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25.09.2014

13:44 Uhr

Das Kapital der Kirche

Steuertricks im Namen Gottes

VonThomas Terhorst

Die katholische Kirche ist ein mächtiger Konzern. Ihr Besitz in Deutschland ist über sechs Milliarden Euro wert. Und sie nutzt moralisch bedenkliche Steuertricks, zeigt eine ZDF-Reportage. Doch die Kritik kommt nicht an.

DüsseldorfErst vor zwei Wochen forschte die ARD mit ihrer Doku „Vergelt's Gott“ in den gut gehüteten Finanzbüchern der katholische Kirche, nun legt das ZDF nach und prangert die Finanztechniken der Kirche an. Diese seien moralisch bedenklich, so der Tenor der aktuellen Zoom-Ausgabe „Glaube, Liebe, Kapital – Die katholische Kirche und ihre Finanzen. Doch mit der moralischen Keule blättern die Autoren bei der Kirche ab.

Für die Spurensuche begibt sich das ZDF-Team nach Köln. Hier hat das größte und reichste Bistum Deutschlands direkt gegenüber vom Dom in den 90er Jahren eine Immobilie erworben – das Dom-Forum. Für die Immobilie zahlte das Bistum rund vierzig Millionen Euro.

Aber erst nach dem Skandal des Bischofs Tebartz-van Elst kam heraus – der Kauf gelang per Steuertrick. Übers Ausland wurde der Deal abgewickelt. Um der Grunderwerbssteuer zu entgehen, kaufte die Kirche nicht die Immobilie, sondern gleich die ganze Firma.

Kirche: Diese Bistümer legen ihre Finanzen offen

Bistum Hamburg

Einnahmen Kirchensteuer: 82,3 Millionen

Staatsleistungen: 0,5 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 35 Millionen

Quelle: zdf.de/zoom

Bistum Osnabrück

Einnahmen Kirchensteuer: 116,3 Millionen

Staatsleistungen: 3,2 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 109,3 Millionen

Bistum Dresden

Einnahmen Kirchensteuer: 26 Millionen

Staatsleistungen: 750.000

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 0

Bistum Fulda

Einnahmen Kirchensteuer: 88,8 Millionen

Staatsleistungen: 8,3 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 0

Bistum Aachen

Einnahmen Kirchensteuer: 40 Millionen

Staatsleistungen: 4 Millionen (lediglich erhaltene Zuschüsse)

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 1,4 Millionen

Bistum Köln

Einnahmen Kirchensteuer: 785 Millionen

Staatsleistungen: 140 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 166,2 Millionen

Bistum Essen

Einnahmen Kirchensteuer: 187,2 Millionen

Staatsleistungen: 1,75 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 2,2 Millionen

Bistum Limburg

Einnahmen Kirchensteuer: 179 Millionen

Staatsleistungen: 3,3 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 92,3 Millionen

Bistum Würzburg

Einnahmen Kirchensteuer: 150 Millionen

Staatsleistungen: 8,2 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 8,7 Millionen

Bistum Bamberg

Einnahmen Kirchensteuer: 141,1 Millionen

Staatsleistungen: 9,6 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 1,5 Millionen

Bistum Mainz

Einnahmen Kirchensteuer: 201,2 Millionen

Staatsleistungen: 6,8 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 0

Bistum Trier

Einnahmen Kirchensteuer: 262,3 Millionen

Staatsleistungen: 16,1 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 84 Millionen

Bistum Speyer

Einnahmen Kirchensteuer: 110 Millionen

Staatsleistungen: 8,14 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 51 Millionen

Bistum Eichstätt

Einnahmen Kirchensteuer: 97 Millionen

Staatsleistungen: k.A. Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 4,4 Millionen

Bistum München-Freising

Einnahmen Kirchensteuer: 495 Millionen

Staatsleistungen: 116,8 Millionen

Vermögen Bischöflicher Stuhl: 27,6 Millionen

„Zwei Millionen Euro hat die Kirche damit eingespart“, sagt die Finanzexpertin Katrin McGauran in dem Beitrag. Ob das für ihn einen Geschmack habe, so eine Briefkastenfirma, konfrontiert Nina Behlendorf daraufhin den zuständigen Finanzdirektor des Kölner Erzbistums, Hermann Schon.

„Nein, nein, nein,“ sagt dieser. „Ich denke nicht, dass wir, wenn eine solche Situation entsteht, die diesen besonderen Hintergrund hat, moralisch eingreifen müssten, um damit dem Staat erkennen zu geben, dass das, was er ins Grunderwerbsteuergesetz herein geschrieben hat, unmoralisch ist.“

Die Dokumentation macht klar; längst funktioniert die katholische Kirche perfekt als Großkonzern. Sie hat die gängigen Tricks der Unternehmen übernommen. Aber ist die Kirche nun ein Unternehmen oder nicht?

Kommentare (2)

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Herr Tom Beck

25.09.2014, 17:32 Uhr

Es heißt immer Religionsfreiheit, wenn man die Geschichte und das Zeitgeschehen betrachtet kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Religionen die größte Geißel der Mennschheit sind und weltweit für Krieg, Terror, Tod und Armut stehen. Das Vermögen der Kirchen basiert auf Ausbeutung über die Jahrtausende und selbstverständlich ist man heute Steuertrickser und Kindesmisshandlungen wurden auch zahlreich aufgedeckt. Religion gehört abgeschafft!!!

Herr Harald Wächter

25.09.2014, 19:05 Uhr

Staat und Kirche sollten laut Verfassung getrennt sein. Doch der Raubzug der Kirche beim Staat sollte endlich mal beendet werden. Die skandalösen Subventionen an die Kirche sind nicht mehr zeitgemäß.
Wussten Sie, dass die Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr Subventionen von ca. 17 Milliarden Euro an die Kirchen bezahlt? Dass also wir alle, die Bürger dieses Landes, dieses Geld bezahlen, gleich welchen Glauben wir haben? Muslim, Jude, Atheist, Konfessionsloser ... jeder bezahlt mit seinen Steuern diese Milliardensubventionen mit.
Mein Filmtipp: 8.9.2014, ARD, 22.45 Uhr -
Dokumentation über den unermesslichen Reichtum der Kirche - ab 9.9. in der Mediathek nachträglich schauen
http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Vergelt-s-Gott-Der-verborgene-Reichtum/Das-Erste/Video?documentId=23370618&bcastId=799280
Es wurden Konten für vermeintlich soziale Zwecke geführt, wo aber nur Geld aus Korruptionsgeschäften gewaschen wurde. Dann der Immobilienbesitz in Deutschland im Wert von Minimum 200 Milliarden Euro. Nimmt man die etwas größere genannte Zahl, liegt man schon bei ca. 330 Milliarden nur für die katholische Kirche und vermutlich ca. 600 Milliarden für beide – nur Grundbesitz. Die Kirche ist also mit Sicherheit Billionär. Und ein Wiedereingliederungsprojekt für Obdachlose wird dicht gemacht aus Kostengründen, das heißt: es gibt nicht genügend Staatsgelder, damit sich die Kirche auch mit dieser Lorbeere schmücken kann.
Warum wird der Kirche nicht die so genannte “Gemeinnützigkeit” entzogen? Denn das Gemeine ist, dass man vor allem auf den eigenen Nutzen bedacht ist.
Ein Sprichwort aus Italien besagt sinngemäß: “Die Kirche nimmt. Und dort, wo die Kirche gibt, kann man sicher sein, dass sie zuvor um einiges mehr genommen hat.”
Und dann noch die Geschichte mit den Steueroasen, wobei man überwiegend sowieso keine Steuern zahlt, sondern alle Steuerzahler nach Strich und Faden für Bischofsgehälter, Priesterseminare usw. ausnimmt

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