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28.01.2012

16:38 Uhr

„Costa Concordia“

Weiteres deutsches Todesopfer identifiziert

Zwei Wochen nach dem Kreuzfahrtschiff-Unglück der „Costa Concordia“ ist ein weiteres deutsches Todesopfer identifiziert worden. Damit seien nun fünf Deutsche unter den Toten. Die Klagewelle seitens Betroffener beginnt.

Die verunglückte „Costa Concordia“. dapd

Die verunglückte „Costa Concordia“.

Washington/Berlin/GiglioNach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor der italienischen Küste ist ein weiteres deutsches Todesopfer identifiziert worden. Dass das Opfer aus Baden-Württemberg kommt, bestätigte am Samstag das Landeskriminalamt in Stuttgart. Ob es sich bei der identifizierten Person um einen Mann oder eine Frau handelt, sagte der Behördensprecher nicht. Damit seien nun fünf Deutsche unter den Toten, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes der. Sieben Deutsche werden den Angaben zufolge weiterhin vermisst.

Erst am Samstag hatten Taucher ein weiteres Opfer in dem gekenterten Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ gefunden. Sie stießen im überfluteten Bereich des sechsten Decks auf die Leiche einer Frau, teilte der Krisenstab auf der Insel Giglio mit. Die Frauenleiche wurde auf dem sechsten Deck in einem Teil des Schiffs gefunden, der unter Wasser liegt. Damit wurden bislang 17 Leichen gefunden, 15 Menschen werden noch vermisst.

Eine weitere schlechte Nachricht: Wegen schlechten Wetters sind die Vorbereitungen zum Abpumpen des Treibstoffs des havarierten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ unterbrochen worden. Wie der italienische Zivilschutz am Samstag mitteilte, stellten die Techniker ihre Arbeit wegen hohen Wellengangs ein und kehrten in den Hafen der Insel Giglio zurück. Eine Fortsetzung der Arbeit am Wrack der „Costa Concordia“ wäre nach Angaben des Zivilschutzes zu gefährlich gewesen. Experten der niederländischen Bergungsfirma Smit und des italienischen Unternehmens Neri hatten am Freitag Ventile an sechs der 23 Tanks angebracht, um das Abpumpen des Treibstoffs zu ermöglichen. Mit dem Abpumpen selbst hätte am Samstag begonnen werden sollen, dies dürfte sich nun wegen des schlechten Wetters um einige Tage verzögern. An Bord des Wracks befinden sich noch rund 2400 Tonnen Treibstoff, die das Meeresschutzgebiet rund um die Insel zu verseuchen drohen.
Inzwischen kommen auch die angekündigten Klagen gegen die Veranstalter der Kreuzfahrt im Mittelmeer in Gang. Wie am Freitag bekannt wurde, reichte Besatzungsmitglied Gary Lobaton Klage ein.

Den Veranstaltern wird in der Klage vorgeworfen, die Menschen an Bord nicht rechtzeitig gewarnt zu haben. Einige deutsche Betroffene wollen sich einer in den USA geplanten Sammelklage anschließen.

Lobaton zählte zu den mehr als eintausend Besatzungsmitgliedern der „Costa Concordia“, die am 13. Januar vor der italienischen Insel Giglio auf Grund gelaufen und gekentert war.

Die Schadenersatzklage wurde im Namen Lobatons und aller anderen Besatzungsmitglieder und Passagiere in Chicago eingereicht, die sich während der Katastrophe an Bord befanden.

Sie richtet sich gegen Carnival und ihre italienische Tochterfirma Costa Crociere. In der Klageschrift heißt es, die Reisenden seien vom Kapitän Francesco Schettino „verlassen“ worden.

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Auch Passagiere reichten Klage ein. Sechs Gäste der Costa Concordia aus den USA und Italien schlossen sich zusammen, um rund eine halbe Milliarde Dollar von Carnival zu erstreiten.

Die Betreiber der Costa Concordia haetten sich „fahrlässig, waghalsig und nachlässig verhalten ohne an die Sicherheit der anderen zu denken, als das Schiff so nah an die Küste gesteuert wurde“, heisst es in der Klageschrift, die dem Handelsblatt vorliegt.

Sie werfen dem Konzern unter anderem vor, seine Mitarbeiter für Notfälle nicht richtig geschult zu haben und durch das Manöver des Kapitäns unnötig in Gefahr gebracht worden zu sein.

Der Anwalt Hans Reinhardt aus dem nordrhein-westfälischen Marl sagte dem Onlineportal bild.de am Freitag, er vertrete 15 Mandanten. Dabei gehe es um Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen von 160.000 Dollar (rund 122.000 Euro) für Überlebende sowie eine Million Dollar (etwa 762.000 Euro) bei den Todesopfern.

Ein Rechtsstreit in den USA kann bei solchen Fällen lukrativ sein, weil im dortigen Rechtssystem sehr viel höhere Schadenersatzzahlungen erstritten werden können als in Europa.

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