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08.01.2007

20:17 Uhr

Debatte um Finanzierung des Königshauses losgetreten

Finanzaffäre erschüttert belgisches Königshaus

Prinz Laurent, jüngster Sohn des belgischen Königs Albert II., gibt sich gerne lebenslustig. Der 43-Jährige gefällt sich mit Sonnenbrille am Steuer schneller Autos.

HB BRÜSSEL. Bis zu seiner Heirat vor knapp vier Jahren galt er in Brüssel als Partylöwe. Ein großer Betrugsprozess im flämischen Hasselt, wo ein früherer Berater Laurents auf der Anklagebank sitzt, kratzt nun schwer am Image des scheinbar sorglosen Prinzen. Das Verfahren rüttelt zudem an den Grundfesten der gut 175 Jahre alten Monarchie. „Die Laurent-Affäre bedroht das Königshaus“, titelte die niederländisch-sprachige Tageszeitung „De Morgen“ am Montag.

Der Vater von drei kleinen Kindern soll seine Villa bei Brüssel aufwändig mit Geld der Marine eingerichtet haben. Das behaupten zumindestens die Hauptangeklagten, der Bauunternehmer Marc Luypaerts (51) sowie der Ex-Oberst und frühere Laurent-Berater Noël Vaessen (55). Laurent habe das System falscher Rechnungen für die Marine unterstützt. Der Prinz kennt diesen Teil des Militärs gut. Er absolvierte in den 80er Jahren eine Marineausbildung und hat den Rang Kapitän zur See.

War zunächst von etwa 150 000 Euro die Rede, sollen nun sogar 400 000 Euro in Laurents „Villa Clémentine“ geflossen sein, weitere Gelder in den Unterhalt der von ihm unterstützten Tierheime. Stichhaltige Beweise, wonach der Prinz von der Herkunft der Gelder wusste, fehlen bisher. Die Villa gehört nicht ihm, sondern einer öffentlichen Stiftung. Die Staatsanwaltschaft sieht den Prinzen nicht in dem Fall von Betrügereien zum Schaden der Marine in Höhe von 2,2 Millionen Euro verwickelt.

Die Vorwürfe gegen Laurent heizen unterdessen eine öffentliche Debatte um die Finanzierung des Königshauses an. Und da wird es für die „Royals“ richtig gefährlich. Im niederländisch-sprachigen Norden des Landes sind Bürger und Politiker besonders Monarchie-kritisch.

Nach Ansicht des Ministerpräsidenten der Region Flandern, Yves Leterme, sollten nur König Albert II., Kronprinz Philippe und die Witwe von Baudouin, Königin Fabiola, Geld aus dem Staatshaushalt bekommen. Philippes jüngerer Bruder Laurent, der rund 300 000 Euro im Jahr von den Steuerzahlern bekommt, würde dabei leer ausgehen. Die flämische Regierung will zudem die Finanzen von Laurents Umweltstiftung unter die Lupe nehmen. Sie unterstützt die Arbeit der Stiftung mit jährlich knapp 180 000 Euro.

Laurents Vater Albert hatte den Ärger schon kommen sehen. In seiner traditionellen Weihnachtsansprache versteckte der Monarch die deutliche Warnung: „Niemand steht über dem Gesetz.“ Falls Veruntreuungen festgestellt werden sollten, müsse jeder, der davon Nutzen zog, Schadenersatz leisten. Beobachter sprechen von einer erheblichen Beunruhigung hinter den dicken Palastmauern. Angesichts politischer Bestrebungen in Flandern, diesen Landesteil autonomer zu machen oder ihn sogar von Rest des Landes abzuspalten, steht das Königshaus ohnehin unter enormem Druck. Es ist eine der wenigen Klammern, die die auseinander driftenden Landesteile noch zusammenhalten.

Eine große Unbekannte in der undurchsichtigen Affäre ist Laurent selbst. Hinter der Fassade des Jet-Setters verberge sich ein labiler Mensch, der in seiner Jugend Internaten und Erziehern überlassen wurde, meinen Menschen, die ihn kennen. Sein Hang zu Geld und Glitzer erkläre sich unter anderem aus fehlendem Taschengeld in seiner Jugend. „Im Kaufhaus stellte er sich früher in die Schlange, und wartete, bis er jemanden traf, der er kannte, um für ihn zu bezahlen“, erzählte ein Vertrauter der Tageszeitung „Le Soir“ (Samstag). Die Belgier fragen sich, wie lange Laurent, das „schwarze Schaf“ ihres Königshauses, dem steigenden öffentlichen Druck noch standhält.

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