigte hatten in den Voranhörungen Deals mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, die eine direkte Verurteilung ohne Beweisaufnahme vorsehen. Das Gericht muss aber noch entscheiden, ob es dieses Vorgehen zulässt oder den Beschuldigten in einem normalen Verfahren der Prozess gemacht wird.

Wie lange dauert der Prozess?

Das Gericht hat zunächst fünf Verhandlungstage für den Juli angesetzt – wann es danach weitergeht, ist noch offen. Wegen eines Anwaltsstreiks in Italien wird sich der Prozessbeginn verzögern und auf den 17. Juli verschoben. Weitere Termine könnten dann nach der Sommerpause im Herbst folgen und das Verfahren sich über mehrere Monate hinziehen, bevor die entscheidende Phase ansteht.

Wann ist mit einem endgültigen Urteil zu rechnen?

Nach einem möglichen erstinstanzlichen Urteil ist auch eine Berufung möglich, weshalb bis zu einem rechtskräftigen Urteil Jahre vergehen könnten.

Wer nimmt noch an dem Verfahren teil?

Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere mit Sitz in Genua tritt als Nebenkläger auf. Sie fordert Schadenersatz für den Verlust ihres Schiffes, wollte sich aber vorab nicht zu ihren Erwartungen äußern. Auch die Gemeinde Giglio ist als Nebenkläger zugelassen. „Wir erwarten vor allem, dass die Wahrheit gefunden wird und dass der schlimme Schaden anerkannt wird, den die Insel Giglio erlitten hat“, sagte Sprecher Cristiano Pellegrini. Die Kommune fordere daher mindestens 80 Millionen Euro Schadenersatz.

Haben die Opfer schon Schadensersatzzahlungen erhalten?

Die meisten deutschen Betroffenen haben bereits Entschädigungen von etwa 11 000 Euro angenommen. Mehr als 100 Opfer streiten noch in den USA um höhere Summen. Sie wollen Entschädigungen von jeweils mindestens 100 000 Dollar (etwa 77 000 Euro) bekommen. Auch in dem Prozess in Grosseto wollen einige Überlebende und Opferangehörige als Nebenkläger auftreten.

Schettinos Anwalt beantragte laut der Nachrichtenagentur Ansa, die geringste mögliche Strafe gegen den 54-Jährigen zu verhängen und mildernde Umstände anzuerkennen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 26 Jahren und 3 Monaten gefordert. Ein Urteil in dem Prozess wird noch in dieser Woche erwartet.

Von

dpa

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