Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.10.2013

11:58 Uhr

Craig Easton

„Man kann bei jeder Witterung gute Fotos machen“

VonAnis Micijevic

Der renommierte Reisefotograf Craig Easton spricht im Interview über die Demokratisierung der Fotografie, den Unterschied zwischen Dokumentation und Werbung sowie Touristenschwärme, die die Mona Lisa ablichten.

Craig Easton: „Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass der Eifelturm zu Paris und der Big Ben zu London gehört.“ PR

Craig Easton: „Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass der Eifelturm zu Paris und der Big Ben zu London gehört.“

Handelsblatt Online: Herr Easton, was macht aus Sicht eines Reisefotografen ein gutes Foto aus?
Craig Easton: Bestimmte Orte besuche ich mehrmals, um die dortige Stimmung besser fühlen und einfangen zu können. Allerdings tun sich hier auch Hürden auf: Wenn man sehr oft in bestimmten Städten wie London oder Paris war, fällt es einem schwer, das Offensichtliche nicht auszusparen. Man macht es automatisch, weil man es gar nicht mehr bemerkt. Deswegen muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass der Eifelturm zu Paris und der Big Ben zu London gehört, auch wenn man es irgendwann als selbstverständlich ansieht und als Fotograf vielleicht sogar übergeht.

Sie verknüpfen in vielen Fotos Landschaftsaufnahmen mit Porträtfotos. Entsteht durch diese Kombination etwas Neues oder ist es nur ein Kompromiss zwischen zwei Stilen?
Ich hoffe doch sehr, dass es mehr als nur ein Kompromiss ist. Eine reine Landschaftsaufnahme ohne Personen wirkt oft öde und langweilig und einem Porträt ohne Einordnung der Umgebung fehlt etwas. Ich denke, dass es reizvoll ist, diese beiden Sachen zu verbinden.

Mir ist aufgefallen, dass einige Ihrer Fotos sehr hell, fast schon grell sind. Ist das ein besonderes Stilmittel?
Ab und zu fotografiere ich gegen das Licht, um diesen Effekt zu erzielen. Andere Fotos sind wiederum sehr dunkel. Aber irgendwie scheint es bei mir nicht viel dazwischen zu geben (lacht).

Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere als Fotograf für die britische Tageszeitung „The Independent“ gearbeitet. Haben Sie damals Ihren dokumentarischen Blick geschärft?
Ja, absolut. Ich kam damals in die Redaktion mit Themenideen und dann wurde nach einem Journalisten gesucht, der bereit ist, mit mir meine Story umzusetzen. Es war ein gleichberechtigtes Zusammenarbeiten und hat sehr viel Spaß gemacht. Heute versuche ich, das Dokumentarische mit der Kunst zu verbinden.

Stichwort Wahrheitsanspruch: Was sagen Sie zu den Manipulationsvorwürfen in Bezug auf das World-Press-Gewinnerfoto von Paul Hansen?
Es ist nicht gut, wenn ein Foto auf Grund seiner Entstehung in Frage gestellt wird. Eigentlich sucht man als journalistischer Fotograf nach der Wahrheit. Falls die Vorwürfe zutreffend sind, macht man weder sich noch seinem Publikum einen Gefallen damit. Aber letztlich muss das jeder selbst wissen.

Wo ziehen Sie die Grenze? Wie groß darf der Grad der Bearbeitung von Fotos aus Ihrer Sicht sein?
Das kommt ganz darauf an, ob ich dokumentarische Aufnahmen oder Werbeaufnahmen mache. Bei Zeitungsfotos würde ich nur die Sachen bearbeiten, die man früher auch in der Dunkelkammer bearbeiten konnte. Bei Werbefotografie sieht es anders aus. Hier werden oft völlig unterschiedliche Aufnahmen wie ein Puzzle zu einem großen Ganzen zusammengesetzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×