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24.06.2015

11:34 Uhr

Costa Concordia

Concordia-Kapitän geht unter die Autoren

VonKatharina Kort, Stefan Kreitewolf

Geld statt Gefängnis: Francesco Schettino schlachtet seine Bekanntheit aus. Der verurteilte Unglückskapitän der Costa Concordia schreibt ein Buch – und darf weiterhin Tantiemen einsammeln, statt hinter Gittern zu sitzen.

Der Kapitän der Costa Concordia: Francesco Schettino steht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht. dpa

Francesco Schettino

Der Kapitän der Costa Concordia: Francesco Schettino steht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht.

Mailand/DüsseldorfDie Hinterbliebenen des Costa-Concordia-Unfalls von 2012 dürfte es kaum erfreuen. Ausgerechnet ihnen widmet der Unglückskapitän Francesco Schettino sein jüngstes Werk. Dabei war er es, der mit seinem riskanten Manöver das Kreuzfahrtschiff vor der Insel Giglio auflaufen ließ und es dann vor den letzten Passagieren verließ.

„Ihnen schulde ich mehr als jedem anderen die Wahrheit. Dieses Buch ist eine Antwort auf die viele Fragen, die noch offen geblieben sind“, schreibt Schettino. Auf 600 Seiten hat der Süditaliener seine Sicht der Dinge dargestellt.

Das Buch, geschrieben von der RAI-Journalistin Vittoriana Abate als Co-Autorin erzählt die Biografie des Kapitäns und seine Erinnerungen rund um die Unglücksnacht, in der 32 Menschen ihren Tod gefunden haben.

Als Ort für die Buchvorstellung hat er sich einen sicheren Ort ausgesucht: Sein Heimatstädtchen Meta di Sorrento in der Nähe Neapels. Dort haben die Menschen auch nach dem Unglück weiter zu ihm gehalten.
Im Februar ist Schettino zu 16 Jahren Haft zu Ende verurteilt worden. Doch er ist noch weiter auf freiem Fuß.

Schettinos Anwälte hatten Berufung eingelegt, weshalb er bis zu einem endgültigen Schuldspruch frei bleiben könnte. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vor dem Urteil gegen Schettino Haft beantragt, das hatte das Gericht in Grosseto jedoch abgelehnt.

Die Anklage reichte deshalb den erneuten Antrag vor dem Gericht in Florenz ein und hatte ihn mit Fluchtgefahr begründet. Nun bliebe ihr noch der Gang vor Italiens höchstes Gericht in Rom.

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ hatte mit mehr als 4200 Menschen an Bord im Januar 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. Insgesamt 32 Menschen starben, darunter auch zwölf Deutsche.

Kommentare (1)

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Frau Ursula Neumann

24.06.2015, 16:42 Uhr

Solche Menschen ohne jegliches Schamgefühl und ohne die Fähigkeit, auch nur leidlich kritisch auf sich selbt zu blicken, wird es immer geben.
Noch schlimmer finde ich allerdings die Vollpfosten, die aus lauter Sensationsgier dieses Buch dann auch noch kaufen.

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