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15.12.2012

16:59 Uhr

Debatte

Das Recht auf die Waffe

In den USA gehört das Tragen einer Waffe zu den Grundrechten. Nach dem Amoklauf in Newtown bahnt sich nun eine neue Debatte darüber an. Präsident Obama will die Gesetze verschärfen – doch dagegen regt sich Widerstand.

Ein Kunde in einem Waffenladen in Lockport, Illinois (USA). Nach dem Amoklauf in Newtown bahnt sich eine neue Debatte über Waffengesetze in den USA an. dpa

Ein Kunde in einem Waffenladen in Lockport, Illinois (USA). Nach dem Amoklauf in Newtown bahnt sich eine neue Debatte über Waffengesetze in den USA an.

WashingtonJim Goldman betete nicht nur für die Opfer des Massakers von Newtown und die trauernden Angehörigen. Während die Nation schockiert und entsetzt war, stand er am Freitag mit Dutzenden anderen am Weißen Haus und demonstrierte für schärfere Waffengesetze. „Herr Präsident, ich bete dafür, dass Sie handeln“, war auf einem Plakat in seiner Hand zu lesen. Marian Wright Edelman sprach ihm aus der Seele. „Wie jung müssen die Opfer sein und wie viele Kinder müssen sterben, bevor wir die Verbreitung von Waffen in unserem Land stoppen?“ fragte die Vorsitzende des Children's Defense Fund, einer Organisation zum Schutz von Kindern.

Die Gruppe vor dem Weißen Haus war überschaubar. Etwa 50 Menschen entrollten Plakate, auf denen Parolen wie „Schützt unsere Kinder – verbietet Waffen jetzt“ standen. Wenige Stunden zuvor hatte Präsident Barack Obama bei einer emotionalen Pressekonferenz allenfalls eine Verschärfung angedeutet.

Columbine, Virginia Tech, Tucson, Aurora und nun Newton – wann immer Amokläufe die Nation erschüttern, werden Rufe nach schärferen Waffengesetzen laut. Aber geändert hat sich am Ende nichts. Die Amerikaner scheinen waffenverliebt wie eh und je. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 40 Prozent aller US-Haushalte über eine Schusswaffe verfügen. Nach Schießereien mit vielen Toten entfaltete sich in den vergangenen Jahren gewöhnlich eine Debatte, die grob drei Phasen umfasste: Unmittelbar nach der Katastrophe zeigt sich die Nation betroffen, dann liefern sich Befürworter und Gegner von schärferen Waffengesetzen ein Wortgefecht. Schließlich ebbt die Diskussion wieder ab – ohne größere Änderungen am Waffenrecht. Als im Juli in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado ein Mann während der Premiere des neues „Batman“-Films zwölf Menschen umbrachte, führten die USA eine jener Debatten – bis sie im Nachrichtenstrom unterging.

Jedes Jahr sterben in den USA etwa 30.000 Menschen durch Schusswaffen. Knapp 60 Prozent davon sind Selbstmorde, 40 Prozent sind Tötungsdelikte. Weitaus mehr Bürger werden im eigenen Land erschossen als bei Kriegseinsätzen im Ausland, etwa in Afghanistan. Das Recht auf Waffenbesitz ist im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verbrieft. Wie weit dieses Recht reicht und welche Arten von Waffen davon betroffen sind, ist äußerst umstritten.

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Viele US-Bürger reagieren auf eine Verschärfung der Waffengesetze ähnlich allergisch, als solle ihnen das Recht auf freie Meinungsäußerung genommen werden. Auch nach dem Massaker von Aurora änderte sich an den Umfragewerten nicht viel. In einer Erhebung des Nachrichtensenders CNN aus dem August sprachen sich 50 Prozent gegen größere Einschränkungen des Waffenbesitzes aus. Dagegen forderten 48 Prozent eine stärkere Waffenkontrolle. Die Werte hätten sich gegenüber Umfragen aus dem Jahr 2011 nicht verändert, hieß es.

Schon das allein erklärt, warum auch Politiker, die für Verschärfungen sind, das Thema bisher gescheut haben wie der Teufel das Weihwasser. Wer offen für stärkere Kontrollen plädiert, riskiert eine Quittung an der Wahlurne. So spielte das Thema denn auch im Wahlkampf dieses Jahres praktisch keine Rolle. Nur am Rande erwähnte US-Präsident Barack Obama, dass er im Fall einer Wiederwahl eine Neuauflage eines 2004 ausgelaufenen Gesetzes zum Verbot von bestimmten halbautomatischen Waffen anstreben werde. Im gleichen Atemzug unterstrich der Demokrat das Verfassungsrecht der Bürger auf Waffenbesitz. Waffengegner kritisierten ihn als feige.

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Mitten in der Vorweihnachtszeit bricht das Unvorstellbare über Newtown herein: Ein tödlicher Amoklauf. Die Kinder in der Schule gingen von einer Notfallübung aus und versteckten sich drei Stunden in den Klassenzimmern.

Aber diesmal keimt bei ihnen zumindest etwas Hoffnung auf, dass sich endlich wirklich etwas ändert - wenn es auch nur kleine Schritte sein dürften. Genährt wird das vor allem dadurch, dass die meisten Opfer des Todesschützen in Newton kleine Kinder waren. „Wenn das nicht die Menschen und unsere Politiker wachrüttelt, was dann?“, sagte etwa die Kongressabgeordnete Carolyn McCarthy, deren Mann bei einer Schießerei 1993 getötet worden war. Und sie kündigte an, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste in Washington auf Änderungen pochen wird. „Ich werde nicht mehr zurückweichen“, zitierte die „New York Times“ die Demokratin.

Einen Silberstreif am Horizont sehen sie und andere Waffengegner auch in Obamas Reaktion auf die Schießerei. Noch nie zuvor, so schildern Mitglieder des Washingtoner Pressekorps, habe man ihn so emotional gesehen wie am Freitag, als er sagte: „Unsere Herzen sind heute gebrochen.“ Und der Präsident räumte ein, dass „bedeutsame“ Schritte nötig seien, man zusammenkommen müsse, jenseits politischen Kalküls. Was er damit meinte, blieb zwar offen, die Regierung wolle die Tragödie nicht „politisieren“, sagte Sprecher Jay Carney. „Das hier ist heute nicht der Tag dazu.“

Dass die Wahl hinter Obama liegt und er in seiner zweiten Amtszeit befreiter auftreten kann, lässt manche Waffengegner ebenfalls Morgenluft wittern. Die Schießerei in Newtown sei ein „Game Changer“, ein Ereignis, das grundsätzliche Änderungen bringt, meinte David Chipman, ein früherer Beamter der Bundespolizei ATF, in der „New York Times“.

Andere sind da skeptischer, wie der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der eine Antiwaffen-Koalition von Bürgermeistern im Land leitet. Er glaube es erst, wenn er es sehe, machte er in einer schriftlichen Erklärung deutlich. „Wir haben alle diese Rhetorik schon früher gehört“, sagte er zu den gleichlautenden Bekundungen des Entsetzens bei den Demokraten und Republikanern. „Wir haben bisher keine Führung gesehen - nicht vom Weißen Haus und nicht vom Kongress. Das muss (...) enden.“

Wie sehr beim Themen Waffenkontrolle die Emotionen hochkochen, zeigte sich bei einer CNN-Fernsehdiskussion über die nötigen Konsequenzen aus der Tragödie von Newtown. Moderator Piers Morgan rastete aus, als er das Argument hörte, mehr statt weniger Waffen könnten Schützen wie den Schulamokläufer stoppen. „Das ist doch Schwachsinn (...)“, rief er aus. „Ich bin so frustriert und wütend.“

Die üblichen Verdächtigen der Waffen-Debatte brachten sich nach dem Massaker von Newtown bereits in Stellung. Die Nichtregierungsorganisation Brady Campaign, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzt, erklärte, dass eine Reform „lange überfällig“ sei.

Die mächtige Waffenlobby der National Rifle Association (NRA), die Waffen im Haushalt zur kulturellen Eigenheit der USA überhöht und jede Reform als Angriff auf bürgerliche Freiheiten brandmarkt, hielt sich zunächst bedeckt. Dafür äußerte sich auf dem erzkonservativen TV-Sender Fox News der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee. Mit strengeren Gesetzen lasse sich ein derartiges „Blutbad“ nicht verhindern, sagte er. Stattdessen brachte er als Rezept mehr Gott und Religion in den Schulen ins Gespräch.

Kommentare (32)

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Karma

15.12.2012, 12:54 Uhr

Nach den vorliegenden Informationen ist die Schweiz nur deshalb so sittsam und friedlich, weil alle Schweizer dort z.t. Echte Kriegswaffen zuhause haben und auch wissen, WE man sie einsetzt. Evtl sollte man mal darüber nachdenken, was tatsächliche Ursache für das durchdrehen der Amis ist.

Fast Food
Waffen
Mind Control
Fleisch Genuss
Kriegs Treiber
Bildungssystem

Was auch immer, aber an den Waffen liegt es null

Account gelöscht!

15.12.2012, 12:54 Uhr

Nur Sklaven haben keine Waffen und in der US Verfassung ist dies verankert um sich gegen einen wilkürlichen Staat aktiv wehren zu können, was absolut gut so ist.

Im übrigen werden fast all diese Bluttaten mit Waffen begangen die illegal erworben wurde, ein Obama erzählt das natürlich nicht und dass gerade dieser Typ nicht mehr möchte dass sich die Bürger wehren können, wundert mich gar nicht. Im selben Atemzug in der er hier wieder seine Show abzieht, fliegt eine seiner Drohnen irgendwo im mittleren Osten herum und killt per Knopfdruck weit mehr als 20 Kinder.

MilizIstDemokratieabsicherung

15.12.2012, 13:49 Uhr

„Da eine wohl organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“
-Heute auf dem Tag genau vor 221 Jahren (am 15.12.1791) haben die Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika diesen weisen 2. Zusatzartikel in ihre Verfassung aufgenommen.
Wie wäre wohl die Geschichte in DE und Europa verlaufen, wenn die Bürger sich ebenso hätten verteidigen können?
Warum hat Österreich seinen Bürgern nach der gescheiterten Badischen Revolution 1849 die Waffen abgenommen?

-So traurig das Massaker in den USA auch ist: Das ist der Preis der Freiheit.

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