Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.11.2014

15:11 Uhr

Costa Concordia

Letztes Todesopfer in Schiffswrack gefunden

Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Untergang der „Costa Concordia“ ist die Leiche des letzten noch vermissten Opfers gefunden worden. Den Fund machten die Angestellten der Firma, die das Wrack demontieren soll.

Das Wrack der „Costa Concordia“ wird in Genua demontiert. dpa

Das Wrack der „Costa Concordia“ wird in Genua demontiert.

RomMehr als zweieinhalb Jahre nach dem Untergang des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ ist Medienberichten zufolge die Leiche des letzten noch vermissten Todesopfers gefunden worden. Die sterblichen Überreste des indischen Kellners Russel Rebello seien in einer Kabine auf Brücke acht des Schiffs entdeckt worden, berichtete die Zeitung „La Stampa“ am Montag auf ihrer Website unter Berufung auf örtliche Quellen. Demnach machten Angestellte der Firma Ship Recycling den Fund, die das Wrack in Genua demontieren soll. Die Leiche sei durch umgekippte Möbel in der Kabine versteckt gewesen.

Die „Costa Concordia“ war am 13. Januar 2012 bei einem verfehlten Manöver vor der italienischen Insel Giglio auf Grund gelaufen, leck geschlagen und gekentert. 32 der 4200 Insassen kamen bei dem Unglück ums Leben, darunter zwölf Deutsche. Erst nach langer Vorbereitung gelang es, das Wrack aufzurichten und wieder zum Schwimmen zu bringen.

Die Bergung der Costa Concordia

Wer hat die Bergung vorbereitet?

Etwa 500 Experten aus 20 Ländern haben seit Mai 2012 die schwierige Bergung vor der Insel Giglio vorbereitet. Das amerikanisch-italienische Bergungsteam Titan-Micoperi stimmte sich dabei mit dem Zivilschutz in Rom ab. Der Aufwand an Material und Personal ist riesig. Mehr als 20 Schiffe sind im Einsatz, 15.000 Tauchgänge waren vor der Bergungsaktion notwendig.

Was macht die Bergung der Costa Concordia so heikel?

Mit einer Länge von etwa 300 Metern und einem Volumen von mehr als 114.000 Tonnen ist das italienische Kreuzfahrtschiff eines der größten Schiffe, die jemals in einem Stück geborgen wurden. Im toskanischen Insel-Archipel gelegen, sollten für Giglio und Umgebung auch Umweltfolgen vermieden werden, wie sie ein Auseinanderbrechen auslösen könnten. Schlimmstenfalls könnte das Wrack ganz versinken.

Was wurde für die Bergungsaktion vorbereitet und eingesetzt?

Mehr als 30.000 Tonnen Stahl wurden für die Konstruktion aller benötigten Teile vor der Bergungsaktion herbeigeschafft. Um die Lücken zwischen den Felsen unter dem Rumpf zu schließen und somit das Wrack nach der Aufrichtung zu stabilisieren, liegen 1180 Sand- und Zementsäcke auf dem damit „eingeebneten“ Meeresboden. Das Riesenwrack steht dann auf sechs Plattformen, die mit 21 Pfeilern im Meeresboden verankert sind.

Was passiert nach der Aufrichtung des Wracks?

Auch nach der Aufrichtung bleibt noch viel zu tun. Ist das Wrack vorsorglich stabilisiert, müssen weitere Schwimmbehälter - insgesamt 15 - an der Steuerbordseite angebracht werden. Das Wasser wird aus diesen Schwimmkästen auf beiden Seiten gepumpt, das Schiff „schwimmt“ wieder. Danach wird die „Costa Concordia“ verankert - bis zum Abtransport, der für das erste Halbjahr 2014 vorgesehen ist. Das wird dann die letzte Fahrt des Unglücksschiffes sein, es wird abgewrackt.

Wo soll die Costa Concordia zerlegt werden?

Weil es Investitionen bringt und Arbeitsplätze schafft, haben sich einige Häfen darum gerissen, den Kreuzfahrtriesen zerlegen zu dürfen. Der Hafen der unweit von Giglio gelegene toskanische Stadt Piombino hat den ersten Zuschlag erhalten. Sollten die Kapazitäten für die aufwendigen Arbeiten dort nicht ausreichen, muss neu verhandelt werden.

Wie geht es juristisch weiter?

Wird die Costa Concordia abgeschleppt, verschwindet ein Schandfleck, der weltweit durchaus auch als ein Symbol für einen Schiffbruch des Krisenlandes Italien angesehen wurde. Auch das bizarre Verhalten des Kapitäns Francesco Schettino gehört dazu - er soll das Schiff während der Evakuierung verlassen haben. Derzeit läuft im toskanischen Grosseto der Prozess gegen ihn. Sein Unglücksschiff könnte bereits zerlegt sein, wenn das Urteil gegen ihn gesprochen wird.

Seit Ende Juli liegt das Kreuzfahrtschiff zum Verschrotten im Hafen von Genua. Bislang wurde alles herausgebaut, was aus dem Wrack entfernt werden kann, um es leichter zu machen. Dann soll die „Costa Concordia“ auseinandergebaut werden.

Der Kapitän Francesco Schettino muss sich wegen fahrlässiger Tötung in mehren Fällen, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffs in Seenot vor Gericht verantworten.

Schettino hatte den kenternden Koloss in einem Rettungsboot verlassen, obwohl noch Menschen an Bord waren. Nach eigener Darstellung war Schettino in das Rettungsboot gefallen und dann an Land geblieben, um von dort aus die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Die Hafenbehörde forderte ihn per Handy mehrmals auf, wieder an Bord zu gehen, was er nicht tat.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×