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23.01.2012

14:15 Uhr

„Costa Concordia“

Spezialisten kämpfen gegen drohende Ölpest

Die Suche nach den Vermissten im Wrack der „Costa Concordia“ dauert an. Allerdings muss auch zügig mit dem Abpumpen des Schweröls begonnen werden. Die Tanks halten dicht - noch.

Sprengungen am Schiffswrack

Video: Sprengungen am Schiffswrack

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GiglioZehn Tage nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio haben Rettungstaucher am Montag die Suche nach weiteren Vermissten fortgesetzt. Gleichzeitig bereitete sich eine niederländische Spezialfirma auf das Abpumpen des Treibstoffs zur Verhinderung einer Umweltkatastrophe vor (Livebilder aus dem Hafen von Giglio finden Sie hier und hier).

Der Leiter des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, traf am Morgen mit technischen Experten zusammen. Diese sollten die Möglichkeiten erörtern, beide Arbeiten parallel laufen zu lassen. Geplant war zudem ein Treffen Gabriellis mit der Staatsanwaltschaft, um rechtliche Folgen eines Abbruchs der Suche nach Vermissten zu klären. Eine Entscheidung wurde am Nachmittag erwartet.

Das Abpumpen von rund 2.200 Tonnen Schweröl aus den doppelwandigen Tanks könnte eine Gewichtsverlagerung verursachen und die „Costa Concordia“ weiter abrutschen lassen. Derzeit liegt das Schiff auf einem unterseeischen Felsvorsprung, unter dem es rund 30 Meter in die Tiefe geht. Sollte das havarierte Kreuzfahrtschiff untergehen, könnte dies Rettungstaucher im Rumpf des Schiffes gefährden. Mindestens 19 Menschen gelten noch als vermisst.

Die italienischen Behörden gaben am Montag den niederländischen Spezialisten grünes Licht zum Ausbringen einer zweiten schwimmenden Ölbarriere zum Schutz vor einer möglichen Verunreinigung der Küste. Außerdem sei ein Tankschiff angefordert worden, in das das Schweröl umgepumpt werden soll. Nach dem Eintreffen des Tankschiffs gäbe es keine technischen Hindernisse mehr für den Beginn des Abpumpens.

Außer dem Schweröl sind auch noch etwa 185 Tonnen Diesel und Schmierstoffe an Bord. Davon trat bereits ein Teil aus und verschmutzte die Wasseroberfläche. Aber auch Reinigungsmittel an Bord und eine große Menge Chlor könnten die Wasserqualität im Tyrrhenischen Meer gefährden. Das Gebiet um Giglio ist als Schutzgebiet für Delfine und Wale ausgewiesen und ein bevorzugtes Fischereirevier.

Das Wrack des Schiffes vor der Insel Giglio. AFP

Das Wrack des Schiffes vor der Insel Giglio.

Die meist vom Tourismus lebenden Menschen auf Giglio drängen auf ein baldiges Abpumpen des Öls. Am Tag zehn nach dem Kentern des Schiffs sei die Wahrscheinlichkeit, noch Lebende an Bord zu finden, ohnehin gleich null, sagte der Anwohner Andrea Ginnaneschi. Von den Toten „kommt niemand mehr zurück ins Leben. Und wenn man sie später birgt, macht das keinen Unterschied“, sagte er.

Die italienischen Behörden vermuten inzwischen, dass sich mehrere blinde Passagiere an Bord befunden haben könnten. Zivilschutz-Einsatzleiter Franco Gabrielli erklärte, dass die am Sonntag entdeckte Leiche einer Ungarin nicht in den offiziellen Listen eingetragen gewesen sei. Vier weitere Leichen seien bisher ebenfalls nicht identifiziert worden, anhand der Passagierlisten sei dies nicht möglich. Wegen dieser Ungenauigkeiten müsse noch von mindestens 24 Vermissten ausgegangen werden.

Am Sonntag war im verunglückten Schiff von Tauchern eine 13. Leiche entdeckt worden. Unter den bereits identifizierten Opfern sind nach Angaben von Carabinieri-Kommandant Rocco Carpenteri ein Deutscher, vier Franzosen - darunter ein Ehepaar - und je ein Mann aus Italien, Spanien und Ungarn.

Geologe Nicola Casagli von der Universität Florenz sagte, das Schiff sei in der Nacht zum Sonntag teilweise einen Zentimeter pro Stunde abgerutscht. Am Tag wurde diese Bewegung fast komplett gestoppt. „Wir wissen nicht, warum sich das Schiff bewegt hat“, sagte Casagli.

Unterdessen hat der Kapitän der „Costa Concordia“ die Reederei Costa Crociere für sein riskantes und misslungenes Manöver verantwortlich gemacht. Laut Tageszeitung „La Repubblica“ sagte Francesco Schettino bei einer Anhörung vor Gericht diese Woche, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar „wurde noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt“.

Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, „machen wir Werbung für uns“, zitierte der „Corriere della Sera“ den unter Hausarrest stehenden Kapitän der „Costa Concordia“. Manöver dieser Art habe es bereits „vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt“ gegeben, habe Schettino weiter gesagt.

Von

dpa

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