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17.07.2013

16:09 Uhr

Costa Concordia Prozess

Unglückskapitän Schettino vor Gericht

Der Prozess gegen den Kapitän der Costa Concordia geht in die nächste Runde. Ihm wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen. Die Anwälte der Opfer beklagen unzulässige Absprachen der Staatsanwaltschaft.

Prozess um Concordia-Unglück

Costa-Kapitän Schettino vor Gericht

Prozess um Concordia-Unglück: Costa-Kapitän Schettino vor Gericht

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GrossetoIm Prozess um die tödliche Havarie der „Costa Concordia“ haben die Anwälte des Unglückskapitäns gefordert, diesen nicht für die Fehler seiner Crew zur Rechenschaft zu ziehen. „Schettino ist sicher verantwortlich für seine Handlungen“, sagte sein Anwalt Donato Laino am Mittwoch im toskanischen Grosseto. „Aber er kann nicht für die Fehler der anderen geradestehen.“ Der Prozess um das Drama mit 32 Toten war direkt nach dem Auftakt vergangene Woche wegen eines Anwaltsstreiks in Italien verschoben worden.

Am Mittwoch wurde das Verfahren nun mit langwierigen Verfahrensfragen fortgesetzt. Francesco Schettino war braungebrannt und in dunklem Anzug vor Gericht erschienen. Am Nachmittag sollte voraussichtlich die Anklage gegen den einzigen Beschuldigten in diesem Verfahren verlesen werden. Dem 52-Jährigen werden mehrfache fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes noch während der Evakuierung vorgeworfen.

Fragen und Antworten zum Costa-Concordia-Prozess

Was wird Schettino vorgeworfen?

Schettino muss sich wegen einer ganzen Reihe mutmaßlicher Straftaten verantworten. Ihm werden fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie, unterlassene Kommunikation mit den Behörden und das Verlassen des Schiffes während dessen Evakuierung vorgeworfen.

Ist er der einzige Angeklagte?

Voraussichtlich wird Schettino der einzige Angeklagte in dem Prozess sein. Fünf weitere Beschuldigte hatten in den Voranhörungen Deals mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, die eine direkte Verurteilung ohne Beweisaufnahme vorsehen. Das Gericht muss aber noch entscheiden, ob es dieses Vorgehen zulässt oder den Beschuldigten in einem normalen Verfahren der Prozess gemacht wird.

Wie lange dauert der Prozess?

Das Gericht hat zunächst fünf Verhandlungstage für den Juli angesetzt – wann es danach weitergeht, ist noch offen. Wegen eines Anwaltsstreiks in Italien wird sich der Prozessbeginn verzögern und auf den 17. Juli verschoben. Weitere Termine könnten dann nach der Sommerpause im Herbst folgen und das Verfahren sich über mehrere Monate hinziehen, bevor die entscheidende Phase ansteht.

Wann ist mit einem endgültigen Urteil zu rechnen?

Nach einem möglichen erstinstanzlichen Urteil ist auch eine Berufung möglich, weshalb bis zu einem rechtskräftigen Urteil Jahre vergehen könnten.

Wer nimmt noch an dem Verfahren teil?

Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere mit Sitz in Genua tritt als Nebenkläger auf. Sie fordert Schadenersatz für den Verlust ihres Schiffes, wollte sich aber vorab nicht zu ihren Erwartungen äußern. Auch die Gemeinde Giglio ist als Nebenkläger zugelassen. „Wir erwarten vor allem, dass die Wahrheit gefunden wird und dass der schlimme Schaden anerkannt wird, den die Insel Giglio erlitten hat“, sagte Sprecher Cristiano Pellegrini. Die Kommune fordere daher mindestens 80 Millionen Euro Schadenersatz.

Haben die Opfer schon Schadensersatzzahlungen erhalten?

Die meisten deutschen Betroffenen haben bereits Entschädigungen von etwa 11 000 Euro angenommen. Mehr als 100 Opfer streiten noch in den USA um höhere Summen. Sie wollen Entschädigungen von jeweils mindestens 100 000 Dollar (etwa 77 000 Euro) bekommen. Auch in dem Prozess in Grosseto wollen einige Überlebende und Opferangehörige als Nebenkläger auftreten.

Schettinos Verteidiger beantragten erneut eine ausgehandelte Strafe von drei Jahren und fünf Monaten für ihren Mandaten. Mit einem solchen Versuch waren sie in den Voranhörungen schon gescheitert. Anwalt Domenico Pepe betonte, Schettinos einziger Fehler sei es wahrscheinlich gewesen, zu sehr der Crew vertraut zu haben.

Der 290 Meter lange Luxusliner war im Januar 2012 zu nahe an die Toskana-Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war havariert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, darunter auch zwölf Deutsche. Zwei der Opfer werden noch immer vermisst.

Kommentare (1)

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17.07.2013, 22:05 Uhr

"Unglückskapitän"??? Das ist geradezu eine Verunglimpfung der Opfer. Hätte er früher den Alarm gegeben und nicht erst nach riesiger Verzögerung die Küstenwache Befehl zur Evakuierung geben müssen, hätte niemand sterben müssen. Von mir aus hätte er sich dann als erstes aus dem Staub machen können, wie er es auch getan hat. Aber er hätte nicht die Leute wieder in die Kabinen und damit sicheren Tod schicken dürfen, obwohl die Maschinendecks schon unter Wasser standen. Das ist sein Fehler. Alles andere sei ihm verziehen. Aber nicht, dass er wissentlich Leute trotz eindeutigem Sinken des Schiffs im GLauben gelassen hat, alles wäre o.k.

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